Neunzehntes Kapitel

Ein angenehmer Tag mit einem unerfreulichen Schluß.

Die gefiederten Bewohner der Stoppelfelder begrüßten in seliger Unkenntnis der zu ihrem Verderben getroffenen Vorbereitungen den Morgen des ersten September als einen der schönsten, die sie in dieser Jahreszeit gesehen hatten. Manches junge Rebhuhn stolzierte mit der ganzen Hoffart der Jugend selbstgefällig einher, und manches alte schaute aus runden Augen mit der Miene eines weisen, abgeklärten Vogels dem törichten Treiben zu und badete sich, das drohende Verhängnis nicht ahnend, wonnetrunken in der frischen Morgenluft. Und doch lagen sie bereits wenige Stunden später leblos am Boden.

Es war also, um in Prosa zu sprechen, ein schöner Morgen, so schön, daß man kaum hätte glauben können, die wenigen Monate eines englischen Sommers seien bereits vorüber. Hecken, Felder und Bäume, Hügel und Moorland boten dem Auge die wechselreichen Schattierungen eines vollen, saftigen Grüns; kaum war ein Blatt gefallen, kaum mischte sich ein gelbes Pünktchen in die Farbe des Sommers und verriet das Herannahen des Herbstes. Wolkenlos breitete sich der Himmel aus, die Sonne schien hell und warm, das Gezwitscher der Vögel und das Summen von Myriaden Sommerinsekten erfüllten die Luft. Die Gärten prangten mit bunten Blumen in reicher Schönheit und funkelten im Morgentau gleich Beeten blitzender Juwelen. Alles trug den Stempel des Sommers, und noch war nicht eine seiner schönen Farben verblichen.

So war der Morgen, an dem ein offner Wagen mit drei Pickwickiern und den Herren Wardle und Trundle (Mr. Snodgraß hatte es vorgezogen, zu Hause zu bleiben) und Mr. Sam Weller, der neben dem Kutscher auf dem Bocke saß, vor einem Tor an der Landstraße hielt, hinter dem ein baumlanger Wildhüter und ein Junge in Halbstiefeln und Lederhosen, jeder mit einer Jagdtasche von bedeutendem Umfang und einem Paar Hühnerhunden versehen, bereits warteten.

„Hm, warum haben die so große Taschen?“ flüsterte Mr. Winkle Mr. Wardle zu, als man den Wagentritt niederließ.

„Zum Füllen!“ rief der alte Wardle. „Wozu denn sonst. Sie sollen die eine füllen und ich die andre, und wenn wir damit fertig sind, geht’s erst noch an die Taschen unsrer Jagdwämser.“

Mr. Winkle stieg aus, ohne auf diese Bemerkung etwas zu erwidern, dachte aber in seinem Herzen, wenn die Gesellschaft so lange im Freien bleiben würde, bis er eine von den Jagdtaschen gefüllt hätte, so würde sie sich wohl einen bedenklichen Schnupfen holen.

„Herein, Juno! Schön, Alte! Leg dich, Daphne, leg dich“, liebkoste Wardle die Hunde. „Sir Geoffrey ist natürlich noch in Schottland, Martin?“

Der baumlange Heger bejahte und sah verwundert auf Mr. Winkle, der seine Flinte so hielt, als beabsichtige er, mit seiner Rocktaschenklappe den Hahn zu spannen, und dann auf Mr. Tupman, der sie so trug, als ob er sich vor ihr fürchtete; übrigens ist kaum daran zu zweifeln, daß er sich wirklich fürchtete.

„Meine Freunde sind in derlei Dingen noch unbewandert, Martin“, erklärte Wardle, der den Blick bemerkte. „Da heißt’s: ,Leben und Lernen.‘ Aber sie werden schon noch tüchtige Schützen werden. Bitte übrigens um Verzeihung, Mr. Winkle, Sie haben ja bereits Erfahrung.“

Mr. Winkle lächelte schwach aus seiner blauen Halsbinde hervor, stolperte dabei über seine Flinte und hätte sich in seiner Verwirrung unfehlbar erschossen, wenn die Läufe geladen gewesen wären.

„Sie müssen das Dings da anders halten, wenn’s mal geladen is“, sagte der baumlange Wildhüter mürrisch, „oder ich will verdammt sein, wenn Sie nicht einen von uns kalt machen.“

Mr. Winkle veränderte auf diese Ermahnung so plötzlich seine Stellung, daß sein Flintenlauf in ziemlich kräftige Berührung mit Mr. Wellers Kopf kam.

„Hallo“, rief Sam, hob seinen Hut auf und rieb sich die Schläfe. „Hallo, Sir, auf die Art können Sie mit einem Schlag eine von diesen Taschen füllen, daß auf beiden Seiten noch was rausschaut.“

Das erheiterte den Jungen mit den Lederhosen derart, daß er aus vollem Halse heraus lachte, was wiederum Mr. Winkle veranlaßte, majestätisch die Stirn zu runzeln.

