Erstes Capitel.


Erstes Capitel.

Um Abend des 17. März 1859 gab Kapitän Craventy im Fort-Reliance ein Fest.

Mit diesen Worten verbinde aber Niemand den Begriff einer großartigen Galaversammlung, eines Hofballes, eines mit allen Glocken eingeläuteten »raout« oder den einer Festlichkeit mit großem Orchester. Der Empfang bei Kapitän Craventy war einfacher, und doch hatte dieser Nichts gespart, ihm den möglichsten Glanz zu verleihen.

Wirklich hatte sich der Salon im Erdgeschoß unter der Leitung des Corporal Joliffe vollkommen verwandelt. Freilich waren die Wände, welche aus kaum behauenen, horizontal gelegten Stämmen bestanden, noch sichtbar, doch verhüllten vier in den Ecken angebrachte englische Flaggen und eine Anzahl dem Arsenale entnommene Waffen einigermaßen deren Nacktheit. Wenn sich die langen, rohen und geschwärzten Deckbalken auch kunstlos auf ihre Strebepfeiler stützten, so hingen doch dafür zwei mit Blechschirmen versehene Lampen als Kronleuchter davon herab und verbreiteten eine hinreichende Helligkeit in der dunstigen Atmosphäre des Saales. Die Fenster desselben waren schmal, und zum Theil vielmehr Schießscharten ähnlich; ihre dicht verblendeten Oeffnungen verwehrten jede Neugier, und zwei bis drei geschmackvoll daran angebrachte Stücken rothen Baumwollenstoffes erregten die Bewunderung der Eingeladenen. Der Fußboden bestand aus dicken Bohlen, welche Joliffe bei dieser Gelegenheit sorgfältig mit dem Besen gereinigt hatte. Weder Lehnsessel, noch Sophas oder Stühle, noch irgend welch‘ anderes Möbel stand im Wege. Holzbänke, welche in den dicken Wänden befestigt waren, roh zugehauene Klötze und zwei Tische mit stämmigen Füßen bildeten die ganze Ausrüstung des Salons; dagegen war die Zwischenwand, durch welche eine Thür nach dem Nebenzimmer führte, in außergewöhnlicher Weise reich geschmückt. An den Balken hingen, geschmackvoll angeordnet, so überreichlich Pelzfelle, daß man eine gleiche Auswahl in den Schaufenstern der Regent-Street oder Niewski-Perspective vergeblich gesucht haben würde. Alle arktischen Thierfamilien waren unter dieser Decoration durch Muster ihrer Felle vertreten. Da sah man die von Wölfen, grauen Bären, Eisbären, Ottern, Wieseln, Bibern, Moschusratten, Hermelinen und Silberfüchsen. Ueber dieser Ausstellung prangte eine Inschrift, deren Buchstaben kunstreich aus buntem Papiere ausgeschnitten waren, das Motto der weltberühmten Hudsons-Bai-Compagnie:

Propelle cutem.

»Wahrlich, Corporal Joliffe, sagte Kapitän Craventy zu seinem Untergebenen, Ihr habt Euch selbst übertroffen.

– Ich glaub‘ es, Herr Kapitän, ich glaub‘ es selbst, erwiderte der Corporal. Aber Jedem das Seine! Ein Theil Ihrer Lobsprüche trifft Mrs. Joliffe, die mir bei alledem geholfen hat.

– Das ist eine Capitalsfrau, Corporal.

– Sie hat nicht ihresgleichen, mein Kapitän.«

Mitten im Salon erhob sich ein ungeheurer Ofen, der halb aus Backsteinen und halb aus glasirten Kacheln aufgebaut war. Sein dickes Eisenblechrohr ging durch die Decke und verbreitete draußen dichte, schwarze Rauchwirbel. Dieser Ofen zog, prasselte und glühte bei der unausgesetzten Kohlenfütterung, die ihm der Heizer – ein speciell dazu angewiesener Soldat – zuführte. Manchmal verfing sich der Wind in der Esse, dann wälzte sich ein scharfer Rauch durch den Rost in den Salon; lange Flammen leckten an den Backsteinen in die Höhe; ein dichter Nebel verschleierte den Schein der Lampen und schwärzte die Balken der Decke. Diese kleine Unbequemlichkeit störte indeß die Gäste des Fort-Reliance nicht im Mindesten. Der Ofen spendete ja Wärme, und diese war damit nicht zu theuer erkauft, denn draußen war eine bittere Kälte, welche durch einen scharfen Nordwind doppelt fühlbar wurde.

Rund um das Haus tobte der Sturm. Der Schnee, der fast in festen Stücken fiel, trommelte an den Fenstern. Der Luftzug, welcher durch die Ritzen der Thüren und Fenster einen Eingang fand, verstärkte sich manchmal bis zum hörbaren Pfeifen. Dann wurde es wieder ganz still. Die Natur schien Athem zu holen, und erhoben die Windstöße dann sich wieder mit furchtbarer Gewalt. Man fühlte das Haus in seinen Grundpfählen erzittern, hörte die Dielen krachen und die Balken seufzen. Jeder Fremdling, der weniger, als die Gäste des Fort-Reliance, an dieses Wüthen des Luftmeeres gewöhnt war, hätte sich gefragt, ob dieser Haufen von Brettern und Bohlen nicht Gefahr liefe, ganz umgerissen zu werden. Kapitän Craventy’s Gäste kümmerte der Sturm aber wenig und hätte sie auch draußen eben so wenig erschreckt, wie die Sturmvögel, die dabei umherflatterten.

Die Gesellschaft bestand aus etwa hundert Personen beiderlei Geschlechts; nur Zwei – zwei Frauen – zählten nicht zu dem gewöhnlichen Personal und Besuchscontingent des Forts. Zu dem Ersteren gehörte Kapitän Craventy, Lieutenant Jasper Hobson, Sergeant Long, Corporal Joliffe und etwa sechzig Soldaten und Beamte der Compagnie. Einige von diesen waren verheiratet, unter Anderen der Corporal Joliffe, der glückliche Gatte einer munteren und geschickten Canadierin; ferner ein gewisser Mac Nap, ein Schotte, und mit einer Landsmännin verheiratet, und John Raë, der sich kürzlich eine Indianerin aus der Nachbarschaft zur Frau genommen hatte. Diese ganze Gesellschaft ohne Unterschied des Ranges, Officiere, Beamte und Soldaten, wurde an diesem Abende von Kapitän Craventy festlich bewirthet.

Das Personal der Compagnie lieferte aber die Festgäste nicht allein. Die Forts in der Nachbarschaft – und in solchen entlegenen Gegenden rechnet man diese bis auf hundert Meilen Entfernung – waren der Einladung des Kapitän Craventy gefolgt. Eine gute Anzahl Beamte oder Geschäftsführer waren aus Fort-Providence oder Fort-Resolution, ja sogar aus dem südlicher gelegenen Fort-Chipeway und Fort-Liard herbeigekommen. Eine so seltene Lustbarkeit und so unerwartete Zerstreuung durften sich diese Einsiedler, diese Verbannten, welche in der Einsamkeit der Borealgegenden halb verloren waren, nicht entgehen lassen.

