Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

»Es ist ja gar kein Frosch!«

»Nicht?«

»Nein.«

»Was denn?«

»Ein Mensch, welcher gebadet hat.«

»Ah! Gewiß einer der Knechte, welche hier im Freien das grasende Vieh zu bewachen
haben.«

»Auch nicht.«

»Wer denn?«

»Mein Hobble-Frank.«

»Alle Wetter! Welche Idee, wenn ich mich nicht irre!«

»Ja, er ist’s gewiß. Er sprach heut, als wir drin im Hofe bei der Sonnenglut
zusammensaßen, daß er heut abend, wenn es finster sein werde, ein Bad nehmen
wolle. Das hat er jetzt gethan.«

»Aber er ist doch fort!«

»Pshaw! Er ist wieder da; ich kenne ihn. In den Hof hat er freilich nicht kommen
wollen, sondern sich hier ins Freie gelagert. Da ist ihm der Gedanke an das
Bad wieder aufgestiegen; er hat sich ausgezogen und ist in das Wasser gegangen.
Das ist so gewiß, daß ich um tausend Dollars wetten will.«

»Sollte mich freuen, wenn er wiedergekommen wäre.«

»Ich habe nicht daran gezweifelt.«

»Na, daß er uns ganz verlassen werde, habe ich auch nicht gedacht; er weiß
ja, wohin wir morgen wollen, und da meinte ich, daß er unterwegs wieder zu uns
stoßen würde. Ah, schaut! Da haben wir ja den Frosch!«

Nämlich der Zug der Neugierigen war, mit vier Laternen versehen, in der Nähe
des Flusses angekommen. Da saß der Hobble-Frank neben seiner weidenden Mary
im Grase. Er erhob sich ganz erstaunt, als er die vielen Menschen erblickte,
und fragte in deutscher Sprache:

»Was habt ihr denn da vor, ihr Leute? Das is ja die reene Wallfahrt, die da
herangeschlängelt kommt!«

»Ah, Sie sind wieder da, Herr Frank!« antwortete der Emeritus. »Das ist mir
außerordentlich lieb, denn vielleicht können Sie uns Auskunft geben. Wie lange
befinden Sie sich wieder hier?«

»Seit vielleicht eener Schtunde.«

»Haben Sie beobachtet, was an dieser Stelle vorgegangen ist?«

»Natürlich! Ich habe ja meine Oogen und ooch meine Ohren, und so eenem Prairiejäger,
wie ich bin, kann niemals nischt entgehen.«

»Haben Sie die beiden Frauen gesehen, welche Wasser holen wollten?«

»Ja.«

»Und auch das Tier?«

»Welches Tier?«

»Welches im Wasser gesessen hat?«

»Im Wasser gesessen? Ich habe keens bemerkt.«

»So sind Ihre Augen und Ohren doch nicht so aufmerksam gewesen, wie Sie denken.«

»Oho! Was für een Vieh soll es denn gewesen sein?«

»Ein Ochsenfrosch.«

»Sapperlot! Da soll eener hier gewesen sein?«

»Ja.«

»Wer hat denn das gesagt?«

»Die Frauen.«

»Von eenem Ochsenfrosch is mir wirklich nischt ins Bewußtsein gekommen.«

»Waren Sie denn wirklich in der Nähe, als die Damen hier waren?«

»Was das betrifft, so war ich ihnen allerdings sehr nahe.«

Da schob sich Frau Rosalie zu ihm hin und sagte:

»Sie habe ich allerdings nich gesehen, Herr Hobble-Frank, desto deutlicher
aber den Ochsenfrosch. Wenn Sie so sehr in unsrer Nähe gewesen sein wollen,
so müssen Sie ihn unbedingt ooch gesehen haben!«

»Leider nich!«

»Er war ja groß genug!«

»Wie denn ungefähr?«

»Grad wie een ausgewachsener Mensch.«

»Oho! So groß wird im ganzen Leben keen Frosch, Frau Eberschbach, selbst wenn
es een Ochsenfrosch wäre. Ich habe genug solche Kerls gesehen; sie werden etwas
größer als eene tüchtige Männerhand, größer nich. Ihren Namen haben sie nich
etwa daher, daß sie die Größe eines Ochsen besitzen, sondern von ihrer obligaten
Schtimme. Sie schreien nämlich ganz ähnlich, wie ein Ochse brüllt.«

»Das schtimmt, das schtimmt! Wir haben das Biest schreien hören.«

»Wann denn?«

»Na, als wir hier waren!«

»Das hätt’ ich doch ooch hören müssen!«

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