Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

»Weil er mir bekannt vorkam. Seine Kleidung ist eine andre, und ich habe sein
Gesicht nicht gesehen; aber sein Gang fällt mir auf. Hatte er einen Bart?«

»Ja.«

»Das stimmt! Die Augen?«

»Sehr klein.«

»Die Nase?«

»Fürchterlich.«

»Stimmt auch! Hatte er vielleicht falsches Haar?«

»Wie kann ich das wissen? Man fragt doch keinen Menschen bei der ersten Begegnung
mit ihm, ob sein Haar echt ist!«

»Das thut man nicht; aber eine Perücke ist vom echten Haare mit dem ersten
Blicke zu unterscheiden. Wissen Sie vielleicht, was er ist?«

»Einen Westmann nannte er sich.«

»Auch dieses stimmt. Hat er vielleicht seinen Namen genannt?«

»Ja.«

»Sam Hawkens etwa?«

»Nein. Er heißt Falke und ist ein Deutscher.«

»Sonderbar, aber doch erklärlich! Falke heißt englisch auch hawk. Viele Deutsche
nehmen, wenn sie herüberkommen, englische Namen an; warum sollte jemand, der
Falke heißt, sich nicht Hawkens nennen? Aber daß Sam Hawkens ein Deutscher ist,
das glaube ich nicht; er hat nie davon gesprochen und sich auch stets so als
Yankee gegeben, daß er jedenfalls westlich vom Atlantik geboren ist. Aber diese
Gestalt und dieser eigentümliche, schleichende Gang! Jeder gute Westmann hat
das Anschleichen gelernt; aber so pflegt nur Sam Hawkens zu schleichen. Doch
halt, noch eine Frage. hat dieser Mann während des Gespräches vielleicht einmal
gelacht?«

»Ja.«

»Wie?«

»Ausgesucht höhnisch, als er von Menschen und von Ochsen sprach.«

»Ich meine, mit welchem Vokale, mit welchem Laute er lachte. Man lacht mit
a und mit i, sogar mit e oder mit o.«

»Es war mit i, und mehr ein Kichern als ein Lachen.«

»Wirklich, wirklich?« fragte der Jüngling in höher interessiertem Tone. »Dann
ist er es vielleicht doch gewesen. Sam Hawkens hat ein ganz eigentümliches Hihihihi,
wie man es von keinem andern hört; man vernimmt es sehr oft von ihm; es klingt
so listig und dabei stillvergnügt; er schluckt es halb in sich hinein. Und noch
ein Erkennungszeichen für ihn gibt es: hat er vielleicht eine Redensart wiederholt?«

»Nicht daß ich wüßte.«

»Hat er nicht einigemal gesagt: Wenn ich mich irre?«

»Möglich, daß er etwas dem ähnliches gesagt hat; ich habe nicht darauf geachtet.«

»So war er es doch nicht. Sam Hawkens sagt so oft: Wenn ich mich nicht irre,
daß es einem jeden auffallen muß; dies wäre auch hier der Fall gewesen, und
ich habe mich also geirrt.«

Er schwang sich, wie sein Gefährte schon gethan hatte, vom Pferde und ließ
es laufen. Seine Ahnung hatte ihn nicht betrogen, doch hatte Sam sich seiner
Redensart zufälligerweise nicht so oft bedient, daß sie besonders in die Ohren
gefallen wäre.

Der Kleine war nach der Schenke zurückgekehrt und hatte sich wieder zu Dick
und Will gesetzt. Um doch etwas zu verzehren, ließen sie sich je noch einen
Whisky geben, den sie mit Wasser verdünnt tranken. Die Finders lachten über
diese Nüchternheit, ließen die Drei aber sonst in Ruhe.

Als es dunkel geworden war, brannte der Irländer eine Laterne an, welche aufgehängt
wurde und den Platz vor dem Hause zur Not erleuchtete; in das Innere desselben
sollte erst später, beim Essen, gegangen werden. Nach einiger Zeit stand Buttler
vom Tische auf, gab dreien seiner Gefährten einen Wink und entfernte sich mit
ihnen.

»Das hat irgend einen Zweck,« sagte Will Parker leise. »Wohin mögen sie wollen?«

»Kannst du dir das nicht denken?« fragte ihn Sam.

»Nein. Ich bin nicht allwissend.«

»Ich auch nicht; aber wer kein solches Greenhorn wie Will Parker ist, der muß
wissen, was sie wollen.«

»Nun, was, altes gescheites Coon?«

»Fleisch.«

»Woher?«

»Von den Auswanderern.«

»Ah, ja! Die haben gewiß Rauchfleisch mit, und das soll ihnen gestohlen werden.«

»Fällt keinem Menschen ein! Die Finders haben Appetit nach frischem Fleische,
und da draußen bei den Wagen gibt es sechzehn Ochsen. Weißt du nun, woran du
bist, mein süßer Will?«

»Ah, die Ochsen, richtig, richtig!« nickte der Gefragte.

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