Endlich hatten auch einige Indianerchefs die ihnen zugegangene Einladung nicht abgeschlagen. Diese Eingeborenen, welche zu den Factoreien in dauernder Beziehung stehen, liefern zum größten Theil und mittelst Tauschhandel die Pelzwaaren, welche die Compagnie vertreibt. Es waren zumeist Chipeway-Indianer, starke, prächtig gebaute Menschen, die in Lederröcke und Pelzumhänge der schönsten Art gekleidet waren. Ihr halb rothes, halb schwarzes Gesicht gewährte einen Anblick, wie man ihn in Europa bei Zaubervorstellungen etwa an den Teufeln sieht. Auf ihrem Haupte thronte ein Adlerfederbusch, wie der Fächer einer Sennora, der bei jeder Bewegung ihres pechschwarzen Haares erzitterte. Diese Häuptlinge, etwa ein Dutzend an Zahl, hatten ihre Frauen nicht mitgebracht, welche bedauernswerthen »Squaws« ein Leben nicht besser als das von Sklaven führen.

So war die Gesellschaft zusammengesetzt, welcher der Kapitän des Fort-Reliance seine Honneurs machte. Getanzt wurde, wegen Orchestermangels, nicht; das Büffet ersetzte aber reichlich die Lohnmusik der europäischen Bälle. Auf der Tafel erhob sich ein pyramidenförmiger Pudding, den Mrs. Joliffe hergestellt hatte; er bildete einen großen abgestumpften Kegel und war aus Mehl und Rennthier-, sowie Bisonochsenfett zusammengebaut. Vielleicht fehlte ihm die Zuthat an Eiern, Milch und Citronen, welche die Kochkünstler vorschreiben; diesen Mangel ersetzte er aber reichlich durch seine erstaunliche Größe. Mrs. Joliffe schnitt fleißig davon ab, ohne daß man deshalb eine wesentliche Verminderung der enormen Masse bemerkt hätte. Ferner figurirten sogenannte Sandwichbrödchen auf der Tafel, bei welchen freilich der Schiffszwieback die Scheiben feinen englischen Brodes ersetzen, mußte. Zwischen diese Zwiebackschnitten, welche trotz ihrer Härte den Zähnen der Chipeways nicht zu widerstehen vermochten, hatte Mrs. Joliffe erfinderischer Weise Schnitten von »corn-beef«, d. i. eine Art Pökelrindfleisch gelegt, welches den Schinken von York und die Trüffel-Gelatine der europäischen Büffets ersetzen mußte. Als Erfrischung reichte man Whisky und Gin in kleinen Zinnbechern herum, ohne des riesigen Punsches zu gedenken, der ein Fest beschließen sollte, von dem die Indianer in ihren Wigwams gewiß noch lange sprachen.

Wie viele Lobsprüche ernteten die Joliffe’schen Eheleute an diesem Abende! Aber welche Thätigkeit und Liebenswürdigkeit entfalteten sie auch! Sie schienen sich zu vervielfältigen. Mit welcher Freundlichkeit besorgten sie die Vertheilung der Herzstärkungen; sie erwarteten die Wünsche eines Jeden gar nicht, sie kamen ihnen zuvor. Niemand kam dazu, Etwas zu verlangen oder nur zu wünschen. Den Sandwichbrödchen folgten die Schnitten des unerschöpflichen Puddings, dem Pudding der Gin und der Whisky.

»Nein. ich danke, Mrs. Joliffe.

– Sie sind zu gütig, Corporal, lassen Sie mich nur einmal zu Athem kommen.

– Mrs. Joliffe, ich versichere Ihnen, daß ich ersticke!

– Corporal Joliffe, Sie machen aus mir, was Sie wollen.

– Nein, jetzt nicht, Mistreß, ich bin es nicht im Stande.«

Der Art waren die fast stehenden Antworten, welche sich das glückliche Ehepaar zuzog. Der Corporal und sein Weib nöthigten aber so herzhaft, daß ihnen auch die Widerspenstigsten den Willen thun mußten. Man aß ohne Unterlaß und trank eben immer.

Die Unterhaltung ward munter; Soldaten und Beamte wurden lebendiger. Hier sprach man von der Jagd, dort vom Handel. Was gab es da für Pläne für die kommende Saison! Die ganze Thierwelt der arktischen Regionen hätte die kühnen Nimrods nicht befriedigen können. Schon fielen Bären, Füchse und Bisonochsen unter ihren Kugeln. Biber, Hermeline, Wiesel und Marder fingen sich in ihren Fallen zu Tausenden. Die kostbarsten Pelze füllten die Magazine der Compagnie, welche in diesem Jahre einen ganz unerwarteten Segen einheimste. Während die reichlich fließenden Liqueure aber die Einbildung der Europäer erhitzten, ließen die ernsten und schweigsamen Indianer, welche zu stolz sind, um zu bewundern, und zu vorsichtig, um leichtsinnig zu versprechen, jene geläufigen Zungen schwatzen und vertilgten nur in großer Menge das »Feuerwasser« des Kapitän Craventy.

Dieser selbst, glücklich über den Jubel und befriedigt, daß sich diese armen Leute, welche fast außerhalb der bewohnten Erde dahinleben, einmal ergötzten, ging voller Freude unter seinen Gästen umher, antwortete aber auf alle Fragen, welche bezüglich des Festes an ihn gerichtet wurden, mit:

»Fragen Sie Joliffe! Immer nur Joliffe!«

Joliffe hatte aber auf jede Frage eine freundliche Antwort.

Von den Personen nun, welche eigentlich zum Fort-Reliance gehörten, müssen wir Einige naher betrachten, da wir sie in so schrecklichen Verhältnissen, wie keine menschliche Voraussicht sie erwarten konnte, wiederfinden werden. Es sind dies aber: der Lieutenant Jasper Hobson, Sergeant Long, das Joliffe’sche Ehepaar, und zwei weibliche Fremdlinge, denen zu Ehren der Kapitän jene Festlichkeit veranstaltet hatte.

Lieutenant Hobson war ein Mann von vierzig Jahren. Klein und mager, besaß er keine besondere Körperkraft, seine geistige Energie half ihm aber über alle Prüfungen und Unfälle hinaus. Er war ein »Kind der Compagnie«. Sein Vater, Major Hobson, ein Irländer aus Dublin, war erst seit einigen Jahren todt, nachdem er sehr lange Zeit mit Mrs. Hobson auf Fort-Assiniboine gewaltet hatte. Dort war auch Jasper Hobson geboren. Dort, am Fuße felsiger Berge, verlebte er seine Kindheit und Jugend.

Bei dem strengen Unterrichte Major Hobson’s ward er durch seine Kaltblütigkeit und seinen Muth zum »Manne«, als er den Jahren nach noch Jüngling war. Jasper Hobson war kein Jäger, aber ein Soldat, ein tüchtiger und gebildeter Officier. Während der Kämpfe, welche die Compagnie in Oregon gegen rivalisirende Compagnien zu bestehen hatte, zeichnete er sich durch seine Kühnheit ebenso, wie durch seinen Eifer aus, und avancirte bald zum Lieutenant. In Folge seiner anerkannten Verdienste war er eben zum Befehlshaber einer Expedition nach dem hohen Norden ausersehen worden. Diese Expedition sollte die Gegenden nördlich vom »See des Großen Bären« erforschen, und an der Küste des amerikanischen Festlandes ein Fort errichten. Lieutenant Jasper Hobson’s Abreise hatte in den ersten Tagen des April zu erfolgen.

