Karl May - Der Ölprinz
admin am Apr 1st 2008
»Gib mir zwanzig Dollar! Meine Leute haben nichts mehr.«
»Wollt Ihr wieder wetten?« fragte der Irländer.
»Natürlich!«
»Ihr werdet abermals verlieren!«
»Jetzt ganz gewiß nicht wieder!«
»Und wenn aber doch? Von wem bekomme ich dann mein Geld?«
»Von mir, Halunke, von mir!«
»Aber wann?«
»Bis morgen früh.«
»Morgen früh? Wenn er Euch alles abgenommen hat?«
»Dummkopf! Das ist nur geborgt. Meine Leute würden wohl nicht so ruhig zusehen,
wenn sie nicht wüßten, daß ich morgen früh wieder nicht nur zu meinen Verlusten
bin, sondern noch viel mehr habe.«
»Ah, die zweitausend Dollar dieses Schneiders?«
»Yes.«
»Nehmt Euch in acht, Sir! Dieser Kerl ist doch nicht ganz so dumm, wie wir
gedacht haben.«
»Pshaw! Alles Zufall!«
»Mit dem Schießen, ja; aber das mit dem Maultiere wohl nicht.«
»Auch das! Das Tier ist ein altes, ausrangiertes Zirkusvieh, welches er für
einige Dollar erhalten hat. Es kann diese beiden Kunststücke; das ist alles,
Zufall, nur Zufall. Also her mit dem Gelde! Ich muß einstweilen wenigstens die
letzten zweimal zehn Dollar wieder haben.«
Als ihm der Wirt das Geld aus dem Hause geholt hatte, rief er Sam Hawkens zu:
»Wettet Ihr noch mal mit?«
»Ja, doch nun zum letztenmal.«
»Einverstanden; aber um zwanzig Dollar!«
»Yes.«
»Da ist das Geld. Dazu gebe ich die heiligste Versicherung, daß mich Euer Scheusal
jetzt nicht herunterbringt, es kann machen, was es immer will.«
Er stieg auf, nahm die Mary kurz in die Zügel und fest zwischen die Schenkel
und horchte zu Sam hin, was dieser befehlen würde, ob abbocken oder abstreifen.
Der Kleine aber gebot keins von beiden, sondern rief:
»Wälze ihn ab, meine liebe Rolling-Mary!«
Das Maultier warf sich augenblicklich nieder und rollte sich wie eine Walze
auf dem Boden hin. Wenn Buttler sich nicht alle Glieder zerquetschen oder gar
zerbrechen lassen wollte, mußte er die Zügel fahren lassen und die Füße aus
den Steigbügeln nehmen. Kaum fühlte die Mary, daß sie ihn los war, so sprang
sie auf, trabte zu ihrem Herrn hin, stieß ein triumphierendes Geschrei aus und
rieb ihr Maul an seiner Schulter.
Buttler erhob sich langsam vom Boden, befühlte und betastete sich oben und
unten, hinten und vom und machte ein ganz unbeschreibliches Gesicht. Er war
wütend über die mehrfache Blamage, welche er erlitten hatte, und wollte sich
dies doch nicht merken lassen. Dazu schmerzten ihn alle seine Knochen und Muskeln,
denn er hatte unter der Mary wie unter einer Drehrolle gelegen.
»Beliebt es Euch vielleicht, noch einmal zu wetten?« rief ihm Sam Hawkens zu.
»Geht zum Satan, sowohl mit Eurem Zufalle wie mit Eurer schändlichen Bestie!«
antwortete der Gefragte, indem er sich niedersetzte.
»Habe mit dem Satan keine Geschäfte, Mr. Buttler, werde also dahin gehen, wohin
es mir gefällt.«
»Nach Prescott doch?«
»Yes.«
»Schon heut?«
»Nein. Werden heut hier in San Xavier del Bac bleiben.«
»Habt ihr euch schon nach einem Obdache umgesehen?«
»Nein. Ist nicht nötig; werden im Freien schlafen, «
»Habt ihr zu essen?«
»Noch nicht. Dachten hier was zu bekommen.«
»Damit steht es schlimm. Es ist nichts mehr zu haben. Ihr könnt euch also nur
dann satt essen, wenn ihr unsre Gäste sein wollt. Seid also klug, und nehmt
meine Einladung an!«
»Thue es hiermit, Sin Wann werdet ihr speisen?«
»Wenn das Fleisch angekommen ist. Ich werde euch benachrichtigen.«
Damit waren die Wetten beendet und war auch das Gespräch vorüber. Die beiden
Gruppen hielten sich nun jede wieder für sich selbst.
»Hast ein famoses Geschäft gemacht!« sagte Dick Stone zu Sam. »Wollte, ich
wäre an deiner Stelle!«
»Ist gar nicht nötig, denn wir teilen natürlich, wenn ich mich nicht irre.
Halten uns wahrhaftig für Schneider, hihihihi! Und Buttler heißt der Kerl!«
»Sind also die zwölf Finders. Schlechte Gesellschaft das, zum Abendessen!«
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