Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

Behagen zuhörten. Sie ließen ein drittes, schallendes Gelächter hören. Sam Hawkens
aber rief scheinbar zornig.-

»Ungeschick? Da irrt Ihr Euch gewaltig, Sir. Wir wußten wohl, woran wir waren.
Aus der Pleite mußte natürlich für uns etwas abfallen, sonst hätten wir sie
nicht gemacht.«

Er zog seinen bockledernen Jagdrock vorn auf, klopfte auf seinen breiten Gürtel,
daß es metallisch klang, und fügte stolz hinzu:

»Hier sitzen die Moneten, Sir!«

Das Gesicht Buttlers nahm den Ausdruck eines Raubvogels an, der nach Beute
ausspäht, und in möglichst unbefangenem Tone fragte er:

»Ihr habt Moneten? Dann seid ihr freilich klüger gewesen, als ihr ausseht.
Wieviel hat euch denn der Bankerott eingebracht?«

»Über zweitausend Dollar.«

»Die tragt ihr bei euch?«

»Yes.«

»Die ganze Summe?«

»Yes,«

»Auf der Reise, in dieser unsichern Gegend!«

»Pshaw! Wir haben Waffen.«

»Die würden euch verteufelt wenig nützen. Wenn zum Beispiel die Finders kämen,
die würden euch drei Schneider ausbeuteln, ehe ihr nur Zeit fändet, die Augen
aufzumachen. Warum habt ihr das viele Geld nicht lieber einer Bank anvertraut?«

»Werden es noch thun.«

»Wo?«

»Droben in Prescott.«

»Da hinauf wollt ihr?«

»Yes.«

»Als Fallensteller?«

»Yes.«

»Habt ihr denn Fallen?«

»Nein.«

»Woher wollt ihr sie nehmen?«

»In Prescott kaufen.«

»Himmel! Seid ihr Menschen! Was gedenkt ihr denn da oben zu fangen?«

»Biber und - und - und -«

Er stockte verlegen.

»Und - und - was denn weiter?« drang Buttler in den Kleinen.

»Grizzlybären.«

Da ertönte von den andern Tischen ein wahrhaft homerisches Gelächter herüber.
Buttler lachte auch, daß ihm die Thränen in die Augen traten und der Atem versagte,
und rief, als er sich einigermaßen beruhigt hatte:

»Grizzlybären wollt ihr in Fallen fangen, Grizzlybären, von denen einer neun
Fuß hoch wird und auch neun Zentner wiegen wird! In Fallen fangen?«

»Warum nicht?« knurrte Sam verdrießlich. »Wenn nur die Fallen groß und stark
genug sind!«

»Es gibt aber keine Grizzlyfallen und wird auch keine geben!«

»So lassen wir uns in Prescott von einem Schmiede welche machen.«

»Wie denn? In welcher Konstruktion?«

»Das werden wir ihm schon sagen.«

»Ihr drei Schneider? Halt auf, Kleiner, Dicker, halt auf, sonst ersticke ich!«

Er lachte wieder aus vollem Halse und konnte erst nach einer Weile fortfahren
-

»Und selbst wenn das mit den Grizzlybären möglich wäre, so müßte man sich doch
schon darüber halb totlachen, daß ihr, um Biber zu fangen, hinauf nach Prescott
wollt.«

»Nach Prescott eigentlich nicht; dort wollen wir die Fallen kaufen; dann reiten
wir nach dem Gila und dem San Franziskoflusse.«

An welchem es zwei Zoll hoch Wasser gibt; wo sollen da die Biber herkommen!«

»Das laßt nur unsre Sorge sein, Sir! Hab ein Buch gelesen, in welchem alles
steht, auch das von den Bibern.«

»Schön, schön, vortrefflich! Wenn ihr so klug seid, euch nach einem Buche zu
richten, so läßt sich nichts weiter sagen. Ich wünsche euch so viel Biber und
Bären, wie ihr wollt. Aber ihr werdet auch noch andres finden.«

»Was?«

»Wilde Indianer, welche euch Tag und Nacht umschleichen, um euch zu überfallen.«

»Da wehren wir uns.«

»Mit euern Waffen etwa?«

»Yes.«

»Zum Beispiel hier mit Eurer Flinte?«

»Yes.«

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