Bot nun der Lieutenant das vollkommene Bild eines Officiers, so war dagegen Sergeant Long, ein Mann von fünfzig Jahren, dessen röthlicher Bart aus Kokosfasern zu bestehen schien, der Urtypus eines Soldaten; eine wackere Natur, gehorsam von Temperament, kannte er nur seine Ordre, grübelte über keinen noch so sonderbaren Befehl, und dachte an nichts Anderes, sobald es sich um den Dienst handelte; eine wahre Maschine in Uniform war er doch eine vollkommene, welche sich nicht abnutzte, immer im Gange blieb, und nie ermüdete. Dabei war Sergeant Long gegen seine Leute, aber auch gegen sich selbst, etwas hart. Er duldete nicht die geringste Lockerung der Disciplin, und machte unerbittlich von dem geringsten Fehler Meldung, wogegen wider ihn nie eine Anzeige eingelaufen war. Er commandirte wohl, weil er als Sergeant das mußte, aber man sah, daß er nur ungern Befehle ertheilte. Mit einem Worte, er war nur zum Gehorchen erschaffen, und diese Verneinung seines eigenen Ichs ihm ganz in Fleisch und Blut übergegangen. Aus solchen Leuten bildet man die furchtbaren Armeen. Sie sind nur Arme, welche einem Kopfe gehorchen. Liegt aber darin nicht die wahrhafte Organisation der Kraft? Die Fabel hat zwei Bilder erfunden: Briareus mit hundert Armen und die Hydra mit hundert Köpfen. Wenn diese beiden Ungeheuer mit einander kämpften, wer trüge den Sieg davon? – Briareus.

Corporal Joliffe ist schon etwas bekannt. Er war schon mehr eine schwärmende Fliege, aber man ergötzte sich bei deren Summen. Zu einem Haus- und Hofmeister eignete er sich besser, als zum Soldaten, und wußte das auch selbst. Mit Vorliebe nannte er sich den »Corporal für alles Mögliche«, aber dabei wäre er hundertmal nicht zurecht gekommen, hätte ihn nicht die sichere Hand der kleinen Mrs. Joliffe geleitet. Daraus folgt, daß der Corporal, ohne es zuzugestehen, nach seines Weibchens Pfeife tanzte, wobei er wohl mit dem Philosophen Sancho denken mochte: »An dem Rathschlage einer Frau ist zwar nicht viel, aber ein Thor ist, wer gar nicht auf einen solchen merkt.«

Das fremde Element der Abendgesellschaft war, wie erwähnt, durch zwei Frauen, im Alter von etwa vierzig Jahren, repräsentirt. Die Eine derselben verdiente mit Recht in der Reihe der berühmtesten weiblichen Reisenden zu stehen. Als Rivalin der Ida Pfeiffer, der Tinné, der Haumaire de Hell, wurde auch Paulina Barnett’s Name in den Sitzungen der Königlich Geographischen Gesellschaft häufig ehrenvoll erwähnt. Paulina Barnett hatte auf ihrem Zuge längs des Bramaputra bis zu den Gebirgsstöcken Tibets, und bei einem solchen durch unbekannte Theile Australiens, nämlich von der Bai der Schwäne bis zum Golf von Carpentaria, alle Eigenschaften einer großen Reisenden entfaltet. Sie war eine Frau von hohem Wuchse, seit fünfzehn Jahren Witwe, welche die Leidenschaft zu reisen immerfort durch unbekannte Länder jagte. Ihr von langen Bändern umrahmter, stellenweise schon ergrauter Kopf brachte eine stählerne Energie zum Ausdruck. Ihre etwas kurzsichtigen Augen verbargen sich hinter einem silbernen Lorgnon, welches seinerseits auf einer langen, geraden Nase aufsaß, deren bewegliche Flügel »nach der Weite zu trachten« schienen. Ihr Auftreten war freilich etwas männlich, und ihre ganze Erscheinung athmete weniger Liebreiz, als moralische Kraft. Sie war eine reiche Engländerin aus der Grafschaft York und verwendete einen großen Theil ihres Vermögens auf abenteuerliche Reisen. Auch wenn sie sich jetzt in Fort-Reliance befand, kam das daher, daß eine neue Entdeckungsfahrt sie dorthin verschlagen hatte. Nach Durchstreifung der Tropenregionen wollte sie nun zweifellos bis an die letzten Grenzen der Polarländer vordringen. Ihre Gegenwart im Fort galt als ein Ereigniß. Der Director der Compagnie hatte sie dem Kapitän Craventy schriftlich speciell empfohlen. Dieser sollte, nach dem Inhalte des Briefes, die Absicht der berühmten Reisenden, nach den Küsten des Eismeeres zu ziehen, nach Kräften fördern. Welch‘ großes Unternehmen! Es galt, den Weg eines Hearne, Mackenzie, Raë und Franklin einzuschlagen. Welche Mühen und Prüfungen, welche Kämpfe gegen die in den Polarländern so schreckliche Natur standen damit bevor! Wie konnte ein Weib sich dahin wagen, wo so viele Forscher umgekehrt oder untergegangen waren? Aber die Fremde, welche jetzt schon bis nach Fort-Reliance gekommen war, war kein gewöhnliches Weib, es war eben Paulina Barnett, die Preisgekrönte der Royal Society.

Wir fügen hinzu, daß die berühmte Reisende in ihrer Begleiterin, Namens Madge, mehr als eine Dienerin, eher eine muthige, ergebene Freundin besaß, welche nur für sie lebte, eine Schottin aus der guten alten Zeit, die ein Caleb ohne langes Besinnen hätte heiraten können. Madge war noch einige Jahre älter, als ihre Herrin, dabei groß und von gesundem Holze gezimmert. Madge duzte Paulina, wie diese Madge. Paulina betrachtete Letztere mehr als ältere Schwester, Madge aber Paulina als ihre Tochter. Alles in Allem machten Beide nur ein zusammengehöriges Wesen aus.

Zu Ehren dieser Paulina Barnett also bewirthete Kapitän Craventy an jenem Abende seine Beamten und die Indianer vom Stamme der Chipeways. Die Reisende sollte sich dann dem Detachement des Lieutenants Jasper Hobson auf dessen Erforschungsreise nach dem Norden anschließen. Für Paulina Barnett ertönte der große Salon der Factorei von kräftigen Hurrahs.

Wenn der Ofen an diesem denkwürdigen Abend einen Centner Kohlen consumirte, so lag das daran, daß draußen eine Kälte von vierundzwanzig Grad Die Temperaturangaben beziehen sich im Folgenden auf Celsiusgrade, (100° Celsius = 80° Réaumur.) – Unter Meilen sind englische zu verstehen, von denen 4, 611 einer geographischen, 4, 681 einer österreichischen Meile gleich sind. herrschte, und Fort-Reliance unter 61° 47″, also weniger als fünf Grade vom Polarkreise lag.

Zweites Capitel.


Zweites Capitel.

»Herr Kapitän?

– Mistreß Barnett.

– Was denken Sie von Ihrem Lieutenant, Herrn Jasper Hobson?

– Ich halte ihn für einen Officier, der weit vordringen wird.

