Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

»Meint ihr? So wißt ihr wohl noch gar nicht, daß die Navajos ihre Kriegsbeile
ausgegraben haben?«

»Wir wissen’s.«

»Und daß auch die Moquis und Nijoras sich im hellen Aufstande befinden?«

»Auch das.«

»Und dennoch fühlt ihr euch sicher?«

»Warum sollen wir uns unsicher fühlen, wenn es nötig ist?«

Es ist ganz eigentümlich und eine alte Erfahrung, daß es selten einen richtigen
Westmann gibt, der sich nicht irgend eine bestimmte, stehende Redensart angewöhnt
hat. Sam Hawkens z.B. bediente sich häufig der Worte »wenn ich mich nicht irre«;
Droll hatte sich den Ausdruck »wenn es nötig ist« angewöhnt. Oft werden diese
Redensarten bei Gelegenheiten angewandt, wo sie höchst lächerlich erscheinen
und wohl gar das Gegenteil von dem sagen, was ausgedrückt werden soll. So auch
jetzt und hier. Darum sah Forner den kleinen Dicken erstaunt an, fuhr aber doch
ernsthaft fort:

»Kennt Ihr denn diese Völkerschaften, Sir?«

»Ein wenig.«

»Das reicht nicht aus. Man muß Freund mit ihnen sein, und selbst dann noch
ist es möglich, daß man den Skalp verliert, wenn sie den Kampf gegen die Weißen
beschlossen haben. Wenn euch euer Weg etwa nach Norden führt, So rate ich euch
ab; es ist dort keineswegs geheuer. Ihr scheint zwar gut ausgerüstet zu sein,
aber wie ich an euern neuen Anzügen sehe, kommt ihr direkt aus dem Osten, und
eure Gesichter sind auch nicht solche, aus denen man den unerschrockenen Westmann
sofort herauszulesen vermag.«

»So! Das ist sehr aufrichtig. Ihr beurteilt die Leute also nach ihren Gesichtern,
wenn es nötig ist?«

»Ja.«

»Das gewöhnt Euch sobald wie möglich ab. Man schießt und sticht mit der Büchse
und dem Messer, nicht aber mit dem Gesichte, verstanden! Es kann einer sehr
martialische und grimmige Gesichtszüge besitzen und dabei doch ein Hasenfuß
sein.«

»Das will ich nicht bestreiten; aber ihr - hm. Darf ich nicht vielleicht erfahren,
was ihr seid, Mesch’schurs?«

»Warum denn nicht?«

»Nun, bitte!«

»Wir sind - na ja, wir sind eigentlich das, was man Rentiers oder wohl auch
Particuliers nennt.«

»O weh! Da seid ihr wohl zu euerm Vergnügen nach dem Westen gekommen?«

»Zu unserm Herzeleid natürlich nicht!«

»Wenn das ist, Sir, da kehrt sofort wieder um, sonst werdet Ihr hier ausgelöscht,
wie man ein Licht ausbläst. Aus der Art und Weise, wie Ihr redet, höre ich,
daß Ihr keine Ahnung von den Gefahren habt, die in dieser Gegend auf Euch warten,
Master - Master - wie ist doch Euer Name?«

Droll griff gemächlich in die Tasche, brachte eine Karte hervor und überreichte
sie ihm. Der Ranchero machte ein Gesicht, als ob er sich die größte Mühe geben
müsse, das Lachen zu verbeißen, und las laut.

»Sebastian Melchior Pampel.«

Der Hobble-Frank hatte auch in die Tasche gelangt und ihm eine Karte gegeben.
Forner las:

»Heliogabalus Morpheus Edeward Franke.«

Er hielt einen Augenblick inne und brach dann lachend los:

»Aber, Gents’Abkürzung von Gentlemen, was sind das für sonderbare Namen, und
was seid ihr doch für sonderbare Menschen! Meint ihr etwa, daß die aufrührerischen
Indianer vor diesen euern Namen ausreißen werden? Ich sage euch, daß -«

Er mußte innehalten, denn Rollins, der Bankier, fiel ihm in die Rede:

»Bitte, Master Forner, redet nichts, was diese Gentlemen beleidigen könnte.
Ich habe zwar nicht die Ehre, sie persönlich zu kennen, aber ich weiß, daß sie
Leute sind, vor denen Ihr Respekt haben müßt.«

Und sich dann direkt an den Hobble-Frank wendend, fuhr er fort:

»Sir, Euer Name ist ein so ungewöhnlicher, daß ich ihn mir gemerkt habe. Ich
bin der Bankier Rollins aus Brownsville in Arkansas. Wurden nicht vor einigen
Jahren Gelder für Euch bei mir deponiert?«

»Ja, Sir, das ist richtig,« nickte Frank. »Ich vertraute es einem guten Freunde
an, welcher es für mich bei Euch niederlegen mußte, weil Ihr mir von Old Shatterhand
als sicher geschildert worden waret. Später konnte ich es nicht selbst erheben,
sondern ließ es mir nach New York schicken.«

»Das stimmt, das stimmt!« fiel Rollins eifrig ein. »Old Shatterhand, ja, ja!
Ihr hattet damals droben in der Nähe von Fillmore City, am Silbersee glaube
ich, eine große Masse Gold gefunden. Ist’s nicht so, Sir?«

»Ja,« lachte Frank vergnügt. »Es waren so einige Fingerhüte voll.«

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