Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

»Ja, und mit dem Buchhalter desselben, welcher bei ihm ist.«

Sam betrachtete den Ölprinzen vom Kopfe bis zu den Füßen herab und antwortete
dann:

»Hm, man kann hier in der Wahl seiner Begleiter nicht vorsichtig genug sein,
wie Ihr wohl wissen werdet.«

»Ich weiß das gar wohl; aber sagt mir doch, Sir, ob ich wie ein Mensch aussehe,
dem man kein Vertrauen schenken darf?«

»Das will ich nicht behaupten. Aber warum wollt Ihr mit uns reiten? Einen Fundort
von Petroleum hält man doch geheim, und darum ist es auffällig, daß Ihr Euch
uns anschließen wollt, wenn ich mich nicht irre.«

»Was das betrifft, so bin ich überzeugt, daß ein Sam Hawkens mich nicht betrügen
wird.«

»Well; damit habt Ihr den Nagel auf den Kopf getroffen. Durch mich und meine
Kameraden werdet Ihr sicher keinen einzigen Tropfen Öl verlieren.«

»Ich habe noch einen andern Grund, sogar zwei. Die Roten sind unruhig geworden,
und da fühle ich mich bei Euch sichrer, als wenn ich mit meinen beiden unerfahrenen
Leuten allein reiten müßte. Das werdet Ihr wohl begreifen?«

»Sehr gut.«

»Und sodann hat Mr. Frank mich in große Verlegenheit gebracht. Wir haben ihm
aufrichtig mitgeteilt, was wir droben am Chelly wollen, und er hat mir diese
Offenheit damit vergolten, daß er den Bankier mißtrauisch gemacht hat. Er glaubt
nicht, daß am Chelly Petroleum zu finden ist.«

»Hm, das kann ich ihm nicht verdenken. Ich muß Euch sagen, Sir, daß ich auch
nicht daran glaube.«

»Das sagt Ihr im Ernste?«

»Im vollen Ernste.«

»So haltet auch Ihr mich für einen Schwindler?«

»Nein.«

»O doch. Es ist ja gar nicht anders möglich, wenn Ihr nicht an meine Behauptung
glaubt.«

»Ich denke, daß Ihr getäuscht worden seid.«

»Es hat mich niemand täuschen können, denn ich selbst bin es gewesen, der das
Placer entdeckt hat.«

»Kein andrer war dabei?«

»Keinen«

»So habt Ihr sehr einfach Euch selbst getäuscht und irgend eine Flüssigkeit
für Petroleum gehalten.«

»Das ist ja gar nicht möglich, Sir. Welche Flüssigkeit könnte das sein?«

»Weiß es auch nicht; aber ich möchte darauf schwören, daß es da oben am Chelly
kein Petroleum gibt.«

»Kennt Ihr die Gegend?«

»Ja; ich bin einmal dort gewesen.«

»Längere Zeit?«

»Nein, sondern nur einige Tage; aber das ist gar nicht nötig; man braucht nicht
dort gewesen zu sein, um zu wissen, daß kein Erdöl dort vorhanden ist; die Gegend
stimmt nicht dazu. ja, wenn Ihr sagtet, Gold und Silber oder irgend ein andres
Metall dort entdeckt zu haben, das wollte ich wohl glauben, Petroleum aber nie!«

»Aber ich habe es doch probieren lassen!«

»So! Und wie ist das Gutachten ausgefallen?«

»Zu meiner vollsten Zufriedenheit.«

»Das kann ich nicht begreifen. Dann ist ein Wunder geschehen, und ich gestehe
Euch, daß es mich verlangt, dieses sonderbare Petroleum zu sehen.«

»Das könnt Ihr, Sir. Wenn Ihr uns die Erlaubnis gebt, uns Euch anzuschließen,
werdet Ihr es zu sehen bekommen.«

»Ihr würdet mich zu dem Placer führen?«

»Ja.«

»Well; das ist mir wirklich hoch interessant. Also Mr. Frank hat auch nicht
an das Öl geglaubt und Mr. Droll wohl auch nicht?«

»Beide nicht.«

»Und Ihr ärgert Euch natürlich darüber?«

»Darüber eigentlich nicht, sondern vielmehr darüber, daß sie den Bankier mißtrauisch
gemacht haben. Sie konnten meinetwegen zehnmal oder hundertmal zweifeln; aber
ihm ihren Unglauben aufzureden, das hätten sie nicht thun sollen. Sie konnten
mir dadurch leicht das Geschäft, welches ich vorhabe zu Schanden machen.«

»Ist dieser Mr. Rollins denn wirklich zweifelhaft geworden?«

»Ja. Und eben auch aus diesem Grunde habe ich Euch gebeten, mich mitzunehmen.
Sie wissen sich dann unter Eurem Schutze und werden nicht länger denken, daß
ich irgend etwas gegen sie unternehmen will. Wollt Ihr mir den Gefallen thun,
Sir?«

»Gern, möchte aber vorher meine Gefährten darum fragen.«

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244

Gerne gelesen werden auch:

Allgemein Erzählungen, Sagen Märchen Romane

Geschrieben in Romane | Kein Kommentar bis jetzt

Trackback URI | Comments RSS

Schreiben Sie einen Kommentar