– Was verstehen Sie unter den Worten, weit vordringen? Wollen Sie damit sagen, daß er den achtzigsten Breitengrad überschreiten wird?«

Der Kapitän Craventy konnte sich bei dieser Frage Mrs. Barnett’s des Lächelns nicht erwehren. Er und sie plauderten nahe dem Ofen, während die Eingeladenen zwischen dem Tische mit Speisen und dem mit Erfrischungen hin- und hergingen.

»Madame, erwiderte der Kapitän, Alles, was einem Manne möglich ist, wird Jasper Hobson thun. Die Compagnie hat ihn mit der Durchforschung ihrer nördlichsten Besitzungen und der Errichtung einer Factorei, möglichst nahe der Nordküste Amerikas beauftragt, und das wird er auch ausführen.

– Da ruht aber eine große Verantwortlichkeit auf dem Lieutenant Hobson, sagte die Reisende.

– Ja, Madame, doch ist Jasper Hobson nie vor der Durchführung eines Versuches, und wenn dieser auch noch so mühsam war, zurückgeschreckt.

– Ich glaube Ihnen, Kapitän, antwortete Mrs. Paulina, und ich werde ja diesen Lieutenant in Thätigkeit sehen. Welches Interesse treibt aber die Compagnie, auch an der Küste des Arktischen Oceans noch ein Fort zu errichten?

– O, ein sehr großes Interesse, Madame, um nicht zu sagen, ein doppeltes. Voraussichtlich wird Rußland in nächster Zeit seine amerikanischen Besitzungen der Regierung der Vereinigten Staaten abtreten. 1 Tritt diese Cession ein, so wird der Handel der Compagnie nach dem Pacifischen Ocean hin wesentlich erschwert, wenn die von Mac Clure entdeckte nordwestliche Durchfahrt keinen brauchbaren Seeweg bieten sollte. Darüber müssen erst neue Untersuchungen Licht geben, und die Admiralität rüstet eben ein Schiff aus, dessen Aufgabe es sein wird, von der Behrings-Straße aus längs der amerikanischen Küste bis zum Krönungs-Golf an der Ostgrenze, wo das neue Fort gegründet werden soll, hinzufahren. Gelingt das Vorhaben, so wird dieser Punkt zu einer sehr wichtigen Factorei werden, in der sich der ganze Rauchwaarenhandel des Nordens concentriren müßte. Und während der Transport der Pelze über die Indianer-Territorien sehr viel Zeit und hohe Spesen kostet, könnten flinke Dampfer den Stillen Ocean von jenem Fort aus in wenigen Tagen erreichen.

– Das wäre freilich, erwiderte Mrs. Paulina Barnett, ein schwerwiegender Erfolg, wenn die Nordwest-Passage überhaupt benutzbar ist. Doch Sie sprachen, glaub‘ ich, von einem doppelten Interesse?

– Das zweite Interesse, fuhr der Kapitän fort, berührt gewissermaßen eine Lebensfrage der Compagnie. Hierzu muß ich Sie jedoch um die Erlaubniß bitten, Ihnen deren Ursprung mit kurzen Worten zu berichten. Sie werden daraus abnehmen können, wie diese einst so blühende Handelsverbindung jetzt in ihrer Wurzel bedroht ist.«

In wenigen Worten erzählte also der Kapitän die Geschichte dieser weitberühmten Compagnie.

Es ist bekannt, daß der Mensch schon in den ältesten Zeiten nach den Fellen und Pelzen gewisser Thiere trachtete, um sie zu seiner Kleidung zu verwenden. Der Rauchwaarenhandel reicht also bis in das hohe Alterthum zurück. Der Kleiderluxus ging ja manchmal so weit, daß mehrere Male sogenannte Aufwands-Gesetze (Kleiderordnungen) erlassen wurden, um dieser Mode, welche vorzüglich in Pelzwaaren Verschwendung trieb, zu steuern. So mußte z. B. das graue Pelzwerk im zwölften Jahrhundert verboten werden.

Im Jahre 1553 gründete Rußland in seinen Steppen des Nordens mehrere Niederlassungen, und englische Compagnien folgten bald diesem Beispiele. Der Handel mit Zobel, Hermelin, Viber u. s. w. wurde damals durch die Samojeden vermittelt. Unter der Regierung Elisabeth’s aber wurde der Gebrauch kostbarer Pelzwaaren durch ein königliches Verbot streng verpönt, und einige Jahre lag diese Handelsbranche völlig brach.

Am 2. Mai 1670 erhielt dann die Pelzwaaren-Compagnie der Hudsons-Bai ein Privilegium. Diese Compagnie hatte eine Anzahl Theilhaber aus den höchsten Kreisen, wie den Herzog von York, den Herzog von Albemarle, den Grafen von Shaftesbury u. s. w. Ihr Capital betrug anfangs nur 8400 Pfund Sterling. – Als Rivalen hatte sie besondere Genossenschaften, deren französische, in Canada seßhafte Agenten oft sehr abenteuerliche, aber auch ergiebige Züge unternahmen. Die unerschrockenen Jäger, welche unter dem Namen der »Canada-Reisenden« bekannt sind, machten der jungen Compagnie eine derartige Concurrenz, daß deren Fortbestand ernstlich in Zweifel gestellt wurde.

Die Eroberung von Canada aber veränderte diese bedrohliche Sachlage. Drei Jahre nach der Einnahme von Quebec, im Jahre 1766, blühte der Rauchwaarenhandel sehr merkbar auf. Die englischen Factore hatten sich in die Schwierigkeiten dieses Geschäftes eingelebt, sie kannten nun die Landessitten, die Gewohnheiten der Indianer und das Verfahren, welches diese bei ihrem Tauschhamdel einhielten. Dennoch war von Erträgnissen der Compagnie noch keine Rede. Dazu waren, gegen 1784, Kaufleute aus Montreal zur Ausbeutung desselben Geschäftes zusammengetreten, und hatten die mächtige »Compagnie des Nordwestens« gegründet, welche bald Alles zu sich heranzog. Im Jahre 1798 belief sich der Umsatz dieser neuer Compagnie auf die enorme Ziffer von hundertundzwanzig Millionen Pfund Sterling, während die Hudsons-Bai-Compagnie noch um ihren Fortbestand kämpfte.

Freilich schreckte jene Compagnie des Nordwestens auch vor keiner Immoralität zurück, wenn ihr Interesse im Spiele war. Sie beutete ihre eigenen Beamten aus, speculirte auf das Elend der Indianer, mißhandelte sie, machte sie trunken, um sie zu berauben, und übertrat das Parlamentsverbot, welches den Verkauf von Spirituosen in den Gebieten der Eingeborenen untersagte. So ernteten die Agenten dieser Gesellschaft reiche Erträgnisse, trotz der Concurrenz der inzwischen gegründeten amerikanischen und russischen Handelsgesellschaften, unter Anderen der »Amerikanischen Rauchwaaren-Compagnie«, welche 1809 mit dem Kapitale von einer Million Dollars gegründet worden war und den Westen der Felsengebirge ausbeutete.

Von allen Gesellschaften blieb die Hudsons-Bai-Compagnie die bedrohteste, bis sie im Jahre 1821 nach lange hingezogenen Verhandlungen ihre alte Rivalin, die Compagnie des Nordwestens, in sich aufnahm, und sich nun »Hudson’s bay fur Company« nannte.

