Karl May - Der Ölprinz
admin am Apr 1st 2008
»Lächerlich nich, aber höchst gefährlich, eenen halben Ochsen im Maule zu habe;
das macht dir wahrhaftig keener von uns nach. Unsre Achtung schteigt; also komm
nur wieder her, altes Haus!«
»Fällt mir nich im Troome ein, besonders da du sogar jetzt wieder über den
Ochsen lachst. O, Vetter Droll, was muß ich alles von dir erleben und erleiden.
Das hätte ich nich gedacht! Aber Schtrafe muß sein. Ich bin Achilles mit der
Ferse und werde es mit euch grad so machen, wie er es mit den Russen gemacht
hat.«
»Achilles? Der is mir unbekannt und seine Ferse ooch.«
»Pfui Schande, so was nich zu wissen! Und dennoch lachste über mich? Achilles
war der größte Held der Schpartaner und zog mit den Russen gegen die Türken
aus. Bei der Belagerung von Dünkirchen beleidigte ihn Gortschakoff durch grad
so een höllisches Hohngelächter, wie heut das eurige war; da setzte er sich
off seinen Rappen und jagte wütend und mit verhängtem Zügel zum Burgthore hinaus.
Seit dieser Zeit is er verschwunden, schpurlos verschwunden, und keen Mensch
hat ihn jemals wiedergesehn. Zum Andenken aber hat man ihm eenen astronomischen
Fixstern an den Himmel gesetzt, mit seinem schpartanischen Namen darüber. Wenn
du off die Himmelskarte guckst, kannste ihn am südlichen Firmamente im Bilde
des grauen Bären sehen, zu dem ooch der Mond gehört. So wie dieser große Held
wird jetzt ooch der Hobble-Frank verschwinden.«
»Unsinn! Komm nur her, und sei nich albern!«
»Albern? Dieses Wort schtößt dem Faß vollends den Boden’naus! Der Hobble-Frank
und albern! Hat man jemals so was nur gehört! Nee, ich verschwinde ganz so,
wie Achilles unsichtbar geworden is, und lasse mich durch nischt zur Rückkehr
mehr bewegen, ooch nich dadurch, daß ihr mir eenen Schtern ‘noff an den Himmel
setzt. Lebt also wohl, Gentlemen! Habe die Ehre! Mein Kompliment!«
Er wendete wieder um, gab seinem Pferde die Sporen, jagte nach dem Flusse und
ritt in denselben hinein.
»Frank, Frank, kehr um, kehr doch um!« schrie Droll ihm lachend nach. »Du kannst
doch deine Tante nich verlasse!«
Der Hobble drehte diesmal nur den Kopf herum und rief zurück:
»Wir sind von heute an geschiedene Leute; da beißt keene Maus keenen Faden
nich! Ich drehe mich kontinatürlich weiter, wie sich die Erde um die Sonne dreht.
Ich bin für euch een abgeschiedener, toter Mann. Quietist in patrem - Friede
eurer Asche!«
Der neue Achilles ritt weiter, über das Flüßchen hinüber und dann in den weiten
Camp hinein.
»Das thut mir außerordentlich leid,« gestand der besorgte Kantor. »Er ist etwas
streitfertig, besonders in Beziehung auf die Wissenschaft, aber sonst ein seelensguter
Mann. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut, ihn zu treffen, und nun haben wir
ihn eingebüßt!«
»Für höchstens eenige Schtunden nur,« antwortete Droll.
»Meinen Sie wirklich?«
»Ja; ich kenne ihn. Wenn man ihm nich recht gibt, so schmollt er gern, wird
aber gleich wieder gut.«
»Aber heut scheint es anders zu sein!«
»Nee. So wild wie heut is er freilich noch nie gewese; zum Fortreite is es
noch niemals gekomme; aber ich weeß, daß er ohne mich nich lebe kann, und selbst
wenn er das könnte, verlasse thut er mich doch sicher nich. Er wird seinen Zorn
hinaus in den Camp reite, ihn dort liege lasse und nachher zu uns zurückkomme;
darauf könne Sie sich verlasse. Dann dürfe Sie freilich nich off ihn rede; Sie
müsse so thun, als ob gar nischt geschehe wäre und als ob Sie ihn gar nich sehe
thäte. Überhaupt dürfe Sie ihn, wenn er ‘mal zu schtreite beginnt, nich durch
Widerschpruch zornig mache. Er bildet sich nu eemal ein, alle mögliche Gelehrsamkeet
zu besitze; das macht keenem eenen Schaden; darum lasse Sie ihn off seinem Schteckenpferd
sitze, wenn er es partuh reite will!«
Natürlich waren alle Anwesenden Zeugen der Entfernung Franks gewesen. Sogar
das Gesinde des Ranchero hatte, durch das Gelächter angelockt, das Haus verlassen
und war vor das Thor gelaufen. Auch der Bankier hatte mit seinem Buchhalter
den Vorgang beobachtet; da er nicht deutsch verstand, mußte der letztere ihm
die gefallenen Reden erklären. Er lachte nachträglich auf das herzlichste und
war neugierig, ob die Voraussetzung Drolls sich erfüllen und Frank wiederkommen
werde. Während diese beiden noch miteinander sprachen, trat Sam Hawkens zu ihnen
und fragte:
»Ihr wollt nach dem Chellyflusse, Mr. Rollins? Unser Weg führt uns dort vorüber,
und morgen früh reiten wir von hier fort, Euer Ölprinz hat die Absicht, sich
uns anzuschließen, und ich bin darauf eingegangen. Wißt Ihr schon davon?«
»Nein; er hat mir noch nichts gesagt. Was denkt Ihr von dem Ölfunde?«
»Daß er sich in der Flüssigkeit geirrt hat, wenn es nicht etwas noch Schlimmeres
ist. Ich kann Euch nur zur Vorsicht mahnen.«
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