Weltan
Weltanschauung, Lebensanschauung
Der Begriff Weltanschauung findet sich wohl erstmals in Kants Kritik der Urteilskraft.Als Weltanschauung bezeichnet man das Gesamtverständnis von Individuen über die Welt, in der sie leben (so z. B. bei Dilthey, Jaspers und Scheler). In diesem Zusammenhang spricht man auch von Lebensanschauung.
Weltseel
Weltseele
Weltseele ist bei Platon und den Platonikern die Bezeichnung für das bewegende Prinzip der Welt.Dabei wird die Welt im ganzen als Makrokosmos in Analogie zum einzelnen Menschen, dem Mikrokosmos, verstanden. Wie der Mensch besitzt auch die Welt Leib und Seele.
Bei Plutarch ist die Weltseele die Grundlage für das Böse.
Vermittelt durch die Stoa und Plotin, wirkte der Gedanke einer Weltseele bis in die heutige Philosophie weiter.
Ficino macht ihn durch seinen Begriff der anima mundi der Renaissance zugänglich.
Auch Cardano zufolge, ist die Weltseele Prinzip der Bewegtheit und der Veränderung.
Goethe und Herder setzen die Weltseele dem Weltgeist gleich. Auch Schelling hat den Begriff der Weltseele aufgegriffen.
Heute wird der Begriff mitunter noch ihm Rahmen der Diskussion um das Leib-Seele-Problem aufgegriffen.
Wende
Kopernikanische Wendung
Als kopernikanische Wende (auch: kopernikanische Wendung, kopernikanische Revolution) bezeichnet man die von Kopernikus mit seinem Werk De revolutionibus orbium coelestium (1543) eingeleitete Entwicklung der Auffassung, dass die Erde nicht der Zentralkörper des astronomischen Weltsystems sei.Die Bezeichnung geht auf eine Bemerkung Kants in der Vorrede zur zweiten Auflage der Kritik der reinen Vernunft zurück, in der Kant seine neue erkenntnistheoretische, nämlich transzendentale Einstellung, wonach sich "die Gegenstände […] nach unserer Erkenntnis richten" müssen [KrV, B XVI], durch Hinweis auf Kopernikus erläutert, "der, nachdem es mit der Erklärung der Himmelsbewegungen nicht gut fort wollte, wenn er annahm, das ganze Sternheer drehe sich um den Zuschauer, versuchte, ob es nicht besser gelingen möchte, wenn er den Zuschauer sich drehen, und dagegen die Sterne in Ruhe ließ" [KrV, B XVI].
"Kopernikanisch“ stellt sich Kant in seiner Transzendentalphilosophie auf den Standpunkt, dass die Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung überhaupt […] zugleich Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung" sind [KrV, A 158; vgl A 111].
Wert
Wert
Wert nennt man die zwischen einem Gegenstand und einem Maßstab durch den wertenden Menschen hergestellte Beziehung.Die Lehre von den Werten nennt man Wertphilosophie, Axiologie, Timologie, Werttheorie oder Wertlehre.
Das eine Bewertung ausdrückende Urteil nennt man Werturteil.
Ist der Wertmaßstab ein subjektives Lustgefühl durch die Befriedigung eines Bedürfnisses, so kommt es zu einer psychologischen Werttheorie. Einen zentralen Platz nimmt dieser Begriff des Wertes u. a. in der subjektiven Wertethik ein.
Die Vielheit der menschlichen Bedürfnisse und Gefühlsweisen erklärt die Verschiedenartigkeit der Wertung. Was dem einen von hohem Wert ist, besitzt für den anderen geringen Wert.
Wertrelativismus nennt man die Ansicht, die den Werten nur relative Geltung zuschreibt, d. h. nur für einen bestimmten Menschen oder für eine bestimmte Rasse oder für eine bestimmte Zeit. Werte, die unabhängig von all diesen Sonderbedingungen oder absolut gelten, gibt es danach nicht.