„Wohin haben Sie den Jungen mit unserer Atzung bestellt, Martin?“ fragte Mr. Wardle.

„Zum Baumhügel, um zwölf Uhr, Sir.“

„Der gehört doch nicht zu Sir Geoffreys Jagdgebiet – oder?“

„Nein, Sir, is aber dicht dabei. Gehört dem Kapitän Boldwig; ’s wird uns aber niemand stören, ’s ist ein feiner Rasen dort.“

„Schön“, versetzte der alte Wardle. „Aber jetzt wird’s langsam Zeit. Je früher wir dran sind, um so besser! Wollen Sie also bis dahin hier auf uns warten, Pickwick?“

Mr. Pickwick hätte ums Leben gern der Jagd beigewohnt, nicht nur, weil ihm um Mr. Winkles Leib und Leben bang“ war, sondern es auch an einem so einladenden Morgen eine wahre Tantalusqual bedeutet hätte, allein zu bleiben, während sich die andern amüsierten, und erwiderte deshalb mit trübseliger Miene:

„Ich muß wohl; leider.“

„Ist denn der Herr nicht Jäger, Sir?“ fragte der lange Heger.

„Nein“, antwortete Wardle. „Und außerdem kommt er mit seinen Beinen nicht recht fort.“

„Ich würde sehr gern mitgehen“, seufzte Mr. Pickwick. „Wirklich, sehr gern.“

Eine kleine Pause allgemeinen Bedauerns.

„Hinter der Hecke steht ein Schiebkarren“, meldete sich der Junge. „Vielleicht könnt sich der Herr von seinem Bedienten nachschieben lassen. Über die Zäun‘ könnten mer ’n schon ’nüberheben.“

„Famos!“ rief Mr. Weller, der selbst ein brennendes Verlangen verspürte, die Jagd mit anzusehen, erfreut aus. „Famos! Bravo, Milchbart! Gleich werden wir die Karre haben.“

Das ging aber nicht so ohne weiteres. Der baumlange Wildhüter protestierte nämlich feierlich dagegen, daß ein Gentleman auf einem Schubkarren eine Jagd mitmache, und nannte es eine grobe Verletzung aller weidmännischen Regeln und Gebräuche.

Das war zwar ein bedeutendes Hindernis, aber doch kein unüberwindliches. Der Heger wurde durch Geld und gute Worte andern Sinnes gemacht und begnügte sich damit, dem erfinderischen Jungen, der die Maschine in Vorschlag gebracht, wortlos eins hinter die Ohren zu geben. Mr. Pickwick wurde also in dem Karren verstaut, und die Jagdgesellschaft brach auf, wobei Wardle und der lange Heger den Zug anführten und Mr. Pickwick, von Sam geschoben, die Nachhut bildete.

„Halt, halt, Sam!“ rief Mr. Pickwick, als sie mitten in dem ersten Stoppelfeld angekommen waren.

„Was gibt’s?“ fragte Wardle.

„Ich lasse mich keinen Schritt weiterschieben“, erklärte der Gelehrte entschlossen, „wenn nicht Mr. Winkle sofort seine Flinte anders hält.“ „Wie soll ich sie denn halten?“ fragte der unglückliche Winkle.

„Die Mündung nach abwärts!“

„Das ist ja ganz unweidmännisch“, wendete Mr. Winkle ein.

„Mir vollständig gleichgültig“, erwiderte Mr. Pickwick, „ob es weidmännisch ist oder nicht; ich lasse mich nicht, bloßer Formalitäten wegen, auf einem Schubkarren erschießen.“

„Ich wette, der Herr wird die Ladung noch jemand in die Wampe pfeffern, ehe er sich’s versieht“, brummte der Lange.

„Also gut, meinetwegen“, seufzte der arme Mr. Winkle und drehte sein Gewehr um. „So!“

„’s geht doch nichts über ein geruhiges Leben!“ sagte Mr. Weller, und der Zug bewegte sich wieder vorwärts.

„Halt!“ rief Mr. Pickwick nach kaum hundert Schritten abermals.

„Was gibt’s denn schon wieder?“ fragte Wardle.

„Tupmans Flinte ist nicht sicher; ich seh es, sie ist nicht sicher.“

„Wie? Was? Nicht sicher?“ fragte Mr. Tupman im Tone höchster Angst.

„Ich meine, so, wie Sie sie tragen“, sagte Mr. Pickwick. „Es rat mir leid, wieder eine Störung zu veranlassen, aber ich muß darauf bestehen, daß Sie Ihr Gewehr halten wie Mr. Winkle.“

Mr. Tupman gab bereitwilligst und mit größter Hast seinem Gewehr die gewünschte Richtung, und der Zug setzte sich wieder in Bewegung, die beiden Amateure die Läufe nach abwärts gekehrt, wie ein paar Soldaten bei einem militärischen Leichenbegängnis.

Plötzlich standen die Hunde. Die Gesellschaft stahl sich noch einen Schritt weiter und blieb gleichfalls stehen.

