Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

Wind und Wetter gegerbt worden war. Er trug einen für diese Gegend geradezu
eleganten Anzug, welcher aber gar nicht zu ihm zu passen schien.

Der zweite Reiter war ein ältlicher Herr von behäbigem Aussehen. Der schnelle
Morgenritt schien ihn angestrengt zu haben; er schwitzte. An seinem Sattel hing
ein schönes Jagdgewehr. Ob er noch andre Waffen - wohl in den Taschen - bei
sich hatte, sah man nicht, da er keinen Gürtel trug. Desto deutlicher aber sah
man seinem ganzen Habitus an, daß ihm der wilde Westen fremd oder doch wenigstens
nicht anheimelnd war. Er schien sich ungefähr in derselben Lage wie eine Landratte
auf hoher See zu befinden.

Der dritte Ankömmling war ein junger, blonder und kräftiger Mann, welcher zwar
nicht wie ein erfahrener Westmann auf dem Pferde saß, aber doch wenigstens ein
guter Promenadenreiter war. Er hatte ein offenes, sympathisches Gesicht, welches
leicht gebräunt war. Seine Waffen bestanden aus einem Gewehre, einem Bowiemesser
und zwei Revolvern.

»Mehr als einen Schluck!« antwortete Forner. »Welcome, Mesch’schurs! Steigt
ab und laßt es euch bei mir gefallen!«

Der behäbig aussehende Herr hielt sein Pferd an, musterte den Ranchero einige
Sekunden lang und sagte dann:

»Mir ist’s, also ob wir uns schon gesehen hätten, Sir. Forners Rancho! Also
heißt Ihr Forner. Seid Ihr vielleicht bei mir in Brownsville gewesen? Ich heiße
Rollins, und dieser junge Sir hier an meiner Seite ist Mr. Baumgarten, mein
Buchhalter.«

Forner verbeugte sich gegen die beiden und antwortete:

»Natürlich haben wir uns gesehen, Sir. Ich hatte meine Ersparnisse bei Euch
stehen und holte sie mir, ehe ich nach Arizona ging. Nur war es keine so hohe
Summe, daß Euch meine Person hätte auffallen und im Gedächtnis bleiben müssen.
Also kommt herein! Mein Brandy ist so gut, wie sonst irgend einer, und einen
Imbiß könnt Ihr auch haben, wenn Ihr keine großen Ansprüche macht. Wie lange
gedenkt Ihr hier zu bleiben, Master Grinley?«

»Bis die heißeste Mittagszeit vorüber ist,« antwortete der, welcher Ölprinz
genannt worden war, denn an diesen hatte Forner seine Frage gerichtet.

Die Pferde wurden abgesattelt und durften auf die Weide gehen. Die Reiter nahmen
auf und an den erwähnten Steinen Platz. Grinley goß sich sofort ein Glas voll
Brandy und leerte es in einem Zuge; schon nach kurzer Zeit hatte er der Flasche
auf den Boden gesehen. Der Bankier mischte den Branntwein mit Wasser, während
Baumgarten nur Wasser trank. Forner, Vater und Sohn, hatten sich in das Haus
zurückgezogen, um von ihren einfachen Vorräten den Gästen ein Essen zu bereiten.

Von ihnen allen konnte keiner sehen, daß jetzt abermals zwei Reiter über den
Fluß kamen und sich dem Rancho näherten. Sie hatten jedenfalls einen weiten
Ritt hinter sich, und ihre Pferde waren sehr ermüdet. Diese beiden Männer waren
Buttler, der Anführer der zwölf Finders, und Polier, der entlassene Führer der
deutschen Auswanderer. Indem sie sich dem offenen Thore näherte, fragte Polier:

»Bist du wirklich überzeugt, daß der Ranchero dich nicht kennt? Du hast ihn
mir als einen ehrlichen Kerl beschrieben, und ich nehme also an, daß der Name
Buttler bei ihm Anstoß erregen würde.«

Man sieht, die beiden waren so vertraut miteinander geworden, daß sie sich
jetzt du nannten. Buttler antwortete:

»Er hat mich nie gesehen. Nur mein Bruder ist oft bei ihm gewesen.«

»Der aber natürlich auch Buttler heißt!«

»Allerdings, aber er hat sich hier stets Grinley genannt.«

»Das war klug. Aber Brüder pflegen sich ähnlich zu sehen. Wahrscheinlich ist
dies bei euch auch der Fall?«

»Nein. Wir sind Stiefbrüder und stammen von verschiedenen Müttern.«

»Weißt du, wo er sich jetzt befindet?«

»Nein. Als wir uns trennten, ging ich südwärts, um die Gesellschaft der Finders
zu gründen; er aber war unentschlossen, wohin er sich wenden würde. Wer weiß,
wo wir uns einmal wiedertreffen, wenn wir überhaupt in diesem Leben–alle Wetter,
dort sitzt er ja!«

Die beiden waren in diesem Augenblicke unter dem Thore angekommen und sahen
die drei Fremden im Hofe sitzen.

Buttler erkannte sofort Grinley, seinen Bruder, und hielt erstaunt sein Pferd
an. Grinleys Blick fiel zu gleicher Zeit nach dem Thore. Er erkannte Buttler
und hatte trotz seiner Überraschung die Geistesgegenwart, die Hand schnell auf
den Mund zu legen, was eine Aufforderung zum Schweigen ist.

»Ja, er ist es,« fuhr Buttler fort, indem er sein Pferd wieder in Bewegung
setzte und in den Hof ritt. »Sahst du das Zeichen, welches er mir gab? Wir dürfen
ihn nicht kennen.«

Sie stiegen von ihren Pferden, ließen dieselben laufen und näherten sich den
Steinen, gerade als die beiden Forners aus dem Hause kamen, um ihren Gästen
Fleisch und Brot zu bringen. Sie grüßten und fragten, ob es erlaubt sei, sich

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