Der Zweig der Psychologie, in dem die seelischen Vorgänge bei Wertungen untersucht werden heißt Wertpsychologie.
Ursprünglich wurde das Wort ausschließlich im ökonomischen Sinn als Wert eines Dings verwendet. Ende des 19. Jh. führten H. Lotze u. a. den Begriff in die Philosophie ein, wo er eine umfassendere Bedeutung erhielt.
Der Wertbegriff wurde von Lotze in Verbindung mit dem Begriff der Geltung verwendet. Außerdem spielt der Wertbegriff bei Nietzsche, Meinong, Windelband, Rickert, Eisler, Münsterberg, Scheler, W. Stern, J. Cohn und N. Hartmann ein große Rolle.
Die Neukantianer der Badischen Schule verstehen unter Wert nur das allgemeine formale Element, das ungefähr dem Sollen gleichgesetzt wird und sich vom rein empirisch aufgefaßten Sein als transzendentale Bestimmung unterscheidet.
Sie gehen von dem Unterschied zwischen der Natur (die aus Gesetzen erklärt werden kann) und der geschichtlichen Kultur (die aus leitenden Werten verstanden werden muss) aus. So steht neben dem wertfreien Wirklichen das eigenständige Reich der Werte, die unbedingt gelten, nicht aber existieren, weshalb sie auch als irreal oder unwirklich bezeichnet werden. Beide Sphären treffen sich in dem Weltknoten, d. h. in den wertenden Akten des Menschen, die dann auch Werte dem Wirklichen einprägen und so Kulturgüter schaffen.
Die Wertphänomenologie, wie sie u. a. Scheler in seiner materialen Wertethik ausführt, geht vom Wertfühlen aus.
Das unmittelbare Bewußtwerden der Werte, die sich zunächst im Gefühl durch Lieben und gefühlsmäßiges Vorziehen des Wertvoll, durch Hassen und Verabscheuen des Wertwidrigen ankündigen, ehe ihr Wesen geistig erfaßt wird, nennt man in der phänomenologischen Wertlehre Wertgefühl.
Die Absolutheit der Werte ist durch ihre Unabhängigkeit vom Sein gesichert, weshalb die Werte ein Reich materialer Qualitäten bilden. Wegen der Trennung der Werte vom Sein können diese nicht vom Verstand erkannt werden, sondern nur durch intentionales Fühlen erfaßt werden.
Das Fehlen des Gefühls für bestimmt Werte wird mitunter auch Wertblindheit genannt.
Besteht zwischen zwei Werten ein Widerstreit, der es unmöglich macht, sie beide zugleich zu verwirklichen, spricht man von einer Wertantinomie.
Nietzsche machte die überragende Bedeutung der Werte und der Wertschätzungen für die Weltanschauung sichtbar. Wertschätzungen sind für ihn "physiologische Forderungen zur Erhaltung einer bestimmten Art von Leben". In der Wertschätzung drückt sich der Wille zur Macht aus.
Nietzsche verlangt und versucht eine Umwertung aller Werte und eine Rangordnung der Werte. Den höchsten Wert verkörpert der große Mensch.
Werteth
Subjektive Wertethik
Als subjektive Wertethiken bezeichnet man ethische Theorien, die die subjektiven Werte des Akteurs als zentrales ethisches Kriterium heranziehen. Solche Theorien sind mit einer anthropozentrischen Position verbunden, wenn sie als Akteur den Mensch ansehen. Dabei können sich die Werte z. B. in einer Naturästhethik auf die nichtmenschliche Welt beziehen, so dass eine Abschwächung der Anthorpozentrik möglich ist. Denkbar ist freilich auch, dass z. B. Tiere als Akteure und Wertträger betrachtet werden und sich so eine pathozentrische Position ergibt.Wahrnehm
Wahrnehmung, Sinneserfahrung
Wahrnehmung bzw. Sinneserfahrung, ist eine Erfahrung, die auf der Sinnlichkeit beruht.Aristoteles unterschied die sinnliche Wahrnehmung (aisthesis, sensus) und die geistige Wahrnehmung (noesis, intellectus, einsichtiges Erfassen).
