Karl May - Der Ölprinz

admin am Apr 1st 2008

nicht auslachen! Euer Maultier nehme ich so zwischen die Schenkel, daß es binnen
fünf Minuten zusammenbricht!«

»Oder Euch binnen einer Minute herunterwirft!«

»Sagt Ihr das wirklich im Ernste?«

»Yes.«

»Wollen wir wetten?«

»Ich setze zehn Dollar!«

»Ich auch!«

»Daß es mich nicht herunterwirft!«

»Und ich behaupte dies aber!«

»Gut, fertig, zehn Dollar heraus!«

Sam zog das Geld hervor und gab es Dick Stone wieder. Buttler borgte es sich
von seinen Gefährten und gab es dann auch an Dick. Lieber hätte er es einem
seiner Leute anvertraut, wollte aber keinen Verdacht erwecken.

»Eine miserable Wette!« sagte der Wirt zu ihm. »Um zehn Dollar zu gewinnen,
auf ein solches Scheusal steigen! Diesmal aber werdet Ihr sicher gewinnen.«

Buttler nahm die alte Mary beim Zügel und führte sie von der Ecke fort nach
dem vor dem Hause liegenden freien Platz.

»Also binnen einer Minute herunter!« rief er Hawkens zu. »Sitze ich dann noch
darauf, habe ich gewonnen.«

»Darf ich mit dem Tiere reden?« fragte Sam.

»Warum nicht? Redet mit ihm, pfeift mit ihm oder singt mit ihm, ganz wie Ihr
wollt!«

Es hatten sich zwei Gruppen gebildet. Auf der einen Seite stand Sam mit Dick
und Will, auf der andern der Wirt mit den Leuten Buttlers. Dieser letztere stieg
auf. Das Maultier ließ es sich ruhig gefallen und stand still und unbeweglich,
als ob es aus Holz geschnitzt sei, Da sagte Sam:

»Bocke ihn ab, meine gute Bucking-Mary!«

Augenblicklich machte das Maultier einen runden, hohen Katzenbuckel, ging mit
allen Vieren in die Luft, streckte sich da aus und kam mit dem Reiter zu gleicher
Zeit wieder auf dem Erdboden an; es stand auf derselben Stelle, Buttler aber
saß nicht mehr im Sattel, sondern neben der Mary unten auf dem Boden. Seine
Leute schrieen überrascht auf; er sprang empor und rief ergrimmt:

»Dieses Vieh ist des Teufels! Erst steht es fromm wie ein Lamm, und dann geht
es ganz plötzlich wie ein Ballon in die Luft!«

»Da wäre es besser, Ihr wäret Luftschiffer anstatt Reiter; das Geld ist mein,«
antwortete Sam, indem er es einstrich.

»Zum Henker! Ich weiß nicht, ob ich richtig verstanden habe. Sagtet Ihr dem
Tiere nicht, daß es mich abbocken solle?«

»Yes.«

»Sir, das verbitte ich mir!«

»Pshaw! Ihr habt gesagt, daß ich mit ihm reden kann, ganz wie ich will.«

»Aber zu meinem Schaden!«

»Nein, sondern zu Eurem Nutzen. Ihr braucht ja nur zu hören, was ich sage,
so wißt Ihr, was das Tier thun wird und wie Ihr Euch dagegen zu verhalten habt,
wenn Ihr ein so guter Reiter seid, wie Ihr vorhin sagtet.«

»Well, so werde ich das nächstemal sicher gewinnen; ich lasse mich nicht wieder
herabbocken. Setzt Ihr noch einmal zehn Dollar?«

»Gern.«

Buttler borgte sich das Geld zum zweitenmal, gab es Dick und sagte zu Sam,
indem er wieder aufstieg:

»Nun, sagt dem Racker doch wieder, was er thun soll!«

Sam lachte kurz und lustig auf und rief dem Maultier zu:

»Streif ihn ab, meine liebe Striping-Mary!«

Die Mary setzte sich augenblicklich in galoppierende Bewegung, gegen welche
keine Bemühung Buttlers etwas half, schlug einen Bogen nach der unteren Hausecke
zu und rannte, bei derselben angekommen, nach der oberen Ecke hin, und zwar
so eng an der Mauer, daß das rechte Bein Buttlers an der Ecke hängen blieb und
er, wenn er sich dasselbe nicht arg zerschinden oder gar brechen lassen wollte,
aus dem Sattel mußte; er wurde »abgestreift« und kam wieder auf die liebe Erde
zu sitzen.

»Alle neunundneunzigtausend Teufel!« schrie er wütend, indem er sich erhob
und sein Knie befühlte. »Diese Bestie ist ein wahres Höllenvieh. Ich war natürlich
auf das Abbocken gefaßt. Wie könnt Ihr ihm da befehlen, daß es mich abstreifen
soll?«

Diese Frage galt Sam, welcher antwortete:

»Es ist ausgemacht worden, daß ich mit dem Maultiere sprechen, pfeifen oder
auch singen kann, ganz wie es mir beliebt. Daran halte ich fest. Das Geld ist
mein.«

Er strich es ein. Buttler hinkte zum Wirte hin und sagte halblaut zu ihm:

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