Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

Wort-.

»Wann denkst du, daß wir uns auf sie werfen, Buttler? Heut abend noch oder
morgen früh?«

»Morgen erst? So lange mag ich nicht warten. Ich brenne vor Begierde, ihnen,
und vor allen Dingen dem kleinen, dicken Kerl, die Rechnung heimzuzahlen. Nein,
heut abend noch.«

»Wenn sie schlafen und das Feuer ausgegangen ist?«

»Nein. Wir werden sie mit einer einzigen Salve niederschießen; dazu gehört
Licht.«

»Aber das Feuer ist groß und leuchtet so weithin, daß sie uns sehen müssen,
wenn wir kommen.«

»Dadurch, daß sie einen solchen Höllenbrand angefacht haben, beweisen sie,
daß sie nicht den geringsten Verdacht hegen. Es ist freilich unangenehm, daß
die Riesenflamme gar so weit leuchtet; wir müssen also warten, bis sie niedrig
brennt. Dann aber wird keinen Augenblick länger gezögert. Ich sage euch, auf
den Kleinen, Dicken darf mir niemand schießen, denn der soll von meiner Kugel
sterben.«

Er erging sich weiter in zornigen Ausdrücken und in überkräftigen Redensarten
über das gestrige Erlebnis, die dabei gegen ihn aufgetretenen Personen und die
Übertölpelung, welcher er mit seinen Gefährten verfallen war. Sam erwartete,
noch weiteres Wichtiges zu hören; darum blieb er wohl noch eine gute Viertelstunde
liegen, sah sich aber getäuscht und verließ darum nun seinen Ort ebenso leise
und vorsichtig, wie er gekommen war. Als er unten bei Will Parker anlangte,
gab dieser ihm sein Gewehr zurück und sagte:

»Hier hast du die Liddy. Gab es etwas zu hören?«

»Wenig.«

»Aber wichtig?«

»Nur daß der Überfall dann geschehen soll, wenn unser Feuer nicht mehr so hell
brennt wie vorher. Wir müssen uns darauf einrichten. Hast du den Kundschafter
gesehen?«

»Ja. Er ging ziemlich nahe an mir vorüber, hat mich aber nicht bemerkt.«

»So komm! Wir müssen zu den Unsrigen.«

Sie entfernten sich, erst mit gedämpften Schritten, dann aber mit weniger Vorsicht,
denn sie schritten nicht direkt auf das Lager zu, sondern machten einen Umweg,
um nicht auf den zurückkehrenden Späher zu treffen. Sie hatten noch nicht ganz
die Hälfte des Weges zurückgelegt, so hörten sie einen lauten englischen Ausruf,
dem ein zweiter deutscher folgte.

»Tempest!« rief die erste Stimme.

»Herr Jemineh!« schrie die zweite. »Wer fällt denn da über mich weg?«

»Das ist der Kantor,« raunte Sam seinem Kameraden zu. »Der Mann macht mir da
wohl eine Dummheit. Komm schnell näher, aber leise, damit man uns nicht eher
bemerkt, als bis wir uns bemerken lassen wollen!«

Sie huschten der Gegend zu, aus welcher die Stimmen jetzt weiter erklangen.
Als sie nahe genug gekommen waren, blieben sie halten und lauschten.

»Wer Ihr seid, habe ich gefragt!« sagte der englisch Sprechende.

»Ich ersticke!« wurde ihm deutsch geantwortet.

Ja, es war die Stimme des Emeritus. Sie klang so, als ob ihn jemand an der
Kehle habe.

»Den Namen will ich wissen!« erklang es wieder englisch.

»Dort vom Lager.«

»Ich verstehe Euch nicht. Redet doch englisch!«

»Ich komponiere!«

»Gehört Ihr zu den Leuten, welche dort am Feuer sitzen?«

»Eine Heldenoper, welche drei ganze Abende füllen soll!«

»Mensch, wenn Ihr nicht verständlich redet, kommt Ihr nicht los! Also Antwort!
Wer seid Ihr?«

»Zwölf Akte, auf jeden Abend vier.«

»Den Namen, den Namen!«

»Ich suche den Hobble-Frank!«

»Ah endlich! Frank heißt Ihr? Was treibt Ihr denn hier, so allein und nächtlicher
Weile?«

»Aus Klotzsche bei Dresden bin ich. Laßt mich doch los -o, o, endlich! Gott
sei Dank!«

Die Stimme klang freier; der Kantor hatte sich losgerissen und eilte fort.
Man hörte seine Schritte.

»Nun ist er doch fort!« stieß der andre zornig hervor. »Soll ich - nein; ich
muß weiter.«

Er verfolgte den Fliehenden nicht, sondern nahm seinen Weg mit schnellen Schritten
zu den Finders.

»Es ist der Kundschafter,« flüsterte Sam. »Das ist eine fatale Geschichte.

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