Die sinnliche Wahrnehmung ist, da in ihr die materialen sinnfälligen Dinge unmittelbar empirisch gegeben sind, Grundlage der geistigen Wahrnehmung, in welcher diese mit Hilfe der Vorstellung (phantasia) in ihrer intelligiblen Form und ihrem Wesen (ohne ihre Materie) erfaßt werden.
Die Vorstellung ist dabei dasjenige Medium, welches das Wahrgenommene in seiner qualitativen, nicht mehr in seiner stofflichen Natur, unabhängig von seiner tatsächlichen Präsenz oder Existenz, in sich aufnimmt und der geistigen Wahrnehmung zur (passiven) Rezeption und (aktiven, reflexiven) Apperzeption präsentiert.
Die Differenz von sinnlicher und geistiger Wahrnehmung hat Leibniz durch die Unterscheidung von Perzeption und Apperzeption verdeutlicht.
In der empirischen, experimentellen Wahrnehmungspsychologie werden u. a. Aufbau, Prozesse und Leistungen sinnesphysiologischer Systeme in Hinsicht auf das Wahrgenommene untersucht. Dabei gelten Sinnesdaten, Empfindungen, Vorstellungen und Gedächtnisinhalte nicht als isoliert gedachte Faktoren, sondern als das komplexe Ganze des Wahrnehmungserlebnisses konstituierende subsystemartige, leistungsfähige Teilinhalte. Sie sind die Grundlage dafür, dass ein außerpsychischer Gegenstand als sinnvoll, gestalthaft und geordnet erscheint.
Stimmungslagen, Interessen, Erwartungen und Aufmerksamkeit sind Faktoren, die den Wahrnehmungsprozeß auf etwas spezifisch ausrichten.
Während in der nicht introspektiven Wahrnehmungspsychologie die Erforschung des phänomenal Wahrgenommenen im Vordergrund steht, wird in der philosophischen Psychologie und der Phänomenologie die Rezeptivität und Produktivität der Wahrnehmungsdakte untersucht. Damit rückt, neben dem Objekt der Wahrnehmung, insbesondere das Subjekt der Wahrnehmung in den Vordergrund.
Wahrnehmung zeigt sich introspektiv als komplexes Phänomen, denn sie weist intentional auf etwas außer sich als ihrem primären Gegenstand hin und hat sich zugleich selbst zum sekundären Gegenstand.
Der außerpsychische Gegenstand der Wahrnehmung kann, aber muss nicht existieren.
In phänomenologischer Einstellung kann (Brentano, Meinong) bzw. muss (Husserl) von ihm in Epoché abgesehen werden, nicht aber vom erlebten Inhalt bzw. dem immanenten Objekt oder dem inneren Gegenstand bzw. dem einwohnenden Datum der inneren Wahrnehmung, dem Wahrgenommenen oder Gedachtem als solchem, das den äußeren Gegenstand repräsentiert.
Nach Meinongs gegenstandstheoretischer Version ist es nicht der wirkliche Kirchturm, über dessen Dasein uns die innere Wahrnehmung Auskunft gibt, sondern nur der vorgestellte Krichturm.
Es bleibt strittig, ob dieser Kirchturm als lediglich vorgestellter und damit nicht real, sondern modifiziert präsent ist (Meinong) oder ob eine reale Kirchturmvorstellung als Grundlage der inneren Wahrnehmung fungiert (Brentano) oder ob es sich dabei um ein ideales Datum am Horizont des Mitgemeinten handelt (Husserl).