Heutzutage hat diese mächtige Gesellschaft keine andere Rivalin, als die »Amerikanische Pelzwaaren-Compagnie von St. Louis«. Sie besitzt zahlreiche Etablissements, welche auf einem Raume von 3,700,000 Quadratmeilen verstreut liegen. Ihre Hauptfactoreien befinden sich an der James-Bai, an der Mündung des Severn, im südlichen Theile und nahe den Grenzen von Ober-Canada, an den Seen Athapeskow, Winnipeg, Supervior, Methye, Buffalo, ferner an den Strömen Colombia, Mackenzie, Saskatchavan, Assinipoil u. s. w. Fort-York, welches den Nelson-Fluß, der in die Hudsons-Bai mündet, beherrscht, bildet das Hauptquartier der Compagnie, bei dem sich die ausgedehntesten Rauchwaarenmagazine befinden, daneben hat sie, seit 1842, gegen eine jährliche Entschädigung von 200,000 Francs die russischen Etablissements im Norden Amerikas übernommen. Sie beutet also für eigene Rechnung die ungeheuren Ländereien zwischen dem Mississippi und dem Stillen Weltmeere aus. Nach allen Richtungen hat sie unerschrockene Reisende entsendet, so Hearn nach dem Polarmeere, welcher 1770 Copernicia entdeckte; Franklin, von 1819 bis 1822, über 5550 Meilen des amerikanischen Küstenlandes; Mackenzie, welcher nach der Entdeckung des Flusses, der seinen Namen trägt, die Ufer des Stillen Oceans unter 52° 24′ nördlicher Breite erreichte. Von 1833 bis 1834 sendete sie folgende Massen von Häuten und Pelzfellen nach Europa, welche den erstaunlichen Umfang ihres Handels genau angeben:

Eine solche Production mußte der Gesellschaft wohl einen reichen Ertrag liefern; unglücklicher Weise waren aber solche Ziffern nicht beständig, und etwa seit zwanzig Jahren nahmen sie fortwährend ab.

Woher kam nun diese Abnahme, welche Kapitän Craventy jetzt Mrs. Barnett erklärte?

»Bis zum Jahre 1837, Madame, sagte er, konnte man den Zustand der Compagnie einen blühenden nennen. In eben diesem Jahre hatte sich der Export bis auf 2,358,000 Felle erhoben. Seitdem hat er sich aber stets vermindert, und erreicht jetzt kaum die Hälfte.

– Worin suchen Sie aber die Ursache hierfür? fragte Mrs. Paulina Barnett.

– In der Entvölkerung, welche die Thätigkeit der Jäger, und, fügen wir hinzu, die Sorglosigkeit derselben in den Jagdgebieten erzeugt hat. Man stellte dem Wilde nach und tödtete es ohne Schonzeit. Die Metzeleien vollzogen sich ohne Ausnahmen. Selbst die Jungen und die tragenden Weibchen wurden nicht verschont. Die Otter ist fast ganz verschwunden und findet sich nur nahe den Inseln des höchsten Nordens. Die Biber sind in kleinen Gesellschaften an die Ufer der entlegensten Ströme entflohen. Dasselbe ist mit anderen kostbaren Thieren der Fall, welche vor dem Andringen der Jäger entfliehen mußten. Die sonst immer gefüllten Fallen und Gruben sind jetzt leer. Der Preis der rohen Felle steigt, gerade wo die Pelzwaaren sehr gesucht sind. Auch verlieren die Jäger die Lust, und nur die Kühnsten und Unermüdlichen dringen noch bis zu den Grenzen des amerikanischen Festlandes vor.

– Ich begreife jetzt das Interesse, sagte Mrs. Paulina Barnett, welches die Compagnie an der Gründung einer Factorei an der Küste des Eismeeres hat, da sich die jagdbaren Thiere über den Polarkreis hinaus geflüchtet haben.

– So ist es, Madame, antwortete der Kapitän. Uebrigens mußte sich die Compagnie bald entschließen, den Mittelpunkt ihrer Thätigkeit mehr nach Norden zu verlegen, da vor zwei Jahren eine Parlamentsacte ihr Jagdgebiet wesentlich eingeschränkt hat.

– Und was konnte der Grund dieser Einschränkung sein? fragte die Reisende.

– Ein sehr wichtiger nationalökonomischer war es, Madame, der die Staatsmänner Großbritanniens lebhaft berühren mußte. Die Mission der Kompagnie ist offenbar keine civilisatorische gewesen; im Gegentheil. In ihrem eigenen Interesse mußte sie den Zustand der öden Landgebiete in Gleichem erhalten. Jeder Versuch einer Urbarmachung, welche die Pelzthiere verscheucht hätte, wurde unerbittlich von ihr unterdrückt. Ihr Monopol ist der Feind des Landbaues. Alle seiner Industrie fremden Fragen wurden von ihrem Verwaltungsrathe von der Hand gewiesen. Dieses absolute, und von gewissem Gesichtspunkte unmoralische Regime hat jene Maßnahme des Parlaments veranlaßt und eine im Jahre 1857 von dem Secretär der Colonien ernannte Commission entschied dahin, daß alle zum Ackerbau geeigneten Ländereien zu Canada geschlagen würden, wie die Territorien des Rothen, und die Districte des Saskatchavan-Flusses, während der Gesellschaft fernerhin nur diejenigen Strecken als Domäne zu überlassen seien, welche für die Civilisation keine Zukunft hätten. Im folgenden Jahre verlor die Compagnie die Abhänge der Felsen-Gebirge, welche nun direct unter dem Colonialamte stehen und der Jurisdiction der Hudsons-Bai-Compagnie entzogen wurden. Und deshalb, Madame, will die Compagnie, statt ihren Handel aufzugeben, die noch fast unbekannten nördlichen Gegenden ausbeuten, und Mittel und Wege zu einer Verbindung mit dem Pacifischen Oceane suchen.«

Mrs. Paulina Barnett war über diese Projecte der berühmten Handelsgesellschaft sehr zufrieden. Sie sollte in Person an der Gründung eines neuen Forts an der Küste des Eismeeres theilnehmen. Kapitän Craventy hatte sie mit der Sachlage völlig bekannt gemacht, und bald wäre er – denn er plauderte gern – auch noch auf weitere Einzelheiten eingegangen, wenn ihm nicht ein Zufall das Wort abschnitt.

Corporal Joliffe meldete nämlich mit lauter Stimme an, daß er mit Mrs. Joliffe’s Hilfe daran gehe, den Punsch zu bereiten. Diese Nachricht fand die verdiente Würdigung. Die Bowle – doch es war vielmehr ein Bassin – war mit dem köstlichen Naß gefüllt; sie enthielt nicht weniger, als zehn Maß Branntwein, auf dem Boden lag ein ganzer Haufen Zucker und auf der Oberfläche schwammen die nöthigen, freilich vor Alter schon runzlichen Citronen. Es bedurfte nur noch der Entzündung dieses Sees von Alkohol, und der Corporal wartete, mit der Lunte in der Hand, der Befehle seines Kapitäns, so als gelte es eine Mine anzuzünden.

»Los! Joliffe!« rief nun Kapitän Craventy.

Sofort flammte unter dem Jubel der Umstehenden das Meer von Punsch in die Höhe.

