Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

nun, wo ich solche Leute, wie ihr seid, bei uns weiß, ist mir für die Folge
nicht mehr bange. Schlagt ein, wollen gute Kameraden sein!«

Er reichte den beiden abermals die Hände, und der Bankier folgte diesem Beispiele.
Er schien jetzt erfreut darüber zu sein, solche Begleiter gefunden zu haben.
Der Ranchero war herbeigekommen, hatte den letzten Teil des Gespräches mit angehört
und sagte nun:

»So ist’s recht, Mesch’schurs; haltet gut zusammen! Ich denke nicht, daß ihr
das wegen des Ölprinzen nötig haben werdet, denn ich kann nichts Böses über
ihn sagen; aber der Indianer wegen gebe ich euch diesen Rat. Die Nijoras und
Navajos haben ihre Kriegsbeile ausgegraben und selbst den Moquis, die sonst
außerordentlich friedlich sind, soll heute nicht mehr zu trauen sein. Ihr werdet
also nicht hierblieben. Was soll ich Winnetou und Old Shatterhand sagen, wenn
sie kommen?«

»Daß sie hier auf uns warten oder, noch weit besser, uns nach dem Chellyflusse
sofort folgen sollen,« antwortete Droll. »Ich muß Euch aber sehr bitten, dem
Ölprinzen hiervon nichts mitzuteilen!«

»Das verspreche ich Euch gern; er soll kein Wort erfahren. Wo er nur stecken
mag? Will doch einmal nach ihm sehen.«

Er ging hinaus vor das Thor, wohin Grinley vorhin vorausgegangen war, und sah
sich nach demselben um. Da erblickte er eine Gruppe von Reitern, welche sich
von Süden her dem Rancho näherte. Diese Leute waren noch so fern, daß man jetzt
nur bemerken konnte, daß sie auch Lasttiere bei sich hatten. Bald darauf aber
erkannte Forner, daß die Gesellschaft nicht nur aus Männern bestand; es waren
auch Frauen und Kinder dabei. Einige Reiter hatten Pferde; die übrigen saßen
auf Maultieren.

Voran ritt ein kleiner Kerl, welcher in einem großen und viel zu weiten bockledernen
Jagdrocke stak. Von dem Gesichte waren wegen eines außerordentlich starken Bartwuchses
nur zwei kleine, listig blickende Äuglein und eine Nase zu sehen, welche fast
erschreckende Dimensionen besaß. Dieses Männchen war Sam Hawkens, welcher mit
seinen beiden Gefährten Dick Stone und Will Parker die Leitung der Auswandererkarawane
übernommen hatte und mit derselben von dem erst projektierten Wege abgewichen
war, weil das Verbleiben auf demselben zu viel Zeit erfordert hätte. Er ließ
sein altes Maultier, die »Mary«, aus dem langsamen Marschschritte in Galopp
fallen, hielt sie vor Forner an und grüßte:

»Good day, Sir! Nicht wahr, diese Niederlassung wird Forners Rancho genannt?«

»Ay, Master, das ist so,« antwortete der Farmer, indem er erst den Kleinen
und dann die nachfolgenden Reiter musterte. »Ihr scheint wohl Emigranten zu
sein, Master?«

»Yes, wenn Ihr nämlich nichts dagegen habt.«

»Ist mir recht, wenn ihr nur ehrliche Kerls seid. Wo kommt ihr her?«

»Ein wenig von Tucson herauf.«

»Da habt ihr einen bösen Weg gehabt, zumal Kinder bei euch sind. Und wo wollt
ihr hin?«

»Gegen den Colorado zu. Ist der Ranchero daheim?«

»Yes, wie ihr seht. Ich bin es selbst.«

»So sagt, ob wir bis morgen früh bei Euch rasten dürfen?«

»Soll mir recht sein; denn ich hoffe, daß ich es nicht zu bereuen brauche,
wenn ich euch diese Erlaubnis gebe.«

»Werden Euch nicht fressen; darauf könnt Ihr Euch verlassen. Und was wir vielleicht
von Euch entnehmen, das werden wir gern bezahlen.«

Er stieg ab. Der Ölprinz hatte erst fern gestanden, war aber näher gekommen
und hatte alles gehört. Er wußte nun, daß er die Auswanderer vor sich hatte,
von denen er von seinem Bruder und dem ungetreuen Führer gehört hatte. Die im
Hofe befindlichen Personen kamen auch an das Thor, und zwar grad in dem Augenblicke,
in welchem die Gesellschaft dort anlangte, um abzusteigen. Das ging aber nicht
so glatt, wie man erwartet hatte. Der Maulesel, auf welchem Frau Rosalie saß,
schien seinen Kopf für sich zu haben; er wollte sie nicht herablassen, sondern
weiterlaufen. Der Hobble-Frank trat als stets galantes Kerlchen herbei, um ihr
behilflich zu sein, und das empörte den Maulesel in der Weise, daß er mit allen
vier Beinen zugleich in die Luft ging und sie abwarf. Die Frau hätte sicher
einen schweren Fall gethan, wenn Frank nicht so gewandt gewesen wäre, sie aufzufangen.
Aber anstatt ihm dafür dankbar zu sein, riß sie sich von ihm los, gab ihm einen
sehr kräftigen Rippenstoß und fuhr ihn zornig an:

»Sheep’s-head!« - was so viel wie Schafskopf bedeutet.

»Sheep’s-nose - Schafsnase!« antwortete er in seiner wohlbekannten Zungenfertigkeit.

»Clown - Grobian!« fuhr sie wütend fort, indem sie ihm die geballte Rechte
entgegenstreckte.

»Stupid girl - dumme Liese!« lachte er und wendete sich von ihr ab.

Sie hielt ihn für einen Amerikaner und hatte sich also derjenigen englischen
Kampfeswörter bedient, welche ihr bekannt waren, die stupid girl aber brachte

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