„Was machen denn die Hunde mit ihren Beinen?“ flüsterte Mr. „Winkle. „Sie stehen so wunderlich da.“

„Pst! Sehen Sie denn nicht?“ verwies ihn „Wardle leise. „Sie stellen etwas.“

„Stellen etwas?“ fragte Mr. Winkle, umherschauend. als hoffe er, den reizvollen Punkt in der Landschaft zu entdecken, dem die scharfsinnigen Tiere offenbar ihre Aufmerksamkeit widmeten. „Stellen etwas? Und was stellen sie denn?“

„Aufpassen!“ rief Wardle, in der Aufregung des Augenblicks die Frage überhörend. „Da! Da! – Feuer!“

Ein scharfes, schwirrendes Geräusch! Mr. Winkle bebte entsetzt zurück. Piff, Paff erscholl es, und schon verzog sich das Rauchwölkchen, das einen Augenblick über den Jägern geschwebt, in den Lüften.

„Wo sind sie?“ fragte Mr. Winkle, in höchster Aufregung wild um sich blickend. „Wo sind sie? Sagen Sie mir, wann ich schießen soll. Wo sind sie, wo sind sie?“

„Wo sie sind?“ entgegnete Wardle und hob ein paar Hühner auf, die die Hunde zu seinen Füßen niedergelegt hatten. „Wo sie sind? Nun, hier sind sie.“

„Nein, nein, ich meine die andern“, sagte Mr. Winkle verwirrt.

„Für diesmal weit genug weg“, erwiderte Wardle und lud kaltblütig sein Gewehr wieder.

„In fünf Minuten werden wir wahrscheinlich eine zweite Kette antreffen“, sagte der lange Heger. „Wenn der Herr jetzt anlegt, kann der Schuß vielleicht gerade in dem Augenblick losgehen, wo sie auffliegen.“

„Hahaha!“ johlte Mr. Weller.

„Sam!“ verwies Mr. Pickwick voll Mitgefühl für die Verlegenheit seines Freundes.

„Sir?“

„Lache nicht!“

„Zu Befehl, Sir!“ antwortete Mr. Weller und entschädigte sich mit Gesichterschneiden hinter dem Schubkarren zur großen Belustigung des Jungen mit den Lederhosen, der darüber in ein wieherndes Gelächter ausbrach und sich deshalb von dem langen Wildhüter ein paar Püffe zuzog.

„Bravo, alter Kamerad“, ermunterte Wardle Mr. Tupman. „Sie feuerten doch wenigstens.“

„Allerdings“, erwiderte Mr. Tupman stolz, „ich schoß.“

„Gut so; Sie werden das nächstemal schon was treffen, wenn Sie gut zielen. Es ist ganz leicht; nöch?“

„Ja, es ist sehr leicht“, sagte Mr. Tupman. „Nur daß es einen gräßlich in die Schulter stößt. Es hat mich fast umgerissen. Ich hätte nie gedacht, daß die kleinen Dinger so ausschlagen können.“

„Sie werden sich an das mit der Zeit schon gewöhnen“, tröstete der alte Herr lächelnd. „Also weiter. – Alles bereit? Alles in Ordnung mit dem Schubkarren da hinten?“

„Alles in Ordnung, Sir“, erwiderte Mr. Weller.

„Also flott, flott.“

„Festgehalten, Sir“, sagte Sam und hob den Schubkarren wieder auf.

„Gut, gut“, rief Mr. Pickwick, und vorwärts ging’s.

„Bleiben Sie jetzt mit dem Schubkarren stehen“, rief Wardle, als das Vehikel über eine Hecke in das nächste Feld gehoben und Mr. Pickwick wieder hineingesetzt worden war.

„Schon recht, Sir“, versetzte Mr. Weller und hielt.

„Und Sie gehen mir langsam nach, Winkle“, sagte der alte Herr, „und kommen Sie diesmal nicht zu spät.“

„Unbesorgt“, antwortete Mr. Winkle. „Stehen die Hunde?“

„Nein, noch nicht; ruhig jetzt, ruhig.“

Die Herren schlichen vorwärts und würden unbemerkt an den gewünschten Platz gekommen sein, hätte nicht Mr. Winkle bei Ausführung einer sehr schwierigen Evolution mit seiner Flinte in dem entscheidenden Augenblick zufälligerweise den Drücker berührt. Der Schuß ging über den Kopf des Jungen weg und gerade auf die Stelle, wo sich eine Sekunde früher die Hirnschale des langen Hegers befunden hatte.

„Warum, zum Teufel, haben Sie denn abgedrückt?“ fragte der alte Wardle, während die Hühner lustig davonflogen.

„Ein solches Gewehr habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen“, stotterte der arme Winkle, das Schloß betrachtend, als ob das noch irgend etwas helfen könnte. „Es geht von selbst los.“

„Ach was, geht von selbst los!“ versetzte Wardle ein wenig gereizt. „Ich wollte, es würde auch von selbst etwas treffen.“

„Hm, kann ja noch werden, Sir“, bemerkte der Heger mit dumpfer, prophetischer Stimme.

