Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

ich höchstens nur zwanzig Mann detachieren.«

»Das genügt vollständig, Sir.«

»Wenn Ihr dies meint, so soll’s geschehen, doch muß ich unbedingt vorher wissen,
wie Ihr Euch die Sache denkt. Hat Eure Ansicht meinen Beifall, so sollt Ihr
zwanzig Mann bekommen. Seid Ihr denn wirklich so sicher, daß die Finders Euch
folgen werden?«

»Daß sie kommen werden, das ist so sicher, wie mein alter Filzhut hier, hihihihi!
Sie werden freilich nicht wagen, sich in Tucson sehen zu lassen, sondern die
Stadt umreiten; dennoch aber ist es möglich, daß sie einen einzelnen von ihnen
als Kundschafter in die Stadt senden. Darum darf jetzt niemand als nur wir beide,
höchstens noch der Lieutenant, erfahren, was wir vorhaben. Also sie werden einen
Bogen um die Stadt schlagen, bis sie wieder auf unsre Wagenspur treffen, und
derselben folgen, bis sie bemerken, daß und wo wir für die nächste Nacht Lager
machen. Sie bleiben natürlich zurück und ruhen aus, bis es dunkel geworden ist;
dann kann und wird der Überfall stattfinden, wenn ich mich nicht irre.«

»Nun, und Ihr? Ihr wolltet doch nicht bei den Wagen bleiben, wie Ihr vorhin
sagtet.«

»Ja, wir werden uns freilich hüten, uns erschießen zu lassen. Wir gehen fort.«

»Wohin?«

»Das kommt darauf an, wo wir lagern werden. Kennt Ihr die Stelle, an welcher
die Guadeloupestraße mit dem Wege von Babasaqui zusammenstößt? Und wird diese
Stelle auch dem Lieutenant, den Ihr uns mitgeben wollt, bekannt sein?«

»Wir sind beide mehrere Male dort gewesen, er sowohl wie ich.«

»Well, ist mir lieb. Dort werden wir lagern, denn dort gibt es Wasser, was
für unsre Zugtiere die Hauptsache ist. Ihr schickt den Lieutenant mit seinen
Leuten voraus dorthin; aber er muß sich seitwärts unsres Weges halten, damit
die Finders nicht etwa seine Spur treffen und mißtrauisch werden. Wir folgen
später und treffen mit ihm dort zusammen. Sobald es zu dunkeln beginnt, zünden
wir ein großes, helles Feuer an, damit die Finders uns leicht bemerken können.
Dann lassen wir die Wagen stehen und machen uns zur Seite, um die Kerls, sobald
sie sich heimlich nähern, gleich mit den Fäusten zu packen, niederzureißen und
gefangen zunehmen.«

Der Kapitän ging eine Weile schweigend, aber mit raschen Schritten im Zimmer
hin und her; dann blieb er vor Sam stehen und sagte:

»Wie Ihr das sagt, klingt es so glatt, so leicht, als ob es nur so und gar
nicht anders kommen könne. Die Finders werden den Überfall aber jedenfalls nicht
unternehmen, ohne vorher einen Kundschafter nach eurem Lager gesandt zu haben.«

»Das sollen sie auch, und das werden sie allerdings.«

»Aber dann sieht der Späher doch, daß ihr euch nicht im Lager befindet!«

»Nein, das sieht er nicht, denn wir werden es nicht eher verlassen, als bis
er dagewesen ist.«

»Dann müßtet ihr aber doch über sein Kommen und Gehen unterrichtet sein!«

»Das werden wir auch, Sir.«

»Wieso? Auf welche Weise?«

»Hm, Ihr scheint Sam Hawkens für dümmer zu halten, als er ist, hihihihi! Den
Finders traut Ihr zu, daß sie einen Kundschafter voraussenden. Können denn dasselbe
auch nicht wir thun? Ich sage Euch, Sir, daß ich diese Kerls viel eher belauschen
werde, als sie uns.«

Der Offizier schüttelte zweifelnd den Kopf und entgegnete:

»Das dürfte wohl unmöglich sein. Ihr müßtet sie schon am Tage beschleichen.
Ich habe viel, sehr viel von Euch und Euern beiden Kameraden erzählen hören;
ich weiß also, wie listig und wie verwegen Ihr seid, aber diese Leute am hellen,
lichten Tage belauschen, hier, wo es keine Wälder gibt, wo man sich verstecken
kann, das dürfte Euch wohl kaum gelingen. Dazu müßt Ihr folgendes bedenken:
Ihr brennt ein großes Feuer an: sie hingegen werden sich hüten, dies zu thun;
sie können also euern Lagerplatz schon von weitem sehen, während Ihr nicht wißt,
wo sie zu finden sind.«

»Meint Ihr? Meint Ihr wirklich? Sam Hawkens soll nicht wissen, wohin sich diese
Gentlemen stecken werden, hihihihi! Das ist gerade so, als wenn mein Kopf nicht
wissen sollte, daß er unter seinem Hute steckt! Ich sage Euch, die Finders werden
weder nach rechts noch nach links von unsrer Fährte weichen und auch auf derselben
halten bleiben, wenn sie unser Feuer sehen. Sam Hawkens aber weiß ganz genau,
auf welche Entfernung hin ein Feuer, wie er es anbrennen wird, zu bemerken ist.
Habt keine Sorge um mich, und sagt mir rund heraus, ob Ihr Euch mit dieser Sache
befassen wollt oder nicht! Wir werden auch allein ganz gut mit ihnen fertig;
nur müßten wir ihnen in diesem Falle unsre Kugeln schmecken lassen. Da ich aber
lieber kein Blut vergießen will, habe ich mich an Euch gewendet. Wenn Ihr mir
zwanzig Mann, also vierzig Hände, zur Verfügung stellt, können wir mit den Fäusten
fertig bringen, was sonst nur mit Hilfe von Pulver und Blei zu erreichen wäre.«

»Gut, ich bin einverstanden, möchte aber vorher auch die Meinung des Lieutenants

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