Karl May - Der Ölprinz
admin am Apr 1st 2008
»Warum nicht? Ihr Weg führt sie in der Nähe des Gloomy-water vorüber; du brauchst
dich ihnen also nur anzuschließen; das übrige ist dann meine Sache.«
So weit waren sie in ihrem Gespräch gelangt, als sie Poller kommen sahen. Er
trat ganz zu ihnen heran und sagte in wichtigem Tone:
»Ich muß euch stören, denn da vorn gehen wichtige Dinge vor.«
»Sind sie wirklich so wichtig, daß du uns deshalb unterbrechen mußt?« fragte
Buttler unwillig.
»Ja. Nämlich Old Shatterhand und Winnetou kommen hierher.«
»Alle Wetter!« fuhr Grinley auf. »Was haben die hier zu suchen!«
»Was geht es dich an, daß sie kommen?« meinte Buttler, jetzt wieder ruhig.
»Dir kann es ja ganz gleichgültig sein, wo sie stecken.«
»Ganz und gar nicht, denn da, wo diese beiden Menschen sich befinden, bleibt
in der ganzen Gegend kein herabgefallenes Blatt unumgewendet; sie müssen alles
wissen und erfahren alles.«
»Hm, das ist wahr. Woher weißt du denn, Poller, daß sie kommen?«
»Eben als du dich entfernt hattest, kamen zwei Fremde, von denen wir es erfahren
haben. Sie wollen hier auf Winnetou und Old Shatterhand warten und sind genau
so gekleidet, wie diese beiden sich zu tragen pflegen. Jetzt sitzen sie da und
kauderwelschen mit dem Buchhalter des Bankiers in deutscher Sprache.«
»Woher wißt Ihr denn,« fragte Grinley, »daß es ein Buchhalter mit seinem Bankier
ist?«
»Rollins hat es selbst gesagt.«
»Daß doch - hat er vielleicht gar noch mehr von uns erzählt?«
»Ihr meint von Petroleum? ja, das hat er gesagt.«
»Das ist fatal, außerordentlich fatal!« rief er aus, indem er eifrig aufsprang.
»Ich muß vor zu ihnen, um weiteres zu verhüten. Ihr sagt, daß sie deutsch sprechen.
Sind sie denn Deutsche?«
»Ja. Der eine wird Tante Droll und der andre Hobble-Frank genannt.«
»Was Ihr sagt! Da gehören sie ja zu der Gesellschaft, die da oben am Silbersee
in kurzer Zeit so reich geworden ist!«
»Ja; sie sprachen davon. Diese beiden Kerls scheinen sehr viel Geld bei sich
zu haben.«
»Und was sagten sie zu meiner Petroleumquelle?«
»Sie glaubten es nicht und haben den Bankier gewarnt. Sie halten es für Schwindel.«
»Donner und Doria! Habe ich es nicht sofort gesagt, als ich hörte, daß Old
Shatterhand und Winnetou kommen wollen! Sie sind noch nicht einmal da und schon
beginnt der Teufel sein Spiel! Da können wir uns nur fest in den Sattel setzen.
Was sagte der Bankier zu der Warnung?«
»Er schien das Vertrauen nicht zu verlieren; aber sie rieten ihm, hier auf
Winnetou und Old Shatterhand zu warten und sich bei ihnen zu erkundigen.«
»Das fehlte noch! Ging er vielleicht darauf ein?«
»Das sagte er nicht. Jetzt sitzt er still dort und scheint zu überlegen.«
»Da muß ich zu ihm, um ihm die Grillen auszureden. Vorher aber muß ich mit
Euch schnell klar werden, denn Ihr müßt fort. Also hört, was ich Euch sage!«
Sie sprachen noch eine kleine Weile leise und hastig miteinander. Es schienen
Versprechungen und Beteuerungen zu sein, denn sie gaben einander die Hände mehreremal;
dann gingen Buttler und Poller miteinander nach vom, wo sie dem Ranchero erklärten,
daß sie aufbrechen wollten. Sie wollten das, was sie verzehrt hatten, bezahlen,
aber er nahm nichts, da sein Rancho kein Wirtshaus sei; dann ritten sie fort,
ohne daß jemand - natürlich Grinley ausgenommen - etwas über ihre Namen und
Absichten erfahren hatte. Sie waren nicht einmal darnach gefragt worden.
Kurze Zeit darauf kam Grinley herbeigeschlendert. Er that, als ob er sich nun
ausgeruht habe, und setzte sich wieder an seinen Platz, indem er Frank und Droll
höflich grüßte und ihnen ein möglichst offenes und ehrliches Gesicht zeigte,
um ihr Vertrauen zu erwecken. Der Bankier konnte sich jedoch nicht halten; er
sagte:
»Master Grinley, hier sitzen zwei gute Bekannte von Winnetou und Old Shatterhand,
nämlich Mr. Droll und Mr. Hobble-Frank, welche nicht an Eure Petroleumquelle
glauben wollen. Was sagt Ihr dazu?«
»Was ich dazu sage?« antwortete der Gefragte gleichmütig, »ich sage, daß ich
ihnen das gar nicht übelnehmen will. In Sachen, wo es sich um so große Summen
handelt, muß man vorsichtig sein. Ich habe ja selbst auch nicht eher daran geglaubt,
als bis meine Ölproben von mehreren Sachverständigen untersucht worden waren.
Wenn es den Herren Spaß macht, mögen sie mit uns reiten, um sich zu überzeugen,
was für eine mächtige Menge von Öl der Platz enthält.«
»Sie wollen hier auf Winnetou und Old Shatterhand warten.«
»Dagegen kann ich gar nichts haben; aber da ich mein Placer weder an Old Shatterhand
noch an Winnetou verkaufen will, so bin nicht ich es, der auf diese beiden zu
warten hat.«
»Aber wenn nun ich warten möchte?«
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