Zwei Minuten später wurden die gefüllten Gläser umhergereicht, welche stets eifrige Abnehmer fanden.

»Hurrah! Hurrah! Der Mrs. Paulina Barnett! Ein Hurrah für unseren Kapitän!«

Mitten in diesen Freudenlärmen ertönte da plötzlich ein Geschrei von außerhalb. Erstaunt schwieg die Gesellschaft.

»Sergeant Long, sehen Sie nach, was draußen vorgeht«, sagte der Kapitän.

Und auf den Befehl seines Chefs ließ der Soldat sein Glas halb ausgetrunken stehen und verließ den Salon.

  1. Ist inzwischen wirklich geschehen.

Elftes Capitel.


Elftes Capitel.

Der breite Meerbusen, den die Gesellschaft nach sechswöchentlicher Fahrt erreichte, bildete einen trapezförmigen, scharf in das Festland Amerikas hinein verlaufenden Einschnitt.

In seiner westlichen Ecke befand sich die Mündung des Coppermine-Flusses. An der östlichen dagegen zog sich eine lange Meerstraße hin, welche den Namen »Bathurst’s Eingang« erhalten hat. An dieser Seite zeigt das Ufer eine launenhafte Bildung, ist von Buchten und kleinen Schlüpfhäfen unterbrochen und mit scharfen Caps und steil abfallenden Vorgebirgen besetzt, verliert sich auch weiterhin in jenes Gewirr von Meerengen, Oeffnungen und Durchlässen, welche den Karten der Polargegenden einen so sonderbaren Anblick verleihen. An der anderen, also an der westlichen Seite des Meerbusens, steigt die Küste, von der Mündung des Coppermine aus, nach Norden zu an und lauft in dem Cap Krusenstern aus.

Dieser Meerbusen trägt den Namen der Krönungs- Bai, und seine Gewässer sind mit Inseln und Eilanden, welche den Archipel des Herzogs von York bilden, bedeckt.

Nach Zuratbeziehung des Sergeants Long beschloß Jasper Hobson, seinen Begleitern an diesem Punkte einen Rasttag zu gewähren.

Die Erforschung im eigentlichen Sinne, welche dem Lieutenant eine zur Gründung einer Factorei geeignete Stelle nachweisen sollte, begann also von hier ab. Die Compagnie hatte empfohlen, sich so weit als möglich oberhalb des siebenzigsten Breitengrades und an der Küste des Polarmeeres zu halten. Seinem Mandate gemäß konnte der Lieutenant also nur im Westen nach einem Punkte suchen, welcher so hoch und doch noch auf dem Festlande läge. Nach Osten hin bilden die so merkwürdig zerrissenen Ländermassen (vielleicht mit alleiniger Ausnahme des Bootia-Landes), welche von jenem Breitengrade durchschnitten werden, Theile der eigentlich arktischen Gebiete, deren geographische Gestaltung aber nur erst sehr unvollkommen bekannt ist.

Nach Aufnahme der Länge und Breite und Einzeichnung seiner Position in der Karte sah Jasper Hobson, daß er sich noch mehr als hundert Meilen unterhalb des siebenzigsten Breitengrades befand. Oberhalb des Cap Krusenstern aber durchschnitt die Küste, welche sich nach Nordwesten fortsetzte, etwa mit dem hundertunddreißigsten Meridiane, jenen Parallelkreis, genau in der Höhe des Cap Bathurst, welches von Kapitän Craventy als Ort des Zusammentreffens bezeichnet worden war. Diesen Punkt galt es also zu erreichen und dort etwa konnte sich auch das neue Fort erheben, wenn die Oertlichkeit die nöthigen Hilfsquellen für eine Factorei versprach.

»Da, Sergeant Long, sagte der Lieutenant und zeigte seinem Unterofficier die Karte der Polargegenden, da werden wir uns unter den von der Compagnie vorgeschriebenen Bedingungen befinden. An diesem Punkte gestattet das einen großen Theil des Jahres über offene Meer den Schiffen von der Behrings-Straße bis an das Fort zu gelangen, dieses mit allem Nöthigen zu versehen und seine Producte auszuführen.

– Ohne zu erwähnen, fügte Sergeant Long hinzu, daß unsere Leute von der Zeit ab, da wir uns über dem siebenzigsten Breitengrade befinden, doppelte Löhnung beziehen sollen.

– Das versteht sich von selbst, entgegnete der Lieutenant, und ich denke, sie werden sie ohne Murren annehmen.

– Nun wohl, Herr Lieutenant, dann haben wir also nur nach Cap Bathurst aufzubrechen«, sagte einfach der Sergeant.

Da aber einmal ein Rasttag angesagt war, fand die Abreise erst anderen Tages, am 6. Juni, statt. Dieser zweite Theil der Reise mußte dem ersten gegenüber sehr verschieden sein und war es auch wirklich. Die Ordnung, welche den Schlitten bis hierher vorgeschrieben gewesen war, wurde nicht weiter aufrecht erhalten. Man zog in kleinen Tagereisen weiter, hielt an allen Ecken der Küste und ging häufig zu Fuß. Lieutenant Hobson empfahl seinen Begleitern nur dringend, sich niemals weiter als drei Meilen von der Küste zu entfernen und zweimal des Tages, Mittags und Abends, bei der Hauptabtheilung wieder einzutreffen. Bei einbrechender Nacht lagerte man sich. Das Wetter war zu dieser Jahreszeit beständig schön, und die Temperatur, welche bis + 15° C. stieg, sehr angenehm. Zwei- oder dreimal brachen zwar plötzliche Schneestürme los, welche aber nicht andauernd genug waren, um die Luftwärme wesentlich zu beeinträchtigen.

Der ganze Theil der amerikanischen Küste zwischen Cap Krusenstern und Cap Parry, welcher eine Ausdehnung von etwa zweihundertundfünfzig Meilen hat, wurde nun zwischen dem sechsten und dem zwanzigsten Grad möglichst sorgsam bereist. Wenn die geographische Aufnahme dieses Küstenstriches Nichts zu wünschen übrig ließ, wenn Jasper Hobson sogar – und hierbei wurde er von Thomas Black sehr erfolgreich unterstützt – einige hydrographische Irrthümer zu berichtigen vermochte, so wurde doch auch das benachbarte Land fortwährend scharf im Auge behalten, vorzüglich in der Hinsicht, welche die Hudsons- Bai-Compagnie direct interessirte.

Waren diese Gebiete z. B. wildreich? Konnte man auf eßbare Thiere ebenso rechnen, wie auf Pelzthiere? Würden die selbständigen Hilfsquellen des Landes ausreichen, eine Factorei, mindestens den Sommer über, zu erhalten? Das waren die wichtigeren Fragen, welche sich Jasper Hobson vorlegte und die ihn mit vollem Rechte beschäftigten. In Bezug hierauf beobachtete er etwa Folgendes:

Das eigentliche Wild, d. h. dasjenige, dem Corporal Jolisse, so gut wie Andere, den Vorzug gaben, schien nicht eben im Ueberfluß vorhanden. Geflügel, welches zu der zahlreichen Familie der Enten gehörte, gab es zwar in großer Menge, aber Nagethiere waren nur durch einige Polarhasen, welche sich übrigens schwierig ankommen ließen, vertreten. Dagegen mußten Bären hier häufig sein. Sabine und Marbre hatten nicht selten frische Spuren dieser Raubthiere angetroffen. Mehrere waren sogar bemerkt oder aufgespürt worden, doch hielten sie sich immer in gemessener Entfernung. Jedenfalls lag es auf der Hand, daß diese Thiere, wenn sie die strengere Jahreszeit durch Hunger aus den höher gelegenen Gegenden vertrieb, an den Küsten des Eismeeres nicht selten sein konnten.

