Nachtrag
admin am Mrz 29th 2008
so große Blöcke ganz von selbst, folgten dem Klange der Musik und fügten sich
selbst zusammen. So entstanden die berühmten Mauern von Theben; und weil Amphion
die siebensaitige Leier erfunden hatte, bekam die Stadt ihm zu Ehren sieben
Tore.
Die Dioskuren
Leda, die Mutter der schönen Helena, hatte zwei Söhne, Kastor und Polydeukes.
Jener war der Sohn des Königs Tyndareus von Sparta, aber Zeus selbst galt für
den Vater des Polydeukes; daher war letzterer unsterblich, Kastor dagegen sterblich.
Da aber die Zwillingsbrüder, am schroffen Meeresabhang des wilden Taygetosgebirges
geboren, einander an Gestalt und Gemüt völlig glichen und sich so herzlich liebten,
nannte man sie auch beide Tyndariden nach Kastors Vater oder Dioskuren, das
heißt Zeussöhne. Sie waren ihr ganzes Leben hindurch, ja auch im Tode unzertrennlich
und unternahmen ihre mancherlei kühnen Heldenstücke immer gemeinsam. Von Schönheit
und Anmut strahlend, zu Frohsinn und hilfreicher Güte geneigt, wuchsen sie zu
herrlichen Jünglingen heran; Kastor war vor allem erfahren in der Kunst, unbändige
Rosse zu lenken, Polydeukes aber wurde der berühmteste Faustkämpfer. Schon in
früher Jugend hatten sie Gelegenheit, ihren unwiderstehlichen Heldenmut zu bewähren,
als Theseus ihre geliebte Schwester Helena entführt hatte. Auf ihren windschnellen
Rossen, die die Götter ihnen geschenkt hatten, jagten sie dem kühnen Räuber
nach und befreiten die Schwester aus der festen Burg Aphidnai, wo sie gefangen
saß. Später beteiligten sich die Zwillinge an der Jagd des Kalydonischen Ebers
und vor allem an der Argonautenfahrt, wo Polydeukes den berühmten Faustkampf
mit dem riesigen Bebrykenkönig Amykos bestand. Durch diese und viele andere
Heldentaten erwarben sich die Dioskuren unsterblichen Ruhm, so daß der große
Herakles sie zu Leitern der von ihm erneuerten Olympischen Spiele erkor.
In Messenien herrschte damals der König Aphareus, ein Schwager des Tyndareus,
welcher ebenfalls zwei gewaltige Heldensöhne hatte, den Lynkeus und den Idas.
Lynkeus, das heißt Luchsauge, führte seinen Namen mit Recht, denn seine Augen
konnten durch einen Baumstamm, ja selbst durch den Erdboden hindurchschauen.
Sein Bruder Idas war von ungeheurer Körperkraft und so verwegenem Mute, daß
er es einst sogar mit dem erhabenen Apollon aufnahm. Die Tochter des Flußgottes
Euenos, die schöne Marpessa, ward nämlich von Apollon geliebt und in seinem
Tempel eingeschlossen. Aber Idas, der ebenfalls von heftiger Liebe zu der Jungfrau
ergriffen war, brach in das Heiligtum ein und raubte die Geliebte. Als nun der
erzürnte Gott ihm drohend entgegentrat, spannte Idas unerschrocken den Bogen
gegen ihn, und es wäre zum Kampfe gekommen, wenn nicht Zeus selbst dem Streite
ein Ende gemacht hätte, indem er der Marpessa freie Wahl zwischen dem göttlichen
und dem sterblichen Freier ließ. Da wählte sie den Idas, der sie freudig heimführte;
doch ein hartes Geschick raffte die blühende Gattin bald dahin.
Mit den beiden Aphariden Lynkeus und Idas waren die Dioskuren anfangs innig
befreundet; zuletzt aber wurden die Freunde zu Todfeinden, und das ging so zu:
Die zwei Brüderpaare zogen einstmals auf Beute aus. In Arkadien raubten sie
eine herrliche Rinderherde, die sie untereinander zu teilen beschlossen; dem
Idas übertrugen die drei andern das Amt der Teilung. Da zerlegte dieser einen
Stier aus der Beute in vier Stücke und bestimmte, daß der, welcher seinen Teil
zuerst verzehrt haben würde, die Hälfte des Raubes, der zweite das übrige haben
sollte. Nun begann der seltsame Wettstreit. Aber kaum hatten die andern sich
ans Essen gemacht, da war Idas mit seinem Teil schon fertig und half nun auch
dem Bruder, sein Stück zu verspeisen. So hatten die Aphariden die Wette gewonnen
und führten die ganze Beute lachend hinweg, während die Dioskuren leer ausgingen.
Aus Zorn hierüber brachen nun diese in Messenien ein, entführten die schönen
Töchter des Leukippos, Phöbe und Hilaeira, welche die Bräute der Aphariden waren,
und vermählten sich mit ihnen. Dann brachten sie ihren Raub in Sicherheit und
versteckten sich in einem hohlen Eichbaum; aus diesem Hinterhalt lauerten sie
den Aphariden auf, um sie zu überfallen; denn sie wußten wohl, daß diese ihren
Schimpf nicht ruhig ertragen, sondern sie verfolgen würden. Lynkeus aber eilte
schnellen Fußes zum Taygetos und stieg auf den höchsten Gipfel; von da durchspähte
er die ganze Insel des Pelops bis an die Küsten des blauen Meeres, und bald
erblickte er mit den gewaltigen Augen die beiden im hohlen Stamme versteckt,
Kastor den Rossebezwinger und den preiswerten Helden Polydeukes, und zeigte
sie seinem Bruder Idas. Rasch schlichen sie nun herzu, und ehe die Dioskuren
sie gewahr wurden, schleuderte Idas den schweren Wurfspeer und durchbohrte Kastors
Brust, daß er zu Boden sank. Polydeukes sah den blutenden Bruder zu seinen Füßen;
da sprang er wütend hervor, um mit beiden Feinden zugleich zu kämpfen. Seinem
Andrang vermochten sie nicht zu widerstehen, in wilder Flucht rannten sie dahin,
bis an das Grab ihres Vaters Aphareus. Dort hob der starke Idas den Stein vom
Grabhügel und schmetterte ihn gegen des Verfolgers Brust. Aber wie ein Fels
im Meere stand Polydeukes, unerschüttert von der Wucht des anprallenden Marmors.
Nun stürmte er auf Lynkeus ein und schleuderte ihm die Lanze tief in die Weichen,
daß dieser sterbend zu Boden stürzte. Ein furchtbarer Kampf begann zwischen
Gerne gelesen werden auch:
Geschrieben in Erzählungen, Sagen | Kein Kommentar bis jetzt