Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

»Was soll er wollen,« antwortete Stone. »Wundert sich natürlich darüber, daß
wir sie haben und nicht sie uns. Fragt, ob dies der Dank dafür sei, daß wir
mit ihnen essen und trinken durften.«

»Ja,« rief Buttler in grimmigem Tone, indem er an seinen Banden zerrte und
sich bemühte, wenigstens den Oberkörper aufzurichten, »was ficht euch an, uns
im Schlafe in dieser Weise zu behandeln? Wir haben euch gastlich aufgenommen,
euch nicht beleidigt, nicht das mindeste gethan und dafür seid - - -«

»Nicht das mindeste gethan?« unterbrach ihn Sam. »Glaube wohl, daß euch das
ungeheuer ärgert - übrigens wozu die vielen Worte: wir wissen und kennen eure
Absichten, denen wir zum Opfer fallen sollten, und zum Danke dafür gedenken
wir euch dem Richter auszuliefern.«

Da lachte Buttler höhnisch auf und fragte:

»Und der wird euch ohne Beweise glauben?«

»Ihr habt euch in eurem Rausche verschnappt.«

»Und selbst wenn es so wäre, wird kein Richter auf das Wort eines Schwertrunkenen
hören. Eure Beweise stehen auf schwachen Füßen, Sir. Mag der Richter erscheinen;
wir werden ihm ruhig entgegensehen. Was haben wir euch gethan? Euch nicht ein
einziges Haar gekrümmt!«

»Weil wir so klug waren, euch zuvorzukommen. Sehen aber freilich ein, daß eine
Anzeige nichts taugt. Könnten zwar beschwören, was wir von euch gehört haben,
würden aber so viel Zeit mit euch und dem Richter verlieren, daß wir lieber
davon absehen.«

»Das ist der beste Gedanke, den ihr zum Vorteile für euch haben könnt. Nun
hoffe ich aber auch, daß ihr die Fesseln von uns nehmt!«

»Nicht so stürmisch, Sir! Haben vorher noch ein Wort mit euch zu reden.«

»So macht schnell! Was wollt ihr noch?«

»Bezahlung für den Ochsen, den ihr erstochen habt.«

»Was geht euch der Ochse an!«

»Sehr viel. Haben uns nämlich diesen deutschen Emigranten angeschlossen. Wollen
nämlich auch hinauf in die Berge, um Bären und Biber in Fallen zu fangen, grad
so wie wir. Sind also ihre Gefährten geworden, und haben also die Pflicht, dafür
zu sorgen, daß sie ihren Verlust ersetzt erhalten.«

»Das geht euch dennoch nichts an!« zürnte Buttler. »Wir geben nichts!«

»Schadet nichts; denn was ihr nicht gebt, das nehmen wir uns.«

»So, wollt ihr uns bestehlen?«

»Nein, sondern nur dafür sorgen, daß wir euch für ehrliche Bezahler halten
dürfen. Wie hoch wird wohl der Wert des Ochsen sein, Master Buttler?«

»Das ist uns gleich. Wir haben kein Geld mehr. Ihr wißt ja, daß ihr uns infolge
der Wetten alles abgenommen habt.«

»Habt euch aber wenig darüber geärgert, weil ihr es uns wieder rauben wolltet.
Rechnen wir hundertfünfzig Dollar. Nicht?«

»Meinetwegen hunderttausend. Wir können nicht bezahlen.«

»Mit Geld freilich nicht; ist auch nicht nötig; werdet ja nicht ganz und gar
leere Taschen haben.«

»Zounds! Wollt ihr uns etwa die Taschen ausräumen!«

»Warum nicht?«

»Sir, das wäre Raub!«

»Schadet nichts. Freut uns, euch einmal in das Handwerk pfuschen zu können.«

»Wir sind keine Räuber, und wenn ihr euch an den Dingen vergreift, welche wir
bei uns haben, werden wir euch anzeigen!«

»Würde uns sehr lieb sein. Möchten gern wissen, was der Richter sagt, wenn
er euch zu sehen bekommt. Also vorwärts, Dick und Will! Wollen einmal ihre Taschen
untersuchen.«

Die beiden Genannten machten sich mit dem größten Vergnügen an das Werk; die
Finders sträubten sich dagegen, soviel sie konnten, doch ohne Erfolg; ihre Taschen
wurden alle geleert. Es fanden sich viele Gegenstände, besonders einige wertvolle
Uhren vor, von denen man getrost behaupten konnte, daß sie gestohlen oder geraubt
worden waren. Sam nahm die Uhren, zeigte sie Schmidt und fragte diesen:

»Die Burschen besitzen kein bares Geld. Würden Sie diese Uhren an Zahlungsstatt
nehmen?«

»Wenn sie keine Münze haben, ja,« antwortete der Gefragte; »nur fragt es sich,
ob ich nicht dadurch einbüße. Ich müßte die Uhren verkaufen, und kein Händler
zahlt dafür den wirklichen Wert.«

»Haben Sie keine Sorge. Sie büßen keinen Pfennig ein. Diese Uhren haben gewiß
den vierfachen Wert Ihres Ochsen; darauf können Sie sich verlassen.«

»Aber mein Gewissen, Herr!«

»Wieso?«

»Wird es mir erlauben, diese Gegenstände anzunehmen?«

»Warum nicht?«

»Wenn sie nun gestohlen sind!«

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