Unabhängig davon wird die Hereinnahme eines Objektes durch seine ursprüngliche Vorstellung ins Psychische, den Kompetenzbereich der inneren Wahrnehmung konstatiert. Desweiteren wird darauf verwiesen, dass eine Vorstellungstätigkeit als fundiertes Moment der Wahrnehmung generell wahrnehmungsimplizit ist. Der immanente Inhalt der Wahrnehmung kann nach den Weisen analysiert werden, wie er der Wahrnehmung gegeben ist. Die Gegebenheitsweisen in der Wahrnehmung werden im Moment des Erfassens evident erlebt. Sie können daher kategorisiert und beschrieben werden. Wahrnehmung kann mithin als mit dem Wahrgenommenen gleichzeitiges, evidentes urteilsartiges, für-wahr-nehmendes Ereignis charakterisiert werden.
Die Wahrnehmung der höheren Denkvorgänge wurde vor allem durch die Würzburger Denkpsychologie introspektiv erfaßt und experimentell bestätigt und schriftlich fixiert.
Husserl hat die Würzburger Denkpsychologie kritisiert. Eine wissenschaftliche Psychologie der Wahrnehmung hat nach Husserl deren Leistungscharakter nicht durch experimentelle und psychophysische und sonstige Außenpsychologie, sondern qua intentionaler Innenpsychologie in ihrem apriorischen Wesen universal (die Allheit möglichen Bewußtseins überhaupt, bezogen auf die Allheit möglicher Gegenstände überhaupt zu eruieren.
Husserl weist jede herkömmliche, natürliche-naive, positive Wahrnehmungsauffassung zurück. So wird auch die introspektive Wahrnehmungspsychologie durch Watsons Behaviorismus der sich als naturwissenschaftlicher Ansatz versteht abgelehnt.
In der Philosophie des Geistes wird Wahrnehmung in der Bedeutung referentiellen, propositionalen und selbstreferentiellen Wissens verwendet.
In Russells Position des logischen Atomismus stellen die Sinnesdaten das Fundament der Wahrnehmung dar. Den Sinnesdaten korrespondieren die atomaren Sätze.
Im Phänomenalismus gilt das Sinnesdatum als unmittelbarer Wahrnehmungsgegenstand und als Grundlage der Erkenntis.
Locke unterscheidet zwischen dem sinnlict.self.status=’http://sternchenland.com/lexika-startseite/philosophen-lexikon/fracast.htm‘;return true“ >G. Fracastoro – ist das abstrahierende logische Ordnungsvermögen, das allgemeine Sätze gestattet.
Die radikalen Aprioristen (z. B. Platon) meinen, dass die Sinneswahrnehmung zu keiner wahren Erkrenntnis führen kann und deshalb keine entscheidende Bedeutung hat. Wahre Erkenntnis beruht allein auf der Vernunft.
Für Émile Meyerson liegt die entscheidende Forderung an eine wissenschaftliche Erklärung darin, dass sie die zugrundeliegenden Kausalverhältnisse in ihrer Gesetzmäßigkeit klärt. Das Hauptinteresse liegt daristoteliker schufen eine Theorie des subnotio. Diese Theorie lehrt ein nichtempirisches, aber an empirische Wahrnehmung gebundenes Vermögen im Subjekt zur logischen Ordnung der Gegenstände, die das Nebeneinander der Vorstellungen in eine notwendige Struktur verwandeln. Die subnotio – so G. Fracastoro – ist das abstrahierende logische Ordnungsvermögen, das allgemeine Sätze gestattet.
Die radikalen Aprioristen (z. B. Platon) meinen, dass die Sinneswahrnehmung zu keiner wahren Erkrenntnis führen kann und deshalb keine entscheidende Bedeutung hat. Wahre Erkenntnis beruht allein auf der Vernunft.
Für Émile Meyerson liegt die entscheidende Forderung an eine wissenschaftliche Erklärung darin, dass sie die zugrundeliegenden Kausalverhältnisse in ihrer Gesetzmäßigkeit klärt. Das Hauptinteresse liegt darin, zu wissen, warum dem immer so ist. Die Antwort bezieht, d. h. auf Teile der Wirklichkeit, die sich unserer unmittelbar gegebenen (positiven) Sinneswahrnehmung entziehen.
