Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

»Ist das nötig, Sir? Sehe ich so wenig Vertrauen erweckend aus, daß Ihr, der
Ihr der Anführer zu sein scheint, Euch erst die Genehmigung andrer holen müßt?«

»So schlimm ist es nicht. Wenn Ihr nichts dagegen habt, daß ich aufrichtig
gegen Euch bin, will ich Euch ehrlich sagen, daß ich Euch nicht für einen Schwindler,
aber auch nicht für das Gegenteil halte; ich halte Euch für einen Menschen,
den man erst kennen lernen und prüfen muß, um ihn richtig beurteilen zu können.
Darum wollte ich mich erst bei Dick Stone und Will Parker erkundigen.«

»Alle Teufel, Sir! Diese Eure Aufrichtigkeit ist nicht etwa ein Kompliment
gegen mich!«

»Aber sie ist doch besser, als wenn ich Euch in das Gesicht freundlich, hinterrücks
aber mit Mißtrauen behandelte. Und damit Ihr seht, daß es nicht gar so schlimm
gemeint ist, will ich meine Gefährten nicht erst fragen, ob sie Euch mitnehmen
wollen, sondern Euch meine Zustimmung gleich jetzt erteilen.«

»Den Bankier und seinen Buchhalter eingeschlossen?«

»Versteht sich doch ganz von selbst, Sir.«

»Wann reitet Ihr von hier fort?«

»Morgen früh, wenn ich mich nicht irre. Wann wolltet denn Ihr weiter?«

»Heute schon; aber ich werde Mr. Rollins und Mr. Baumgarten zu bestimmen suchen,
bis morgen zu warten.«

»Thut das, Sir; denn unsre Tiere sind ermüdet und die Frauen und Kinder ebenso,
weil diese des Reitens nicht gewohnt sind. Ich will hoffen, daß ich es nicht
zu bereuen haben werde, Euch meine Zustimmung gegeben zu haben.«

»Keine Sorge, Sir! Ich bin ein ehrlicher Kerl und glaube dies auch dadurch
bewiesen zu haben, daß ich trotz der Gefahr, die ich dabei laufen könnte, bereit
bin, Euch das Placer zu zeigen. Ein andrer würde das wohl schwerlich thun.«

»Ja; ich wenigstens würde mich sehr hüten, mein Geheimnis außer dem Käufer
noch andern Leuten zu verraten. Also wir sind einig, Sir; morgen früh wird aufgebrochen.«

Er wendete sich von ihm ab. Der Ölprinz wendete sich nach dem Hofe, indem er
einen Fluch ausstieß und dann zornig vor sich hinmurmelte:

»Damned fellow! Das sollst du mir büßen! Mir so etwas in das Gesicht zu sagen!
Ich muß erst beobachtet und geprüft werden, ehe man mich für einen ehrlichen
Menschen halten kann! Der Blitz soll dir dafür in die Glieder fahren! jetzt
freut es mich, daß mein Bruder diese Halunken haben will. Hatte erst wenig Lust,
mich mit ihnen abzugeben; nach dieser Beleidigung aber wird es mir eine Wonne
sein, sie ihm zuzuführen. ja, sie sollen Petroleum zu sehen bekommen, und zwar
was für welches!«

Die Pferde, Maultiere und Maulesel waren jetzt entsattelt und weideten im frischen
Grase oder thaten sich im Wasser des Flusses gütlich. Mit Hilfe von Stangen,
welche Forner herlieh, und Decken wurden Zelte improvisiert, da so viele Personen
nicht im Innern des Rancho Platz finden konnten; die Zelte wurden im Hofe errichtet.
Dann entwickelten die Frauen eine sehr rege Thätigkeit, welche bald zur Folge
hatte, daß der Hof vom Dufte gebratenen Fleisches und neu gebackener Maisfladen
erfüllt war. Zu dem Schmause, weicher nun begann, wurden der Hobble-Frank und
auch die Tante Droll eingeladen. Die andern mochten für sich selber sorgen.

Frank lachte still in sich hinein, als er bemerkte, wie besorgt Frau Rosalie
Ebersbach, geborene Morgenstern und verwitwete Leiermüller für ihn war. Sie
legte ihm die besten Bissen vor; er mußte fast mehr essen, als er vermochte,
und als er schließlich nicht mehr konnte und sehr energisch dankte, weil sie
ihm noch einen dampfenden Maiskuchen aufzwingen wollte, bat sie ihn:

»Nehmen Sie doch nur dieses noch, Herr Hobble-Frank! Ich gebe es Ihnen ungeheuer
gern. Verschtehen Se mich?«

»O ja,« lachte er. »Ich habe ja schon vorhin gesehen, daß Sie mir gern ‘was
geben. Beinahe hätte ich sogar Ohrfeigen bekommen.«

»Weil ich nich wußte, wer Sie eegentlich sind. Wenn ich Sie für den berühmten
Hobble-Frank gehalten hätte, wäre das Mißverschtändnis gar nich vorgefallen.«

»Aber eenem andern gegenüber wären Sie demnach grob gewesen?«

»Verschteht sich ganz von selbst. So een Betragen is eene Beleidigung, und
beleidigen lasse ich mich eenmal nich, denn ich bin nich nur eene gebildete,
sondern ooch eene tapfere Frau und weeß genau, wie man sich zu verhalten hat,
wenn man als Dame nich mit der erforderlichen Weechherzigkeet behandelt wird.«

»Aber ich wiederhole Ihnen, daß von eener Unzartheet oder gar Beleidigung gar
keene Rede war. Ich wollte Ihnen eene ritterliche Offmerksamkeet erweisen, weil
Ihr Maulesel schtörrisch war. Mir haben Sie fälschlicherweise die Vorwürfe gemacht,
während der Esel es gewesen is, der sich nich als Gentleman gegen Sie betragen
hat.«

»Was brauchten Sie ihn aber anzugreifen? Sie hatten doch nich die allerkleenste
Ursache dazu. Ich wäre schon alleene mit ihm fertig geworden. Ich verschtehe
es schon mit Eseln umzugehen, von welcher Sorte sie nur immer sein mögen. Sie
werden mich schon noch kennen lernen. Wenn Sie ‘mal eene recht resolute Person
brauchen, so wenden Se sich nur an mich. Ich fürchte mich vor keenem Esel und

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