„Was wollen Sie mit dieser Bemerkung sagen, Sir?“ fragte Mr. Winkle ärgerlich.

„Nichts, Sir, nichts“, entschuldigte sich der Wildhüter. „Ich selbst habe keine Familie, Sir. Und die Mutter von dem Jungen da bekäme was Hübsches von Sir Geoffrey, wenn er auf seinem Gute erschossen würde. Laden Sie nur wieder, Sir, laden Sie nur wieder.“

„Nehmt ihm die Flinte ab!“ rief Mr. Pickwick aus dem Schubkarren heraus, von Entsetzen über die schwarzen Ahnungen des Langen geschüttelt. „Nehmt ihm die Flinte ab! Hört mich denn niemand?“ Aber niemand wollte dem Befehl Folge leisten.

Mr. Winkle schoß einen rebellischen Blick auf Mr. Pickwick, lud sein Gewehr aufs neue und ging mit der übrigen Gesellschaft weiter.

Wir fühlen uns verpflichtet, unter Berufung auf Mr. Pickwicks Zeugnis ausdrücklich zu bemerken, daß Mr. Tupman in seiner Handlungsweise weit mehr Klugheit und Besonnenheit bekundete als Mr. Winkle. Nicht, daß wir damit etwa dem Rufe des letztgenannten Herrn in allen Fächern des Jagdsportes irgendwie zu nahe treten wollten! Wie Mr. Pickwick treffend bemerkt, so hat sich, worin auch immer der Grund liegen mag, schon seit undenklichen Zeiten der Fall ereignet, daß oft gerade die besten und größten Philosophen, die bis in die tiefsten Tiefen der Erkenntnis eingedrungen waren, nicht die Fähigkeiten besaßen, die Theorie in die Praxis zu übertragen.

Mr. Tupmans Vorgehen war, wie dies bei großen Entdeckungen gewöhnlich der Fall ist, äußerst einfach. Mit dem schnellen Blick des Genies hatte er die beiden Hauptpunkte, auf die es ankam, sofort erfaßt: erstens, sein Gewehr abzuschießen, ohne sich selbst zu verletzen, und zweitens, es abzuschießen ohne Gefahr für die Umstehenden. Nachdem er damit die Schwierigkeit, überhaupt zu schießen, gelöst hatte, war das, was übrigblieb, nämlich die Augen zu schließen und abzudrücken, ein rein mechanischer Prozeß.

Einmal, als Mr. Tupman diese Regel abermals mit Glück befolgt hatte und befriedigt die Augen wieder aufschlug, sah er ein dickes Rebhuhn verwundet zu Boden fallen. Er war eben im Begriff, Mr. Wardle zu seinem unwandelbaren Glück zu gratulieren, als dieser auf ihn zutrat und ihm warm die Hand drückte.

„Tupman“, fragte der alte Herr, „hatten Sie es gerade auf dieses Huhn abgesehen?“

„Nein“, sagte Mr. Tupman schlicht. „Nein.“

„Doch, doch!“ erwiderte Wardle. „Ich habe es genau gesehen. Sie haben es direkt herausgeschossen. Ich habe Sie doch darauf zielen sehen und kann Ihnen nur sagen, der beste Schütze auf der Welt hätte es nickt feiner herunterholen können. Sie sind geschickter, als ich geglaubt habe, Mr. Tupman. Gestehen Sie es nur, Sie sind schon öfter auf der Jagd gewesen!“

Vergeblich versicherte Mr. Tupman mit bescheidnem Lächeln, Mr. Wardle irre sich; aber gerade dieses Lächeln wurde für einen Beweis des Gegenteils angesehen, und von dem Augenblick an war sein Ruf fest begründet. Leider steht dieser so leicht erworbne Ruhm nicht vereinzelt in der Weltgeschichte da, denn Erfolg ist nicht auf die Hühnerjagd allein beschränkt.

Mr. Winkle feuerte und knallte inzwischen unentwegt drauflos, ohne weitere bemerkenswerte Ergebnisse herbeizuführen; bald schoß er so hoch in die Luft, wie sich das Rebhuhn nie zu erheben liebt, bald so nahe am Boden hin, daß sich die Aussicht auf eine lange Lebensdauer der Hunde Wesentlich verringerte. Im Lichte des Phantasieknallens gesehen, boten seine Schüsse viel Abwechslung und Kunstgenuß; waren sie jedoch wirklich auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, so mußten seine Bestrebungen als im Grunde gänzlich verfehlt bezeichnet werden. Es ist ein anerkannter Grundsatz: Jede Kugel hat ihr Ziel. Aber auf Mr. Winkles Schrotkörner angewendet, stempelte er sie zu unglücklichen Findelkindern, die, ihrer natürlichen Rechte beraubt, planlos im Weltenraum umherirrten.

„Verdammt schwüler Tag, wie?“ sagte Wardle, ging auf den Schubkarren zu und wischte sich den Schweiß von der glühend roten Stirn.