Alkmaion lehrte, "sämtliche Sinnesvermögen irgendwie mit dem Gehirn zusammenhängen. Daher litten sie auch Schaden, wenn dieses erschüttert wurde und seine Lage verändere. Denn er ziehe ‚die Poren‘ in Mitleidenschaft, durch die die Sinnesvermögen (vermittelt würden)" [Theophrast: Von den Sinneswahrnehmungen 26 = DK, 24 A 5]
Alkmaion hat gesagt, " sich der Mensch von den übrigen Wesen dadurch unterscheide, dass er allein denkt, während die anderen Wesen zwar Sinneswahrnehmungen haben, aber nicht denken." [Theophrast: Von den Sinneswahrnehungen 25 = fr. 1a].
Umstritten ist, ob es eine reine Wahrnehmung (d.h. eine theoriefreie, ungedeutete Wahrnehmung) gibt oder ob alle Wahrnehmung bereits vorstrukturierte Sinneserfahrung von etwas als etwas ist.
Wahrsch
Wahrscheinlichkeit
Wahrscheinlichkeit ist ein Grad der Gewißheit, wobei die Gewißheit unterschiedliche Gründe haben kann.Nach Platon ergibt bloße Wahrnehmung nicht Wahrheit, sondern Wahrscheinlichkeit (Tim. 78).
Arkesilaos hält die Erkennten der Wahrscheinlichkeit für möglich. Sie soll insbesondere für das Handeln maßgebend sein.
Ebenso wie Arkesilaos hielt Karneades Erkenntnis der Wahrheit für unmöglich, räumte aber ein, dass es Wahrscheinlichkeiten gebe.
Karneades unterschied drei Grade der Wahrscheinlichkeit:
- das einfach Wahrscheinliche
- das Wahrscheinliche und Widerspruchsfreie
- das Wahrscheinliche, Widerspruchsfreie und Prüfbare
Aristoteles studierte bereits Syllogismen mit wahrscheinlichen Urteilen.
Locke unterteilt die Erkenntnisse in Wissen und in wahrscheinliche Kenntnisse. Wissen liegt vor, wenn die Verbindung zweier Ideen nachgewiesen werden kann. Wenn der Zusammenhang zwischen Ideen nur ungenau nachgewiesen werden kann und erst durch Argumente beschrieben werden muss, haben die Kenntnisse nur einen höheren oder niedrigen Grad der Wahrscheinlichkeit.
Hume versteht unter probability den Grad der Gewißheit, dem noch Ungewißheit anhaftet. Hume unterscheidet:
- die Wahrscheinlichkeitserkenntnis, die sich auf die Betrachtung des Zufalls gründet, und
- die Wahrscheinlichkeitserkenntnis aus Ursachen.
Leibniz betrachtete das Fehlen einer Abstufung der Wahrheit nach Wahrscheinlichkeiten als einen Fehler der klassischen Logik. Für ihn ist die Wahrscheinlichkeit ein Maß für die Kenntnis eines Objektes.
Als klassische Wahrscheinlichkeit bezeichnet man die auf Laplace zurückgehende Definition der Wahrscheinlichkeit als Quotient aus der Anzahl der günstigen Fälle und der Anzahl aller möglichen Fälle.
Die statistische Wahrscheinlichkeit entstammt der Erfahrung. Zählt man bei häufiger Wiederholung eines Experimentes, wie oft ein bestimmtes Versuchsergebnis eintritt, und teilt diese Zahl durch die Anzahl der Versuche, so erhält man die relative Häufigkeit des Ereignisses.
Kiesewetter bezeichnet die klassische Wahrscheinlichkeit als logische Wahrscheinlichkeit, Fries und Bernoulli nennen sie mathematische Wahrscheinlichkeit, Windelband nennt sie wissenschaftliche Wahrscheinlichkeit.
