Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

hören.«

»So laßt den Mann kommen, Sir! Denke aber, daß er dem Stocke, den ich schwimmen
lassen willTrapperausdruck, keine andre Richtung geben wird.«

Der Kapitän holte den Lieutenant selbst herbei, und es erfolgte eine Unterredung,
an deren Schlusse sich diese Ansicht Sams bewahrheitete: es blieb bei dem, was
er beschlossen hatte. Die beiden Offiziere waren neugierig, auch Dick Stone
und Will Parker zu sehen, doch Hawkens redete ihnen das aus, da ihr Besuch bei
den Wagen oder der Besuch der beiden Genannten bei ihnen gewiß Aufsehen erregt
hätte. Ein etwaiger Späher der Finders mußte dann davon erfahren, und Buttler
konnte dann gar wohl erraten, daß die Garnison zu Hilfe gerufen worden sei.
Als noch einige nebensächliche Dinge besprochen und bestimmt worden waren, entfernte
sich Sam, sehr zufrieden über das Ergebnis der Verhandlung mit seinem Herrn
»Kameraden«.

Als er bei den Wagen ankam, stand die ganze nichtsthuende Bevölkerung von Tucson
um dieselben, gerade so, wie hier in Deutschland die Müßiggänger nach einem
Zigeunerlager laufen, um sich das Treiben desselben anzusehen. Die Gesellschaft
saß, ohne diese große Zuschauerschaft zu beachten, beim Frühstücke, und Sam
setzte sich mit nieder, um an dem frugalen Essen teilzunehmen und zu berichten,
welches Ergebnis seine Unterredung mit dem Kapitän gehabt habe.

Später kamen einige der Neugierigen näher, um sich mit den Reisenden zu unterhalten,
was seitens der Auswanderer nur bei dem Kantor Erfolg hatte, wenn auch nur einen
sehr geringen, da dieser sich eine größere Anzahl englischer Brocken angeeignet
hatte, als die andern. Unter diesen Leuten befand sich ein junger Mann, welcher
sich, von den übrigen unbefriedigt, an den Führer machte und diesen, mit ihm
allein stehend, in ein Gespräch verwickelte. Sam beobachtete ihn; er bemerkte,
daß derselbe eine militärische Haltung besaß und während des Gespräches besonders
forschend auf die drei »Kleeblätter« blickte. Darum stand der Kleine auf und
näherte sich ihnen. Als er hinkam, hörte er noch deutlich, daß der Führer auf
eine an ihn gerichtete Frage antwortete:

»Ja, es ist das ›Kleeblatt‹; ich kann es versichern, obgleich ich es erst auch
nicht glauben wollte.«

Da nahm Sam den Fremden beim Arme und sagte in einem sehr bestimmten Tone:

»Master, Ihr seid Soldat, nicht? Ihr gehört zur hiesigen Garnison?«

Man sah dem Manne an, daß ihn diese Frage in Verlegenheit brachte. Er stotterte
etwas, was als Antwort dienen sollte, aber nicht verstanden werden konnte; darum
fuhr der Kleine fort:

»Geniert Euch nicht; ich zürne Euch nicht. ich habe dem Kapitän gesagt, daß
ich Sam Hawkens bin; er kennt mich nicht persönlich und muß doch infolge einer
Zusicherung, welche er mir gegeben hat, wissen, daß ich die Wahrheit gesagt
habe. Darum habt Ihr die Uniform ausziehen und in dieser Kleidung zu uns gehen
müssen, um genaue Erkundigung einzuziehen. Gesteht, daß es so ist!«

»Ja, Sir, Ihr täuscht Euch nicht,« lautete jetzt die Antwort. »Da ich nun weiß,
daß Ihr zu dem ›Kleeblatte‹ gehört, darf ich es gestehen.«

»So meldet dem Kapitän, was Ihr gehört habt; sprecht aber ja mit keinem andern
davon!«

»Kein Wort sage ich, Sir. Ich weiß, um was es sich handelt; ich bin Unteroffizier
und gehöre zu den Zwanzig, welche mit dem Lieutenant reiten werden.«

»Wann brecht ihr auf?«

»Schon in einer halben Stunde.«

»So sagt dem Lieutenant, er soll euch einzeln und nach verschiedenen Richtungen
aus der Stadt reiten lassen! Dadurch wird vermieden, daß irgend jemand auf den
richtigen Gedanken kommt.«

Der Unteroffizier entfernte sich, und nun wendete sich Sam an den Führer:

»Sagt mir doch einmal, wie Ihr dazu kommt, diesem Manne Auskunft über uns zu
erteilen!«

»Er fragte mich!« antwortete der Führer kurz.

»So! Also wenn Euch jemand fragt, so antwortet Ihr, es mag sein, wer es will.«

»Ihr wollt mir doch nicht etwa den Mund verbieten?«

»Ja, das will ich allerdings! Ihr wißt, daß niemand erfahren soll, daß wir
das Kleeblatt sind, und doch habt Ihr es diesem Frager sofort auf die Nase gehängt.
Ihr wollt ein Scout, ein Westmann sein und habt noch nicht einmal das Abc der
Vorsicht inne. Ich möchte mich Eurer Führung nicht anvertrauen.«

»Das habt Ihr auch nicht nötig. Ehe Ihr zu uns kamt, ging alles nach meiner
Weisung und nach meinem Willen; nun aber thut Ihr, als ob Ihr unser Gebieter
wäret. Ich bin von diesen Leuten engagiert worden und führe sie -«

»Ins Verderben!« fiel Sam ihm in die Rede. »Ihr habt sie zu beschützen. Thut
Ihr das? Ohne unser Kommen würden sie heut abend beraubt und ermordet werden!«

»Pshaw! Ich habe meine Augen auch offen. Laßt Euch sagen, Master Hawkens, daß
ich die mir Anvertrauten bis Fort Yuma zu führen habe. Bis dorthin bin ich Herr
des Zuges. Wollt Ihr mit, so habt Ihr Euch mir zu fügen. Später dann könnt Ihr

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244

Gerne gelesen werden auch:

Allgemein Erzählungen, Sagen Märchen Romane

Geschrieben in Romane | Kein Kommentar bis jetzt

Trackback URI | Comments RSS

Schreiben Sie einen Kommentar