„In der Tat“, erwiderte Mr. Pickwick. „Die Sonne brennt fürchterlich, sogar für mich. „Wie müssen Sie es erst empfinden!“

„Ja“, sagte der alte Herr. „Scheußlich. Aber es ist jetzt zwölf Uhr durch. Sehen Sie dort den grünen Hügel?“

„Gewiß.“

„Dort werden wir frühstücken. Und, beim Zeus, da ist auch der Junge schon mit dem Korb, so pünktlich wie eine Uhr.“

„Wahrhaftig“, rief Mr. Pickwick fröhlich. „Ein guter Junge das. Ich werde ihm einen Schilling schenken. Vorwärts, Sam, schieb mich.“

„Festgehalten, Sir!“ sagte Mr. Weiler, neubelebt durch die Aussicht auf einen guten Imbiß. „Weg da, junges Lederbein! Wenn du mein kostbares Leben schätzest, wirfst du mir den Wagen nich um, wie der Schenlmän zum Kutscher sagte, als man ihn nach dem Galgen fuhr.“

Und seinen Schritt in einen munteren Trab verwandelnd, schob Mr. Weller seinen Herrn schnell auf den grünen Hügel, leerte ihn gewandt neben dem Korb aus und fing mit der größten Eile an, auszupacken.

„Eine Kalbspastete“, begann er einen Monolog, als er die Speisen auf den Rasen legte. „Eine feine Sache das, wenn man die Dame kennt, wo ihr gebacken hat, und man sicher ist, daß nich ’ne Katze der Vater is. Schließlich Wurst, wenn sie beide einander so ähnlich sin, daß sie selbst die Pastetenbäcker nich zu unterscheiden vermögen.“

„Vermögen sie das in der Tat nicht, Sam?“ fragte Mr. Pickwick.

„Ausgeschlossen, Sir“, erwiderte Mr. Weller und lüftete den Hut. „Loschierte mal im nämlichen Hause mit ’nem solchen Pastetenbäcker. War ein durchtriebener Kunde, und ’s gab nichts, aus dem er nich Pasteten machen konnte, ,’ne Unzahl Katzen halten Sie da, Mr. Brooks‘, sagte ich mal im Vertrauen zu ihm. – ,O ja‘, meinte er, ,es sin deren ziemlich viele.‘ – ,Sie müssen ’n großer Katzenfreund sein‘, sagte ich. – ,Die andern sind’s‘, sagte er und zwinkerte dabei, ,sie haben aber jetzt ihre Zeit nich, erst bis der Winter kommt.‘ – ,Sie haben ihre Zeit nich?‘ fragte ich. – ,Nö‘, sagte er, ,Früchte haben ihre Zeit im Sommer, Katzen im Winter.‘ – ,Was meinen Sie eigentlich damit?‘ fragte ich. – ,Meinen?‘ sagte er. ,Na, ich meine, daß ich mir mit die Schlächterzunft n nich einlassen will, wo die Fleischpreise immer in die Höhe schraubt. – Mr. Weller‘, sagte er und drückte mir die Hand, ,sagen Sie’s nich weiter, es liegt nur an die Zubereitung. Meine Fabrikate werden aus lauter Hochwild gemacht‘, sagte er und deutete auf ein sehr hübsches gestreiftes Kätzchen, ,und ich verwandle ihnen in Ochsenfleisch, Kalbfleisch oder Nieren, wie’s grade verlangt wird, je nachdem die Preise stehen und die Mode wechselt.'“

„Das muß ein sehr erfinderischer junger Mann gewesen sein“, sagte Mr. Pickwick mit einem leichten Schauder.

„War er auch, Sir, und die Pasteten waren wunderschön. – Zunge! ’s is was Gutes um ’ne Zunge, wenn’s keine Weiberzunge is. – Brot! – Schinken! – Man könnte ihn nich schöner malen. – Kaltes Rindfleisch in Schnitten, sehr gut. Was is in den steinernen Krügen dort, verehrter Jüngling?“

„In diesen hier Bier“, antwortete der Bursche und nahm ein paar große steinerne Flaschen, die mit einem ledernen Riemen zusammengebunden waren, von der Schulter. „Hier drin kalter Punsch und da Knickebein.“

„’n fesselnder Anblick, wenn man’s so im Ganzen beisammen hat“, sagte Mr. Weller, seine Anordnungen mit Befriedigung betrachtend. „Nun, meine Herren, bedienen Sie sich, wie die Engländer zu den Franzosen sagten, als sie die Bajonette aufsteckten.“

Es bedurfte keiner zweiten Einladung für die Gesellschaft, dem Mahle seine volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und ebensowenig waren dringende Bitten erforderlich, Mr. Weller, den baumlangen Wildhüter und die beiden Jungen zu veranlassen, sich in einiger Entfernung ins Gras zu strecken und ihren Anteil an dem Frühstück entgegenzunehmen.

