Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

je zwei Bänke aus demselben Materiale. Es war also für alle Anwesenden Platz
zum Sitzen vorhanden. Das Weinfaß lag in der Ecke auf einem Klotze; der Ire
füllte daraus zwei Krüge, aus denen getrunken wurde. Gläser gab es nicht.

Die Finders hatten sich vorgenommen, wenig zu trinken, bis ihre drei Gäste
vollständig berauscht seien. Sie ließen also die Krüge fast ununterbrochen kreisen
und thaten so, als ob sie tüchtig tränken, nahmen aber nur kleine Schlucke.
Der Wein war aber wirklich gut; er schmeckte ihnen, und so kam es, daß ihre
Schlucke immer größer wurden.

Auch der Braten war vorzüglich; man sprach ihm tüchtig zu und war mit ihm schon
fast auf die Neige gelangt, als eine Unterbrechung des Mahles eintrat. Es erschien
nämlich der schon erwähnte Führer der Auswanderer unter der Thür, hinter ihm
der alte Schmidt und dann auch die drei andern Männer. Sie hatten ihre Gewehre
bei sich, während diejenigen der Schmausenden weggelegt worden waren. Als sie
die Scene kurz überblickt hatten, trat der Führer einige Schritte näher und
sagte:

»Good evening, Mylords! Erlaubt ihr uns vielleicht, euch gesegnete Mahlzeit
zu wünschen?«

»Warum nicht?« antwortete Buttler. »Würden euch gern einladen, mitzuthun; haben
aber schon beinahe aufgegessen; Knochen, die wir euch geben könnten, gibt es
nicht.«

»Thut uns leid. Also nicht mal Knochen? Da ist’s wohl gar Lende, was ihr euch
geleistet habt?«

»Yes, eine feine Büffellende.«

»Laufen hier noch Büffel herum? Es wird wohl ein zahmes Rind gewesen sein?«

»Wohl möglich. Haben es aber als Büffellende gekauft.«

»Wo denn, wenn ich fragen darf?«

»In Rhodes Rancho im Thale von Santa Cruz, an dem wir vorübergekommen sind.«

»Das muß doch einen tüchtigen Pack gegeben haben, und wir haben keinen bei
euch bemerkt, als ihr an uns vorüberrittet.«

»Weil jeder sein Stück bei sich trug, wenn Ihr nichts dagegen habt, Sir,« hohnlächelte
Buttler.

»Well, Master. Wie aber kommt es denn, daß uns ein Ochse fehlt?«

»Fehlt euch ein Ochse? Ah, wie viele seid ihr denn gewesen?«

Die Finders belohnten diesen groben Witz mit einem schallenden Gelächter. Der
Führer ließ sich dadurch nicht irre machen und fuhr fort:

»Ja, ein Zugochse ist uns abhanden gekommen. Habt ihr vielleicht eine Ahnung,
Gentlemen, wohin er ist?«

»Habt ihr ihn uns vielleicht zur Bewachung anvertraut? Sucht ihn doch!«

»Das thaten wir natürlich und haben ihn gefunden.«

»So seid froh, Sir, und laßt uns mit diesem euerm Ochsen in Ruhe! Wir haben
mit dem Beeste nichts zu schaffen.«

»Wahrscheinlich doch! Die Sache ist nämlich die, daß er fortgelockt und erstochen
worden ist, mit einem schönen, regelrechten Stiche zwischen die beiden betreffenden
Wirbel, einem Stiche, der den sofortigen und lautlosen Tod des Tieres zur Folge
hatte. Das ist ganz die Art und Weise der Rinderdiebe, ihre Beute gleich in
der Nähe abzuschlachten.«

»Well. So denkt ihr also, der Ochse sei euch gestohlen worden?«

»Das denken wir nicht nur, sondern wir sind überzeugt davon.«

»So jagt den Dieben nach! Vielleicht erwischt ihr sie. Das ist der einzige
und beste Rat, den ich euch geben kann.«

»Wir haben ihn bereits befolgt. Sonderbarerweise nämlich fehlt an dem erstochenen
Ochsen gerade nur die Lende!«

»Das finde ich nicht sonderbar, sondern ganz erklärlich. Die Diebe haben wohl
gewußt, daß die Lende das beste und schmackhafteste Stück eines Rindes ist.«

»Well, sie sind also gleicher Ansicht mit euch gewesen, da ich ja sehe, daß
euer Braten grad auch Lende war, wahrscheinlich die Lende eines Zugochsen, nicht
aber diejenige eines Büffels.«

Da stand Buttler von der Bank, auf welcher er sitzen geblieben war, auf und
fragte in drohendem Tone:

»Was soll das heißen, Sir? Bringt Ihr etwa unsern Braten mit der Lende des
gestohlenen Rindes zusammen?«

»Ja, das thue ich allerdings, und ich hoffe, daß ihr nichts dagegen habt.«

Im Nu hatte Buttler sein Gewehr in der Hand, und auch seine Gefährten sprangen
auf, die ihrigen zu ergreifen.

»Mann,« rief er dem Führer zu, »wißt Ihr, was Ihr thut, was Ihr wagt? Wollt
Ihr etwa behaupten, wir seien die Diebe, welche Ihr sucht? Seht diese zwölf
Gewehre auf Euch gerichtet, und wiederholt die Anschuldigung, welche Ihr ausgesprochen
habt!«

»Fällt mir nicht ein! Ich habe meine Pflicht gethan und bin nun fertig. Ich
bin der Führer der Männer, welche da hinter mir stehen; sie sind Deutsche und

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