»Uebrigens, sagte Corporal Jolisse, den die Verproviantirungsfrage vorwiegend beschäftigte, wenn der Bär in der Speisekammer hängt, ist er auch gar nicht zu verachten. Ist das aber noch nicht der Fall, so stellt er nur ein sehr problematisches Wild, welches alle Vorsicht nöthig macht, dar, und droht Euch Jägern immer dasselbe Loos, welches ihr ihm bestimmt habt.«

Klüger konnte wohl kein Mensch reden. Bären konnten die Bedürfnisse des Forts nicht wohl mit Sicherheit decken. Glücklicher Weise war das Gebiet aber auch von Banden noch nützlicherer, und vorzüglich wohlschmeckenderer Thiere, als es die Bären sind, häufiger besucht, denen die Indianer und manche Eskimostämme oft ihre einzige Nahrung entlehnen. Es sind das die canadischen Rennthiere, deren häufiges Vorkommen Corporal Joliffe auf diesem Küstenstriche constatirte. Wirklich hatte die Natur Alles gethan, sie hierher zu locken, indem sie den Boden mit jener Moosart bedeckte, nach welcher das Rennthier vorzüglich lüstern ist, die es sogar geschickt unter dem Schnee hervorzuscharren weiß, und von der es den Winter über ausschließlich lebt.

Jasper Hobson war nicht minder befriedigt, als Corporal Joliffe, als er mit diesem die Fußtapfen solcher Wiederkäuer auffand, welche sich dadurch leicht von anderen unterscheiden, daß die innere Huffläche, ähnlich der des Kameels, einen convexen Abdruck hinterläßt. Man begegnet in gewissen Gegenden Amerikas ganz beträchtlichen wilden Heerden dieser Thiere, die sich wohl bis zu mehreren tausend Köpfen ansammeln. Lebend lassen sie sich leicht zähmen, und leisten dann den Factoreien beträchtliche Dienste; entweder durch ihre selbst die Kuhmilch an Stoffreichthum übertreffende Milch, oder auch als Zugthiere für die Schlitten. Todt sind sie kaum minder nützlich, da ihr sehr dichtes Fell sich zu Kleidungsstücken verwerthen läßt; ihr Haar liefert gesponnen sehr dauerhafte Fäden; ihr Fleisch ist ziemlich schmackhaft, und kaum giebt’s unter den hohen Breiten ein allseitiger verwendbareres Geschöpf. Das Vorkommen solcher Rennthiere, welches unzweifelhaft bestätigt war, konnte also Jasper Hobson in seiner Absicht, auf einem Punkte dieses Gebietes eine Niederlassung zu begründen, nur bekräftigen.

Bezüglich der Pelzthiere war er aber ebenso befriedigt. Längs der kleinen Wasserläufe fanden sich häufige Bauten von Bibern und Bisamratten. Dachse, Luchse, Hermelins, Vielfraße, Marder und Wiesel waren in der Umgebung zahlreich, wo das Nichtauftreten von Jägern ihnen Ruhe gelassen hatte. Von Menschen sah man hier noch keine Spuren, folglich mußten die Thiere ebenda eine gesicherte Zuflucht finden. Gleichzeitig fanden sich auch Spuren von blauen, und von Silber-Füchsen, eine Abart, welche immer seltener und deren Fell sozusagen mit Gold aufgewogen wird. Die Jäger hätten auf dem Zuge nicht selten Gelegenheit gehabt, sich einen Preis herauszuschießen, doch verbot kluger Weise Hobson vorläufig alles Jagen. Er wollte die Thiere nicht vor der Saison, das heißt, vor der Zeit aufschrecken, in welcher ihr Fell dichter und schöner ist, und auch höher im Preise steht. Nebenbei wäre es nutzlos gewesen, die Schlitten zu überlasten. Sabine und Marbre sahen diese Gründe wohl ein, aber ihre Hand bewegte sich doch unwillkürlich, wenn ihnen ein Zobel oder ein kostbarer Fuchs vor den Lauf kam. Jasper Hobson’s Befehl war aber einmal ausgesprochen, und der Lieutenant hätte nicht geduldet, daß man dem zuwider handelte.

Die Gewehre der Jäger hatten also während dieser zweiten Reiseperiode kein anderes Ziel, als einige Eisbären, welche sich manchmal an den Seiten des Zuges sehen ließen. Diese Raubthiere aber liefen, da sie jetzt nicht Hunger litten, meist eiligst davon, so daß es zu keinem ernsthaften Engagement mit ihnen kam. Hatten die Vierfüßler des Landes aber von der Ankunft der Reisegesellschaft nicht zu leiden, so hatte dafür das ganze Federvieh reichlich zu bezahlen. So erlegte man weißköpfige Adler, eine Art großer Vögel, welche sehr laut kreischen, Fischer-Falken, die gewöhnlich in den Höhlungen abgestorbener Bäume nisten und während des Sommers bis in die arktischen Breiten hinaufziehen; ferner Schneegänse von prachtvoll weißem Gefieder, wilde Baumgänse, vom Standpunkte der Eßbarkeit wohl die beste Art des Geschlechts der Gänse; Enten mit rothem Schnabel und schwarzer Brust; aschfarbene Krähen, eine Art Spott-Elstern von ausnehmender Häßlichkeit; Eidergänse, Trauerenten und noch verschiedene Arten Geflügel, die mit ihrem Geschrei das Echo der Uferwände wach riefen. Die Vögel bewohnen diese Nachbarschaft der Seeküste zu Millionen, und ihre Menge übersteigt wirklich jede Schätzung.

Die Jäger, denen jede andere Jagd streng untersagt war, stillten also ihre Lust an dem Federvieh. Mehrere hundert, meist gut eßbare Vögel erlagen während der ersten vierzehn Tage dem Schrote, und brachten in die gewöhnliche aus Pökelfleisch und Schiffszwieback bestehende Tafel eine gern gesehene Abwechselung.

Thiere fehlten also in diesen Gebieten offenbar nicht. Die Compagnie konnte leicht ihre Magazine füllen, sowie das Personal des Forts seine Speisekammern. Hiermit allein war aber die Zukunft einer Factorei nicht sicher gestellt. In so hohen Breiten war eine dauernde Niederlassung ja ohne bequemen Bezug reichlichen Brennmaterials nicht zu begründen, da es hier auch der schneidigen Kälte des Polarwinters zu widerstehen galt.