Die statistische Wahrscheinlichkeit nennt Kiesewetter reale Wahrscheinlichkeit. Bernoulli nennt sie empirische Wahrscheinlichkeit.
Die philosophische Wahrscheinlichkeit geht nach Fries von allgemeinen Grundsatz aus, die schon aus einem einzigen Fall einen Induktionsschluß ermöglichen. Eine philosophische Wahrscheinlichkeit besteht darin, dass wir eine Behauptung mit ihren Gründen vergleichen und, ohne diese vollständig erhalten zu können, doch überwiegende Gründe dafür haben.
Für die Kohärenztheorie scheint der Wahrscheinlichkeitsbegriff von Volkmann von besonderem Interesse. Er schreibt: "Wir halten für wahr, wovon wir vollkommen überzeugt sind. Kommt kein Prädicat zu diesem absoluten Vorzug, nimmt aber gleichwohl eines von ihnen den übrigen gegenüber den relativ höchsten Klarheitsgrad dauernd ein, dann nennen wir das Urteil, das dieses Prädicat dem Subjecte beilegt, wahrscheinlich" (Lehrb. d. Psychol. II 4, 297). Damit entspricht der Wahrscheinlichkeitsbegriff weitgehend meinem Begriff der Rechtfertigung.
Diesen beiden objektiven Begriffe der Wahrscheinlichkeit (mathematische und statistische Wahrscheinlichkeit) steht die subjektive Wahrscheinlichkeit, d. h. der Grad der Neigung, etwas für wahr zu halten, gegenüber.
Die Unterscheidung von objektiver und subjektiver Wahrscheinlichkeit geht wahrscheinlich auf Hofbauer zurück (Logik, § 419).
Insbesondere Mill vertritt einen subjektiven Wahrscheinlichkeitsbegriff. Für ihn ist Wahrscheinlichkeit "nicht eine Eigenschaft des Ereignisses selbst, sondern ein bloßer Name für die Stärke des Grundes, wonach wir dasselbe erwarten" (Logik II, 67).
In der heutigen Wahrscheinlichkeitstheorie verwendet man heute gewöhnlich keine expliziten Definitionen, sondern Axiomensysteme.
Carnap unterscheidet zwei Begriffe der Wahrscheinlichkeit:
- der Grad der Bestätigung einer Hypothese durch Tatsachenaussagen,
- die statistisch ermittelte durchschnittliche Häufigkeit mit der ein bestimmter Fall eintritt.
W Logik
Wahrscheinlichkeitslogik
Als Wahrscheinlichkeitslogik bezeichnet man die Logik, die sich mit der Wahrscheinlichkeit von Aussaen befaßt. Unter anderem untersucht sie Wahrscheinlichkeitsschlüsse. Die Wahrscheinlichkeitslogik ist eine mehrwertigen Logik in der das Extensionalitätsprinzip nicht gilt.
W Schl
Wahrscheinlichkeitsschluß
Als Wahrscheinlichkeitsschluß, wahrscheinlichen Schluss oder Wahrscheinlichkeitsurteil bezeichnet man einen mittelbaren Schluss, in dessen Schlusssatz kein gesichertes, sondern nur wahrscheinliches Wissen enthalten ist.Nach Reichenbach beruht alle unsere Erkenntnis auf Wahrscheinlichkeitsschlüssen.
Als Wahrscheinlichkeitsschluß bezeichnet L. W. Rutkowski ein Schluss, bei dem aus dem Vorliegen eines Ereignisses auf zu erwartende Ereignisse geschlossen wird und wo das abgeleitete Urteil eine Disjunktion ist, in der auf die relative Bedeutung jedes Gliedes der Disjunktion im Vergleich zu den übrigen hingewiesen wird.
Wahrscheinlichkeitsschlüsse sind nach Rutkowski die wichtigste Art eduktiver Schlüsse.
Die Induktion ist nach Jevons ein Spezialfall des Wahrscheinlichkeitsschlusses.