Karl May - Der Ölprinz
admin am Apr 1st 2008
heißt.«
Da machte Sam eine Bewegung der Freude und rief aus:
»Nitsas-Ini? Sein Sohn ist bei euch? Kommt er aus Deutschland zurück?«
»Ja; er ist mit uns herübergefahren.«
»Ausgezeichnet, ausgezeichnet! Da es so steht, sollen Sie mich nicht umsonst
um meinen Beistand gebeten haben. Kehren Sie nun ruhig in Ihr Lager zurück;
Sie werden Ihren Ochsen ersetzt bekommen.«
Hatte er vorher Ihr zu ihm gesagt, so begann er nun, ihn Sie zu nennen. Die
Nachricht, welche er soeben empfangen hatte, mußte ihn also umgestimmt haben.
»Das sagen Sie wohl nur, um mich loszuwerden?« fragte Schmidt mißtrauisch.
»Nein. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß Sie volle Entschädigung erhalten werden,
und vielleicht noch mehr als das. Wieviel hat der Ochse gekostet?«
»Hundertdreißig Dollar.«
»Die erhalten Sie. Ich sage es Ihnen, und also ist es wahr, wenn ich mich nicht
irre.«
»Schon wieder: Wenn ich mich nicht irre! So sind Sie wohl der Westmann, welchen
Schi-So meint?«
»Jedenfalls bin ich es, denn ich weiß, daß mir diese Worte sehr oft über die
Zunge schlüpfen, ohne daß ich es beabsichtige. Es ist eine Angewohnheit von
mir, welche abzulegen ich mir vergeblich Mühe gegeben habe. Ich habe Schi-So
früher sehr oft gesehen, wenn ich mich als Gast bei dem Stamme seines Vaters
befand. Sagen Sie ihm, daß ich mit dem Frühesten hinaus in das Lager kommen
werde, um ihn zu begrüßen. Wo befand er sich denn, als ich gegen Abend draußen
war?«
»Er war nach dem Flusse geritten.«
»Und Ihr Scout, den ich auch nicht sah?«
»Der war fort, um vielleicht einen wilden Truthahn zu schießen. Ich werde ihm
eine Predigt darüber halten, daß er uns hier so schmachvoll verlassen hat.«
»Das wird Ihnen keinen Nutzen bringen. Wenn Sie ihn nicht dafür bezahlen, daß
er Sie und alle Ihre Habe vor jeder Gefahr zu schützen hat, können Sie nicht
verlangen, daß er sich selbst in Gefahr begibt. Also gehen Sie jetzt! Ihr längeres
Bleiben hat keinen Zweck, sondern nur den Erfolg, diese Leute hier noch mehr
gegen Sie aufzuregen.«
»Sie werden aber Wort halten?«
»Gewiß; Sie können sich darauf verlassen.«
»So will ich gehen, und niemals wieder soll es mir vorkommen, daß ich mir etwas
stehlen lasse.«
»Wenn Sie nicht verständiger handeln, als Sie heut gehandelt haben, werden
Sie noch oft Schaden erleiden, bis Sie endlich klüger geworden sind.«
»Haben Sie keine Sorge. Ich werde von jetzt an sehr darauf achten, wenn mir
jemand einen guten Rat erteilt.«
»So will ich das benutzen und Ihnen gleich jetzt den Rat geben, niemals wieder,
wenigstens im wilden Westen nicht, einen Menschen nach dem Anzuge zu taxieren,
den er auf dem Leibe trägt. Kleider machen hier nicht Leute; das merken Sie
sich!«
Als Schmidt mit seinen drei Männern das Haus verlassen hatte, fragte Buttler
den Kleinen:
»Wir haben kein Wort verstanden. Was meinte denn der Kerl?«
»Er verlangte Schadenersatz.«
»Und was habt Ihr geantwortet?«
»Ihn fortgeschickt.«
Sam sagte damit keine Lüge, aber auch nicht, daß er Ersatz versprochen hatte.
Der Finder fühlte sich befriedigt und meinte:
»Es war sein Glück, daß er Euch gehorcht hat. Wir sind nicht gewohnt, mit Deutschmen
viel Federlesens zu machen. jetzt aber setzt Euch wieder nieder. Wir wollen
zeigen, daß diese Dummköpfe uns den Appetit nicht verdorben haben.«
Das Essen und Trinken begann von neuem; das erstere währte nicht lange mehr,
da nur der Rest noch zu verzehren war; desto mehr wurde sich dann auf das letztere
verlegt. Als das Faß halb geleert war, gab sich Sam den Anschein, als ob der
Wein eine berauschende Wirkung auf ihn zu äußern beginne, und Dick und Will
folgten seinem Beispiele. Das freute die Finders außerordentlich; sie sahen
ihre Absicht gelingen, glaubten, daß es nur noch kurzer Zeit bedürfen werde,
ihre Opfer einzuschläfern, und sprachen nun den Krügen noch mehr als vorher
zu. So verging Viertelstunde auf Viertelstunde. Sam that, als ob er nur noch
mit Mühe die Augen offen zu halten vermöge; den Finders begannen die ihrigen
auch zuzufallen, doch nicht zum Scheine, sondern aus wirklicher Betrunkenheit;
sie hatten vorher zuviel Schnaps zu sich genommen.
Der erste, welchen das Trinken vollständig übermannte, war der Irländer. Er
setzte sich am Herde nieder, schlief ein, nickte tiefer und immer tiefer und
fiel dann endlich, ohne aufzuwachen, auf den Boden nieder, so lang er war.
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