Glücklicher Weise war das Küstengebiet bewaldet. Die Hügel, welche sich im nächsten Hinterlande erhoben, waren mit grünen Bäumen, vorherrschend mit Fichten so besetzt, daß diese fast den Namen von Wäldern verdienten. Da und dort bemerkte Jasper Hobson auch in einzelnen Gruppen Weiden, Pappeln, Zwergbirken und andere baumartige Gesträuche. Jetzt, in der warmen Jahreszeit, grünten alle diese Bäume und machten auf das Auge, gegenüber der gewohnten Nacktheit der Polarländer, fast einen fremdartigen Eindruck. Am Fuße der Hügel war der Erdboden mit kurzem Grase bedeckt, das die Rennthiere begierig aufsuchen, und von dem sie sich den Winter über ausschließlich nähren.

Man sieht also, daß der Lieutenant sich nur Glück wünschen konnte, dies neue Jagdgebiet im Norden des amerikanischen Festlandes aufgesucht zu haben.

Kamen aber Thiere in der erwähnten Gegend fast im Ueberfluß vor, so schienen Menschen dagegen fast absolut zu fehlen. Man traf weder Eskimos an, deren Stämme mit Vorliebe die der Hudsons-Bai näher liegenden Ländereien durchstreifen, noch Indianer, welche sich so weit über den Polarkreis nur selten hinauswagen. Wirklich könnten solche Einzeljäger hier auch von einem plötzlichen und nicht selten andauernden Rückschlage der schlechten Witterung überrascht und von jeder Verbindung abgeschnitten werden. Daß Lieutenant Jasper Hobson keine Ursache hatte, sich über die Abwesenheit von Seinesgleichen zu beklagen, liegt wohl auf der Hand, da er in ihnen doch nur Rivalen hätte sehen können. Ein jungfräulicher Boden war es, den er suchte; eine Einöde, in der nur die Pelzthiere ein Asyl gefunden hätten, und hierüber sprach er öfters sehr eingehend mit Mrs. Paulina Barnett, welche sich sehr lebhaft für den Erfolg der Unternehmung interessirte. Die Reisende vergaß nie, daß sie Gast der Hudsons-Bai-Compagnie sei, und ihre Wünsche richteten sich auf ein möglichst durchgreifendes Resultat bezüglich Jasper Hobson’s Vorhabens.

Wie groß mußte da die unangenehme Verwunderung des Lieutenants sein, als er sich am 20. Juni plötzlich angesichts eines Lagers, das erst vor mehr oder weniger langer Zeit verlassen sein konnte, sah.

Es befand sich bei einer kleinen, schmalen Bucht, welche den Namen Darnley-Bai führt, und deren westlichste Spitze das Cap Parry bildet. An dieser Stelle sah man am Fuße eines kleinen Hügels noch Pfähle, welche zu einer Art Umzäunung gehört haben mochten, und auf den erloschenen Herden noch Haufen erkalteter Asche.

Die ganze Reisegesellschaft lief an diesem Lager zusammen.

Jeder fühlte, daß dieses auf Lieutenant Hobson einen sehr unangenehmen Eindruck hervorbringen mußte.

»Das ist ein übles Ding, sagte er; lieber wäre ich auf dem Wege einer Familie Eisbären begegnet.

– Die Leute aber, wer sie nun auch gewesen sein mögen, welche hier gelagert haben, antwortete Mrs. Paulina Barnett, sind nun schon wieder ohne Zweifel fern, und haben sich wahrscheinlich nach ihren gewöhnlichen Jagdgebieten im Süden zurückgewendet.

– Das ist die Frage, Mistreß Paulina, entgegnete der Lieutenant. Waren es Eskimos, so sind, sie voraussichtlich weiter gegen Norden gezogen. Waren es dagegen Indianer, so dürften sie, so gut wie wir, wohl in der Auskundschaftung neuer Jagdgebiete begriffen gewesen sein, und ich wiederhole, daß das für uns von sehr üblen Folgen begleitet sein könnte.

– Aber kann man denn, fragte Mrs. Paulina Barnett, an gar Nichts erkennen, welcher Race diese Reisenden angehörten? Sollte sich nicht entscheiden lassen, ob es Eskimos oder Indianer aus dem Süden gewesen sind? Stämme von so verschiedenem Ursprünge und Volkssitten werden ein Lager doch nicht auf ganz gleiche Weise herstellen.«

Mrs. Paulina Barnett hatte hiermit offenbar recht, und es war wohl möglich, daß diese Frage durch ein genaueres in Augenschein-Nehmen des Lagers eine Lösung versprach.

Jasper Hobson ging also mit einigen Anderen an diese Prüfung, und suchte peinlich nach jeder Spur, nach irgend einem vergessenen Gegenstände, selbst nur nach einer Fußspur, welche ihnen einige Andeutung gegeben hätte. Doch weder aus dem Zustande des Erdbodens, noch der Feuerherde, war eine solche herzuleiten. Einige Thiergebeine, welche da und dort umherlagen, waren dazu ebenso ungenügend. Schon wollte der Lieutenant die fruchtlose Nachforschung aufgeben, als ihn Mrs. Joliffe, die sich etwa hundert Schritte nach links hin entfernt hatte, anrief.

Jasper Hobson, Mrs. Paulina Barnett, der Sergeant und noch Mehrere eilten sogleich auf die junge Canadierin zu, welche unbeweglich den Erdboden betrachtete.

»Sie suchten nach Spuren, sagte Mrs. Joliffe zu dem Lieutenant. Nun, hier sind deren!«

Sie zeigte dabei auf zahlreiche Fußeindrücke, welche sich in dem thonichten Erdboden sehr scharf erhalten hatten. Diese hätten wohl ein charakteristisches Merkmal bieten können, denn der Fuß des Eskimos und der des Indianers ist ebenso verschieden, wie das beiderseitige Schuhwerk. Vor Allem war Jasper Hobson über die eigentümliche Art dieser Eindrücke verwundert. Gewiß rührten sie von einem menschlichen, mit einem Stiefel bekleideten Fuße her, zeigten aber nur den Abklatsch der Sohle, während der des Fersentheiles fehlte. Daneben waren diese Fußspuren nach allen Seiten gerichtet, und nur in beschränktem Umkreise sehr zahlreich.

Jasper Hobson machte seine Begleiter auf diese Eigenthümlichkeit aufmerksam.

»Das sind keine Fußtapfen einer Person, welche im Gehen begriffen war, sagte er.

– Und auch keine eines springenden Menschen, da der Abdruck der Ferse fehlt, setzte Mrs. Barnett hinzu.

– Nein, antwortete Mrs. Joliffe, das sind Fußspuren einer tanzenden Person!«

Mrs. Joliffe hatte vollkommen recht. Bei genauerer Betrachtung bestätigte sich ihre Annahme, daß jene von irgend einer choregraphischen Vorstellung herrührten, und dazu nicht von einem langsamen, abgemessenen, sondern von einem leichten, lustigen Tanze. Die Thatsache war unbestreitbar. Aber welcher Mensch konnte wohl so leichtlebigen Charakters sein, um den Gedanken, oder gar das Bedürfniß zu einem flotten Tanze, hier an den Grenzen Amerikas, einige Grade über dem Polarkreise zu bekommen?

»Das war sicher kein Eskimo, sagte der Lieutenant.

– Auch kein Indianer! meinte Corporal Joliffe.

– Nein, entschied sehr ruhig Sergeant Long, das war ein Franzose!«

Und nach der Ansicht Aller mußte es wirklich nur ein Franzose gewesen sein, welcher an einer solchen Stelle der Erdkugel noch – an’s Tanzen denken konnte!