Karl May - Der Ölprinz
admin am Apr 1st 2008
ein ganzes, volles Jahr geschunden und alles allein, ganz allein machen müssen,
denn einen Vertrauten außer dir konnte ich nicht gebrauchen, und du warst nicht
da.«
»Hättest du denn auch das, was nun noch zu thun ist, ohne fremde Hilfe fertig
gebracht?«
»Es hätte gehen müssen, wäre aber nur sehr schwer gegangen. Du mußt bedenken,
daß ich der Führer des Bankiers bin und mich also nicht von ihm entfernen darf,
ganz besonders auch deshalb nicht, weil er sonst Verdacht schöpfen könnte. Und
doch hätte ich dies thun müssen, um das Öl in das Wasser zu bringen. Es sind
vierzig Fässer, eine wahre Heidenarbeit für einen einzelnen Menschen, der überdies
keine Zeit dazu hat! Um so mehr freue ich mich, dich getroffen zu haben, denn
ich denke doch, daß du mir helfen wirst?«
»Mit dem größten Vergnügen. Aber natürlich setze ich da voraus, daß es nicht
umsonst geschehen soll.«
»Selbstverständlich. Zwar von den hunderttausend Dollars möchte ich nichts
abgeben, denn ich habe sie redlich verdient, und du hast nun weiter nichts zu
thun, als die Fässer zu öffnen. Ich werde also mehr verlangen und was dies beträgt,
das ist dein, verstehst du?«
»Und wenn er aber nicht mehr gibt?«
»Er gibt mehr; ich versichere es dir. Und sollte ich mich darin täuschen, so
kennst du mich und weißt, daß wir leicht einig werden. Du wirst aber heut noch
aufbrechen müssen, denn wenn du länger bleibst, kann leicht etwas geschehen,
was Rollins und seinen Deutschen auf den Gedanken bringt, daß wir uns kennen.«
»Ich müßte auch ohnedies fort, da noch am Nachmittage die Auswanderer mit ihrem
›Kleeblatte‹ ankommen und die dürfen mich natürlich nicht sehen.«
»Ahnen sie, daß du sie verfolgst?«
»Nein, wenigstens glaube ich es nicht, denn sie können nicht erfahren haben,
daß ich entkommen bin. Es hat uns große Anstrengung gekostet, sie ein- und dann
heut gar zu überholen. Dieser schlaue Sam Hawkens hat sie beredet, von ihrer
ursprünglich geplanten Richtung abzuweichen. Er ist über den Gila gegangen,
anstatt diesem zu folgen und hat dann, um rascher reisen zu können, auf Bells
Farm die langsamen Ochsen mit den schnelleren Maultieren vertauscht und ebenda
die Wagen und alles überflüssige Gerät verkauft. Nun reiten sie alle.«
»Du weißt bestimmt, daß sie heute hier ankommen?«
»Ja; ich habe sie gestern abend in ihrem Lager belauscht. Poller hat es auch
gehört.«
»Ah, dieser Poller! Ist er dir nicht im Wege?«
»Jetzt noch nicht.«
»Aber desto mehr mir. Kannst du ihn nicht loswerden?«
»Schwerlich.«
»Durch irgend eine List?«
»Geht nicht. Er würde mich aus Rache an das ›Kleeblatt‹ verraten und gewiß
auch Aufklärung über dich erteilen.«
»Er kennt mich doch nicht!«
»O doch, denn als ich dich sitzen sah, habe ich ihm gesagt, daß du mein Bruder
bist. Während wir uns jetzt hier befinden, wird sicher von eurer Petroleumquelle
gesprochen; er denkt sich natürlich das Richtige und würde, wenn ich ihn verließe,
an dir zum Verräter werden.«
»Das ist dumm. Du hättest ihm nichts sagen sollen.«
»Es ist nun einmal geschehen und kann nicht geändert werden. Überdies kann
er mir behilflich sein und mir da droben am Gloomy-waterDüstres Wasser meine
Arbeit sehr erleichtern.«
»Willst du ihn einweihen?«
»Nur zum Teil, vollständig nicht.«
»Dennoch wird er mit uns teilen wollen!«
»Mag sein; er bekommt jedoch nichts. Sobald ich ihn nicht mehr gebrauchen kann,
schaffe ich ihn aus dem Wege.«
»Well, das lass’ ich gelten. Er mag uns jetzt helfen, und dann bekommt er,
ist’s nötig, eine Kugel oder mag im Petroleum ersaufen. Wann brecht ihr hier
auf?«
»Das kann sofort geschehen.«
»Schön! So könnt ihr heut abend schon weit von hier sein.«
»Da täuschest du dich. Es fällt mir gar nicht ein, die deutschen Auswanderer
aus den Augen zu lassen.«
»Auf sie wirst du nun, da du mir zu helfen hast, verzichten müssen.«
»Keinesweges. Es ist einer dabei, Ebersbach heißt er, welcher viel bares Geld
bei sich hat, und außerdem besitzen sie viel und allerlei, was unsereiner gut
gebrauchen und verwerten kann. Dazu kommt die Rache, die ich an ihnen nehmen
will und die ich ganz unmöglich aufgeben kann.«
»Ist mir außerordentlich unlieb und paßt ganz und gar nicht in meinen Plan!«
Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244
Gerne gelesen werden auch:
Geschrieben in Romane | Kein Kommentar bis jetzt