Eine alte Eiche spendete der Gruppe freundlich Schatten, und reiches Ackerland und Wiesen, von üppigen Hecken durchschnitten und anmutig mit Gehölz umsäumt, lagen ausgebreitet zu ihren Füßen.

„Es ist entzückend, wirklich, entzückend!“ rief Mr. Pickwick, von dessen ausdrucksvollem Gesicht sich die Haut durch die Wirkung der Sonnenstrahlen in Fetzen ablöste.

„Wirklich und wahrhaftig, das ist’s, alter Freund“, versetzte Wardle. „Kommen Sie. Ein Glas Punsch.“

„Mit größtem Vergnügen“, sagte Mr. Pickwick, und die Heiterkeit seines Gesichtes, nachdem er getrunken, zeugte von der Aufrichtigkeit seiner Erwiderung. „Ausgezeichnet“, bemerkte er, mit den Lippen schmatzend. „Vortrefflich. Ich will gleich noch eins trinken. Kühlend, sehr kühlend. Meine Herren, unsre Freunde zu Dingley Dell, sie leben hoch!“

Mit lautem Beifall wurde der Toast aufgenommen.

„Ich will Ihnen sagen, was ich tun will, um meine Geschicklichkeit im Schießen wiederzugewinnen“, sagte Mr. Winkle, Brot und Hammelfleisch mit seinem Taschenmesser zerlegend. „Ich werde ein ausgestopftes Rebhuhn auf eine Stange stecken und mich daran üben, indem ich mich zuerst in geringer Entfernung davon aufstelle und allmählich immer weiter zurücktrete. Ich glaube, das muß eine treffliche Übung sein.“

„Ich kenne einen Schenlmän, Sir“, sagte Mr. Weller, „wo es auch so machte und mit zwei Ellen anfing. Aber er versuchte es nicht zum zweitenmal, denn er blies den Vogel auf den ersten Schuß so rein herunter, daß niemand mehr ’ne Feder von ihm finden konnte.“

„Sam!“ rief Mr. Pickwick.

„Sir?“

„Sei so gut und behalte deine Anekdoten für dich, bis man dich auffordert.“

„Sehr wohl, Sir.“ Mr. Weiler blinzelte mit dem Auge, das nicht durch die eben an die Lippen geführte Bierkanne verdeckt war, so spaßhaft, daß die beiden Jungen sich vor Lachen gar nicht mehr helfen konnten und sogar der baumlange Heger sich zu einem Grinsen herabließ.

„Wirklich, ein vorzüglicher kalter Punsch“, bemerkte Mr. Pickwick, mit dem steinernen Krug liebäugelnd, „’s ist aber auch ein warmer Tag. Tupman, lieber Freund, ein Glas Punsch?“

„Mit dem größten Vergnügen“, erwiderte Mr. Tupman.

Nachdem Mr. Pickwick sein Glas geleert hatte, trank er schnell noch eins, um sich zu überzeugen, ob nicht etwa Pomeranzenschalen darin seien, die ihm im Tod zuwider waren, und als er seine Befürchtung unbegründet sah, leerte er noch ein weiteres auf die Gesundheit des gemeinsamen Freundes Snodgraß und fühlte sich dann gebieterisch genötigt, noch eins zu Ehren des unbekannten Punschbrauers vorzuschlagen.

Diese schnelle Aufeinanderfolge von Gläsern äußerte eine beträchtliche Wirkung auf den Gelehrten. Sein Gesicht erstrahlte in sonnigstem Lächeln; Fröhlichkeit umspielte seine Lippen, und rosige Laune glänzte in seinem Auge. Allmählich dem Einflüsse des Getränks unterliegend, dessen aufregende Eigenschaft durch die Hitze noch erhöht wurde, gab er einem starken Verlangen, ein Lied vorzutragen, das er in seiner Kindheit gehört, nach, und da der Versuch fehlschlug, suchte er seinem Gedächtnis durch eine weitere Anzahl von Gläsern Punsch und Knickebein nachzuhelfen, was insofern eine unerwünschte Wirkung hervorzubringen schien, als er plötzlich vergaß, so, wie er vorhin die Strophen des Liedes vergessen, überhaupt in artikulierten Lauten zu sprechen, und endlich, nachdem er sich auf seine Beine gestellt, um eine feurige Rede zu halten, in den Schubkarren fiel und augenblicklich einschlief.

Nachdem der Korb wieder gepackt und jeder Erweckungsversuch an Mr. Pickwicks tiefem Schlummer gescheitert war, fand eine Beratung statt, ob es besser wäre, wenn Mr. Weller seinen Herrn wieder zurückführe, oder ob man ihn liegenlassen sollte, wo er lag, bis sich alles wieder auf den Rückweg begeben würde. Endlich entschied man sich für das letztere, und da eine neuerliche Expedition nicht über eine Stunde dauern sollte und Mr. Weller inständig bat, die Gesellschaft begleiten zu dürfen, wurde beschlossen, Mr. Pickwick in dem Karren zu belassen und ihn erst auf dem Rückweg wieder mitzunehmen. Die Jagdpartie machte sich also wieder auf, und Mr. Pickwick schnarchte behaglich im Schäften fort. Daß Mr. Pickwick im Schatten fortgeschnarcht hätte, bis seine Freunde zurückgekommen wären, oder, in Ermangelung dessen, bis sich die Schatten des Abends herniedergesenkt haben würden, unterliegt wohl keinem Zweifel, vorausgesetzt natürlich, daß man ihn in Frieden gelassen hätte. Dies war nun aber leider nicht der Fall.

