Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

können nicht englisch sprechen. Was ich sagte, habe ich in ihrem Namen gesagt
und kann nun gehen. Ich bin ihr Scout, aber nicht ihr Ochsenhirt; was nun zu
thun ist, mögen sie selber thun.«

Er drehte sich um und ging fort. Dieser Mann hatte von seinem Standpunkte aus
ganz recht; er war ein Mietling und that nur das, wofür er bezahlt wurde. Er
hatte eigentlich schon zuviel gethan, indem er sich eines abhanden gekommenen
Rindes wegen vor die drohenden Läufe dieser gefährlichen Leute wagte. Die Deutschen
hatten wahrscheinlich gemeint, er werde diese Angelegenheit zu Ende führen,
denn sie standen, als er sich entfernt hatte, zunächst wie ratlos da, bis dem
alten Schmidt ein Auskunftsmittel in den Sinn kam. Er wendete sich nämlich an
Sam Hawkens, welcher mit seinen beiden Freunden ruhig weitergegessen und scheinbar
auf sonst nichts geachtet hatte.

»Herr Falke, haben Sie gehört, was unser Führer gesagt hat?«

»So ziemlich,« antwortete der Kleine, indem er ein Stück Fleisch in den Mund
schob.

»Wir haben es nicht verstanden. Hielt er diese Leute für die Diebe?«

»Ja.«

»Und das sagte er ihnen?«

»Ja.«

»Was war die Folge?«

»Die Folge? Hm, die Folge war, daß er dann fortging.«

»Alle Teufel! Soll ich mir etwa meinen Ochsen stehlen lassen!«

»Sollen? Sie haben sich ihn stehlen lassen, wenn ich mich nicht irre.«

Bei diesen letzteren Worten, auf welche er besonders aufmerksam gemacht worden
war, horchte Schmidt auf. Dann fuhr er fort:

»Das muß aber doch bestraft werden!«

»Von wem?«

»Vom Gerichte. Und ich muß Schadenersatz bekommen!«

»Von wem?«

»Von den Spitzbuben.«

»So redet mit dem Gerichte und auch mit den Spitzbuben.«

»Ich verstehe ja nicht englisch!«

»Ihr könntet auch nichts machen, wenn Ihr es verständet.«

»So helfen Sie mir doch! Sie sind ein Deutscher, also ein Landsmann von uns
und müssen sich unsrer annehmen.«

»Ich muß? Was könnt Ihr von der Hilfe eines Hanswurstes erwarten? Hättet Ihr
meinen Rat befolgt, eine Wagenburg gebildet und Euer Vieh bewacht, so wäre Euch
der Ochse nicht gestohlen worden. Ich kann nichts für Euch thun, gar nichts.«

»Aber hier sitzen, mit den Spitzbuben gemeinschaftliche Sache machen und von
dem gestohlenen Braten essen, das können Sie wohl, nicht?«

»Ja, das kann ich, denn ich bin von ihnen zum Mitessen eingeladen worden, wenn
ich mich nicht irre.«

Wieder horchte Schmidt auf, als er diese Worte hörte. Das war ja genau die
Redensart, deren sich Sam Hawkens zu bedienen pflegte! Dann stieß der Deutsche
den Kolben seines Gewehres wütend auf den Fußboden und rief:

»Dann danke ich für die Landsmannschaft und werde mir selber helfen!«

»Wie wollt Ihr das anfangen?«

»Ich zwinge diese Schufte, mich zu bezahlen!«

»In welcher Weise?«

»Durch Gewalt. Wir sind vier Personen und haben unsre Gewehre!«

»Und hier stehen zwölf verwegene Männer euch gegenüber, welche ebenso gute
Gewehre besitzen. Begeht keine Dummheit! Der Ochse ist dadurch, daß ihr euch
in eine offenbare Lebensgefahr begebt, nicht wieder lebendig zu machen.«

»Das weiß ich auch; aber wo bleibt das Geld, welches er mich kostet?«

»Diese Leute haben kein Geld, und selbst wenn sie welches besäßen, würdet Ihr
es ihnen durch Gewalt nicht abzuzwingen vermögen.«

»Soll ich etwa List anwenden?«

»Dazu seid Ihr nicht der Mann. Ein Bär ist kein Fuchs und ein Tolpatsch kein
Pfiffikus, wenn ich mich nicht irre.«

Schon wollte Schmidt wegen des Tolpatsches eine grobe Antwort geben, als die
letzteren Worte ihn von diesem Vorhaben abbrachten. Er fragte rasch:

»Wenn ich mich nicht irre! So haben Sie jetzt schon dreimal gesagt. Heißen
Sie wirklich Falke?«

»Ja, wenn ich mich nicht irre.«

»Und bringen doch immer diese Worte, welche die Redensart eines andern Westmannes
sein sollen.«

»Welches Mannes?«

»Schi-So hat mir seinen Namen gesagt; ich habe ihn aber wieder vergessen.«

»Schi-So?« fragte Sam, sichtlich überrascht. »Wer ist das?«

»Ein junger Begleiter von uns, der Sohn eines Navajohäuptlings, welcher Nitsas-Ini

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