Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

oder Syrup durch eine Klarinette bläst. Es will eben alles, selbst das Kleinste
und Einfachste, gelernt sein.«

»Hm, es ist möglich! Aber was meint Ihr, was wir nun thun werden, da wir ganz
anders zu handeln haben, als vorhin bestimmt worden ist?«

»Ich trete an Buttlers Stelle.«

»Das habt Ihr bereits gesagt. Aber wir?«

»Ihr macht euch hinter die Finders, je zwei von uns hinter einen von ihnen.
Unsre Leute reichen dazu aus. Das muß aber äußerst vorsichtig geschehen, damit
sie ja nichts davon merken. Wenn ich zirpe, avancieren sie, und ihr hinter ihnen
her. Wenn ich dann das dritte Zeichen gebe, werden sie unter den Wagen hindurchkriechen
wollen, aber dann von euch gepackt. Zwei gegen einen, das ist eigentlich gar
nicht ehrenvoll; dennoch rate ich, sich nicht der Hände, sondern lieber der
Gewehrkolben zu bedienen. Sie rasch niederschlagen, das ist das Einfachste und
Sicherste; dabei wird keinem von uns ein Haar gekrümmt.«

»Es gibt etwas noch viel Einfacheres.«

»Was?«

»Nicht jeder Kolbenhieb ist tödlich. Darum denke ich, daß wir uns lieber unsrer
Messer bedienen. Ein Stich, gut getroffen, ist allem andern vorzuziehen.«

»Fällt mir nicht ein, ist zu gefährlich! Wer hat Euch denn gesagt, daß den
Kerls das Leben genommen werden soll? Eben deshalb und um sie nur zu betäuben,
will ich nichts vom Schießen und vom Stechen wissen. Ich habe mich hundertmal
meiner Haut zu wehren gehabt, wobei es mir sehr ernstlich an das Leben gegangen
ist, wenn ich mich nicht irre, aber dabei doch nie vergessen, daß Menschenblut
der kostbarste Saft ist, den es auf Erden gibt. Ich töte einen Menschen nur
dann, wenn es keinen andern Ausweg gibt, also wenn es unbedingt notwendig ist.«

»Aber diese Halunken haben ihr Leben schon längst verwirkt!«

»Mag sein.«

»Sie müssen zertreten werden wie giftige Reptilien, gegen welche man sich nicht
anders wehren kann!«

»Das ist Eure Ansicht, vielleicht die ganz richtige; ich aber bin weder ihr
Richter noch ihr Henker.«

»Aber, Sir, wie könnt Ihr als Westmann so zartfühlend sein! Ihr habt doch gesagt,
daß Ihr die Finders uns übergeben wollt?«

»Allerdings.«

»Wir werden sie also nach der Hauptstadt transportieren?«

»Natürlich.«

»Und was meint Ihr wohl, was dort mit ihnen geschehen wird?«

»Man wird ihnen Stricke um die Hälse binden und sie an denselben in die Höhe
ziehen.«

»Das ist richtig; man wird sie hängen. Sie werden also sterben. Da ist es doch
höchst gleichgültig, ob wir sie hier erstechen oder ob sie dort hingerichtet
werden!«

»Mag sein. Aber Ihr rechnet das eine nicht, daß dort das Gesetz waltet, während
sie hier noch nicht verurteilt sind. Nein, nein, wir fangen sie lebendig. Was
dann in der Hauptstadt mit ihnen geschieht, das ist Eure Sache.«

»Hm, so will ich mich Euch fügen; also ganz wie Ihr wollt. Doch behaupte ich,
daß diese Schurken eine solche Rücksicht nicht verdienen.«

Es wurde nun zur That geschritten. Die Soldaten teilten sich zu zweien; Stone,
Parker und der Lieutenant übernahmen ihre Führung. Sie entfernten sich, um paarweise
die Finders einzuschließen. Adolf Wolf blieb bei Buttler zurück, um ihn zu bewachen;
Schi-So mußte Sam Hawkens nach der Stelle führen, an welcher er Buttler überwältigt
hatte. Diese beiden letzteren bildeten also ein Glied im Ringe der Finders,
während die Soldaten um denselben einen Kreis geschlossen hatten.

Als Sam sich sagte, daß diese Umschließung vollendet sei, klemmte er einen
Grashalm zwischen die Daumen und ließ auf demselben das verabredete Zirpen hören.
Hierauf avancierte er mit dem Häuptlingssohne nach der Mitte des Kreises und
gab, an dem Wagen angekommen, das zweite Zeichen, worauf er eine Weile wartete.
Da kam es zu beiden Seiten leise, leise herangekrochen. Lang ausgestreckt im
Graseliegend, sahen die beiden die Finders sich wie Schlangen näher windend.
Der Kreis hatte sich so verengt, daß man von einem Gliede desselben aus das
andre leidlich erkennen konnte.

»Buttler, ich bin da,« flüsterte es von rechts herüber.

»Es geht alles gut,« raunte der andre links. »Verlier doch nicht die Zeit,
sondern gib das Zeichen, denn wir sind alle da.«

Sam wendete sich rückwärts. Seine scharfen Augen sahen Dick Stone mit einem
Soldaten hinter dem ersten Sprecher liegen; hinter dem zweiten warteten auch
bereits zwei Militärs. Da zirpte er zum drittenmal und warf sich dann nach links
auf den Finder, um diese beiden letzteren zu unterstützen, während der Häuptlingssohn
nach rechts hin sprang; aber Schi-So brauchte gar nicht zu helfen, denn Dick
Stone hatte den betreffenden Finder schon fest beim Kragen.

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