Kapitän Boldwig war ein kleiner hochfahrender Mann mit steifer schwarzer Halsbinde und einem blauen Überrock, und ließ er sich einmal herab, auf seinem Gute herumzugehen, vergaß er nie, außer einem dicken spanischen Rohr mit Messingzwinge einen Ober- und einen Untergärtner mit äußerst demütigen Gesichtern mitzunehmen, denen er bei solchen Gelegenheiten mit gebührender Würde und Barschheit seine Befehle erteilte. Denn Kapitän Boldwigs Schwägerin hatte einen Marquis geheiratet, sein Wohnsitz war eine Villa, sein Garten ein Park, und alles um ihn pompös und vornehm.

Mr. Pickwick hatte noch keine halbe Stunde geschlafen, als der kleine Kapitän Boldwig, von seinen beiden Gärtnern begleitet, so schnell daherschritt, wie es seine Wichtigkeit und Würde nur irgend erlaubte, an die Eiche kam, stehenblieb, tief Atem holte, sich in der Gegend mit einer Miene umsah, als ob sie sich hochgeehrt fühlen müßte, von ihm in Augenschein genommen zu werden, dann mit seinem Stock kräftig auf den Boden stieß und sich an seinen Obergärtner wandte.

„Hunt!“

„Ja, Sir“, sagte der Gärtner.

„Walze diesen Platz morgen früh. Verstanden, Hunt?“

„Ja, Sir.“

„Und sorge dafür, daß er überhaupt in ordentlichem Stand erhalten wird. Hörst du, Hunt?“

„Ja, Sir.“

„Und erinnere mich daran, daß ich anschlagen lasse, daß niemand ungestraft meinen Grund und Boden betreten darf. Auch Selbstschüsse muß ich anbringen und dergleichen, um das gemeine Pack fernzuhalten. Verstanden, Hunt?“

„Ich werde bestimmt nichts vergessen, Sir.“

„Ich bitte um Verzeihung, Sir“, sagte der andre Gärtner und griff mit der Hand an seinen Hut.

„Na, Wilkins, was willst denn du?“ fragte Kapitän Boldwig.

„Ich bitte um Verzeihung, Sir, aber ich glaube, es müssen heute Leute den Rasen betreten haben.“

„Ha!“ rief der Kapitän und sah sich überall um.

„Sir, sie haben, glaube ich, hier gezecht.“

„Die Pest über die Bande, wenn sie das wirklich getan haben“, sagte Kapitän Boldwig. Da fiel sein Blick auf die Überbleibsel, die auf dem Rasen umherlagen. „Bei Gott, sie haben hier wirklich ein Gelage gehalten. Ich wollte, ich hätte die Landstreicher hier“, knirschte er und schwang seinen Stock. „Ich wollte, ich hätte die Landstreicher hier.“

„Ich bitte um Verzeihung, Sir“, begann Wilkins wieder, „aber …“

„Aber was? He?“ brüllte der Kapitän. Seine Augen folgten den furchtsamen Blicken Wilkins, und er bemerkte Mr. Pickwick in dem Schubkarren. „Wer bist du, du Schlingel?“ rief er und versetzte Mr. Pickwick mit seinem Stock einige unsanfte Stöße. „Wie heißt du?“

„Knickebein“, murmelte der Unsterbliche aus dem Schlaf.

„Wie?“ fragte Kapitän Boldwig.

Keine Antwort.

„Wie sagte er, daß er heiße?“ fragte der Kapitän wieder.

„Knickebein, glaube ich, Sir“, erwiderte Wilkins.

„Das ist eine Unverschämtheit, eine bodenlose Unverschämtheit“, raste Kapitän Boldwig. „Jetzt stellt er sich, als ob er schliefe. Es ist „in Betrunkener, ein betrunkener Plebejer. Fahre ihn weg, Wilkins, auf der Stelle.“

„Wohin soll ich ihn fahren, Sir?“ fragte Wilkins demütig.

„Fahre ihn zum Teufel.“

„Sehr wohl, Sir“, antwortete Wilkins.

„Halt!“

Wilkins hielt.

