Karl May - Der Ölprinz
admin am Apr 1st 2008
»Die sollen Se haben, oogenblicklich haben. Wegen den paar Pfennigen lassen
wir uns nich beim Land- und Kreisgericht verklagen. Julius, haste Geld bei der
Hand?«
Julius hieß ihr Mann, welcher neben ihr stand. Er bejahte ihre Frage.
»So bezahl den Mann; mir kommt er nich wieder ins Haus. Dem will ich’s zeigen,
ob wir Damen schweigen müssen oder nich! Ich bin nur deshalb mit nach Amerika,
weil da die Damen feiner als drüben behandelt werden, und gleich dieser erste
Yängki, der mir in den Weg gekommen is, will mir die Schprachwerkzeuge verbieten!
Das muß eenen ja aus allen seinen sieben Himmeln reißen! Also zahl ihn aus,
und dann hau du ju du!<I>Howdo you do</I>«
Der Scout erhielt wirklich seinen Lohn so ausgezahlt, als ob er mit bis nach
Fort Yuma geritten wäre. Er schob es mit pfiffigem Lächeln in die Tasche. Jedenfalls
hatte er den Streit nur deshalb vom Zaune gebrochen, um das Geld zu bekommen
und sich noch während der Abwesenheit Sams entfernen zu können. Er sattelte
sein Pferd, nahm sein Gewehr und stieg auf. Da trat Dick Stone zu ihm und fragte:
»Wollt Ihr mir wohl sagen, Sir, was es zu bedeuten hat, daß Ihr da Euern Gaul
so plötzlich zwischen die Beine nehmt? Wie es scheint, wollt Ihr fort?«
»Yes. Habt Ihr etwas dagegen?« antwortete der Führer impertinent.
»Sehr viel sogar.«
»Darnach werde ich nicht fragen.«
»Oho! Dick Stone ist ganz genau der Mann, nach dessen Wort man fragt. Wir sollen
überfallen werden; es heißt entweder hie Freund oder hie Feind; wer uns in diesem
Augenblick verläßt, ist unser Feind.«
»Ich bin entlassen worden.«
»Als Führer, ja, aber nicht fortgejagt. Niemand hindert Euch, bis morgen zu
bleiben. Wenn Ihr trotzdem fort wollt, so kennen wir den Grund!«
»Kennt Ihr ihn? Ah, wirklich?« höhnte der Scout. »Wollt Ihr vielleicht die
Güte haben, ihn mir zu sagen?«
»Ja. Ihr wollt zu den Finders, um sie zu warnen.«
»Ich glaube, Ihr seid verrückt geworden, Master!«
»Schwerlich. Dieser Gedanke liegt so nahe, daß ihn jedes Kind haben muß.«
»Da will ich Euch doch sagen, wohin ich will. Ich bin von diesen Deutschen
entlassen worden und kann also nicht hier bei ihnen bleiben; meine Ehre verbietet
mir das. Darum will ich hinaus zu den Soldaten, um bei ihnen bis zum Tagesanbruch
zu bleiben. So, das ist meine Absicht, und nun laßt mich fort!«
Dick Stone ließ sich, durch diese Lüge für einen Augenblick getäuscht, die
Zügel, welche er ergriffen hatte, aus der Hand zerren; der Scout gab seinem
Pferde einen Hieb und ritt davon, der Richtung zu, in welcher sich der Lieutenant
nach Sams und Parkers Entfernung mit seinen zwanzig Mann zurückgezogen hatte.
Aber schon eine Sekunde später war Dick Stone wieder klar. Er sprang nach der
Stelle, an welcher sein Gewehr lag, und rief:
»Der Schuft hat mich belogen; er will uns doch verraten; ich schicke ihm eine
Kugel nach!«
Da schnellte Schi-So zu ihm hin und sagte:
»Schießt nicht, Sir! Es ist dunkel; die Kugel würde fehlgehen. Ich bringe Euch
den Mann zurück.«
Nach diesen Worten schoß der Jüngling fort, in die dunkle Nacht hinaus.
»Ihn zurückbringen? Dieser Knabe?« fragte Dick. »Sollte ihm schwer fallen.
Ich muß ihm selbst nachreiten.«
Er wollte zu seinem Pferde; da ergriff ihn Adolf Wolf am Arme und bat:
»Bleibt hier! Er holt ihn wirklich.«
»Ist unmöglich!«
»Er holt ihn! Ihr könnt es glauben. Schi-So bringt, obgleich er noch so jung
ist, noch ganz andre Dinge fertig.«
Der bestimmte Ton und die überzeugungsvolle Miene Wolfs blieben nicht ohne
Wirkung.
»Hm,« brummte Dick, »würde wohl zu nichts führen, wenn ich ihm nachritte. Kann
doch nicht sehen, wohin er ist. Will er wirklich zu den Finders, so wird er
wahrscheinlich auf Sam und Will stoßen, die ihn nicht weiterlassen werden. Bleib
also hier. Aber eine verteufelte Geschichte ist es doch, wenn er entkommt. Was
wird Sam dazu sagen!«
Dieser sagte gar nichts, sondern er stand gerade in diesem Augenblicke noch
neben Parker und horchte mit diesem nach der Richtung, in welcher das Pferd
an ihnen vorüber verschwunden war. Man hörte es noch deutlich schnauben, aber
keine Huftritte mehr. Doch nach einiger Zeit waren sie wieder zu vernehmen;
sie kamen wieder zurück, näher und näher und viel langsamer als vorher.
»Sonderbar!« brummte Sam. »Die beiden Reiter kommen retour, und zwar im Schritt.
Wir legen uns nieder, weil wir dann besser sehen können, wer es ist.«
Sie duckten sich auf den Boden. Jetzt kam das Pferd; es saß nur ein Reiter
darauf, aber es zog einen dunklen Gegenstand hinter sich her. Jetzt erkannten
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