„Fahre ihn“, sagte der Kapitän, „fahre ihn in den Pfandstall. Wollen mal sehen, ob er sich immer noch Knickebein nennt, wenn er zu sich kommt. Er soll mich nicht zum Narren halten; nein, er soll mich nicht zum Narren halten. Fahr ihn weg.“

Auf diesen diktatorischen Befehl wurde also Mr. Pickwick weggefahren, und der große Kapitän Boldwig setzte voll Zorn seinen Spaziergang fort. Unbeschreiblich war das Erstaunen der kleinen Jagdgesellschaft, als sie bei ihrer Rückkehr fand, daß Mr. Pickwick samt dem Schubkarren verschwunden war. Es war das rätselhafteste, unerklärlichste Ereignis, von dem man jemals gehört hatte. Wenn sich ein Lahmer ohne weiteres auf die Beine gemacht und das Weite gesucht hätte, so würde dies schon ein außerordentliches Begebnis gewesen sein, aber wenn noch dazu das Verschwinden eines schweren Karrens die Sache komplizierte, so verlängerte das das Phänomen sozusagen bis ins Metaphysische. Sie durchsuchten jeden Winkel im ganzen Umkreis, sowohl miteinander als auch einzeln, schrien, pfiffen, lachten, riefen – alles mit gleich schlechtem Erfolg; Mr. Pickwick war spurlos verschwunden, und nach einigen Stunden fruchtlosen Suchens gelangte man zu dem unerfreulichen Schluß, daß man ohne ihn nach Hause zurückkehren müßte.

Mittlerweile war Mr. Pickwick nach dem Pfandstall gefahren und dort samt Vehikel eingestellt worden. Zur unermeßlichen Freude und Belustigung nicht nur für alle Jungen des Dorfes, sondern für drei Viertel der Bevölkerung, die sich ringsum versammelt hatten, um sein Erwachen abzuwarten, schlief er noch immer auf seinem Schubkarren. Hatte es den Leuten schon hohen Genuß gewährt, ihn hereinführen zu sehen, wieviel größer erst war ihr Entzücken, als er sich nach einigen schlaftrunknen Rufen nach Sam in dem Schubkarren halb erhob und mit unbeschreiblichem Erstaunen umherblickte.

Natürlich wurde sein Erwachen mit allgemeinem Geschrei begrüßt, und seine unwillkürliche Frage: „Was gibt’s?“ veranlaßte einen zweiten Jubelsturm, der womöglich noch lauter war als der erste.

„Das is ein Mordsspaß“, johlte der Pöbel.

„Wo bin ich?“ rief Mr. Pickwick.

„Im Pfandstall“, höhnte die Menge.

„Wie bin ich denn hierhergekommen? Weshalb denn? Wer hat mich hergebracht?“

„Boldwig – Kapitän Boldwig“, war die einzige Antwort.

„Laßt midi hinaus“, rief Mr. Pickwick. „Wo ist mein Diener? Wo sind meine Freunde?“

Erst kam eine Rübe geflogen, dann eine Kartoffel, ein Ei und andre kleine greifbare Beweise der Volkslaune.

Wie lange dieser Auftritt gedauert oder wieviel. Mr. Pickwick noch zu leiden gehabt haben würde, läßt sich nicht annähernd bestimmen, wäre nicht plötzlich ein Wagen angefahren, dem der alte Wardle und Sam Weller entstiegen, von denen der erstere in kürzerer Zeit, als man es lesen, geschweige denn schreiben kann, an Mr. Pickwicks Seite trat und ihm im selben Augenblick in den Wagen half, als letzterer mit dem Amtsbüttel einen kurzen entscheidenden Boxgang erfolggekrönt zu Ende geführt hatte.

„Holt die Polizei“, schrie ein Dutzend Stimmen.

„Jaja, aber nur recht schnell“, sagte Mr. Weller und schwang sich auf den Bock. „Mein Kompliment – Mr. Wellers Kompliment – an den Amtmann, und ich laß ihm sagen, ich hab ihm seinen Büttel lahmgedroschen, und wenn er noch einen hat, komm ich morgen wieder und werd mir ’n auch ausborgen! Fahr zu, Kutscher!“

„Ich werde augenblicklich in London eine Klageschrift gegen diesen Kapitän Boldwig wegen grundloser Verhaftung einreichen“, sagte Mr. Pickwick, als die Kutsche aus dem Marktflecken draußen war.

„Wir haben uns leider eine Überschreitung der Grenzen zuschulden kommen lassen“, gab Wardle zu bedenken.

„Mir vollständig gleichgültig“, erwiderte Mr. Pickwick. „Ich strenge die Klage an.“

„Das lassen Sie wohl besser bleiben“, meinte Wardle.

„Warum denn?“

„Weil“, antwortete der alte Wardle, vor Lachen beinahe berstend, „weil man den Spieß umdrehen und sagen könnte, wir hätten zuviel kalten Punsch getrunken.“

Mr. Pickwicks Mienen verzogen sich zu einem Lächeln, er mochte sich sträuben, wie er wollte; das Lächeln wurde‘ zum Lachen, das Lachen zum Wiehern, das Wiehern wurde allgemein, und um sich die gute Laune zu erhalten, stiegen die Herren am ersten Wirtshaus an der Straße ab und befahlen eine Runde Grog und ein Glas noch extra für Mr. Samuel Weller.