Daniel Defoe - Robinson Crusoe
admin am Apr 3rd 2008
Den 2. November trug ich alle meine Kisten und Bretter und die Holzstücke, aus
denen ich die Flöße verfertigt hatte, zusammen und bildete aus ihnen, etwas
nach Innen zurück von der für die Umzäunung bezeichneten Linie, eine Art Zaun
um mich her.
Den 3. November. Ich ging mit dem Gewehr aus und schoß zwei entenartige Vögel,
die mir eine vortreffliche Mahlzeit lieferten. Am Nachmittag machte ich mich
daran, mir einen Tisch zu verfertigen.
Den 4. November. Die Frühstunden verwendete ich dazu, meine Arbeitszeit regelmäßig
einzutheilen. Die Morgenzeit bestimmte ich zu einem zwei- bis dreistündigen
Ausgang mit dem Gewehr, vorausgesetzt, daß es nicht regnet. Hierauf will ich
bis etwa eilf Uhr arbeiten und dann verzehren, was ich gerade Eßbares habe.
Von zwölf bis zwei Uhr gedenke ich mich zum Schlafe niederzulegen, da das Wetter
ungemein heiß ist, der Abend soll dann wieder für die Arbeit bestimmt sein.
(Die Arbeitszeit an diesem und den nächsten Tagen verwendete ich gänzlich auf
die Anfertigung meines Tisches, denn es ging mir anfangs noch langsam mit der
Arbeit. Zeit und Nothwendigkeit machten mich jedoch bald darauf zu einem perfekten
Naturhandwerker, wie es in gleicher Lage wohl mit jedem Andern geschehen würde.)
Den 5. November. Heute ging ich mit der Flinte und meinem Hunde aus und erlegte
eine wilde Katze. Ihr Fell war sehr schön, aber das Fleisch ungenießbar. Ich
zog ihr, wie ich es mit allen erlegten Thieren zu thun pflege, das Fell ab und
bewahrte es auf. Als ich am Strande zurück ging, sah ich mancherlei Seevögel,
die ich nicht kannte. Erstaunt und fast erschrocken war ich über den Anblick
mehrer Robben, die, während ich sie anstarrte, ohne gleich zu wissen, was es
für Thiere seien, ins Meer eilten und mir für diesmal entrannen.
Den 6. November. Nach meinem Morgenspaziergang beendigte ich den Tisch, doch
nicht zu meiner Zufriedenheit; bald jedoch lernte ich so Etwas besser machen.
Den 7. November. Es hat sich jetzt schönes Wetter eingestellt. Den 7. 8. 9.
und 10. und einen Theil des 12. (denn der 11. war ein Sonntag) verwendete ich
dazu, um mir einen Stuhl zu verfertigen. Mit großer Mühe brachte ich auch ein
leidliches Gestell zu Stande; doch gefiel es mir nicht, obwohl ich es schon
während der Arbeit mehre Male wieder in Stücken zerschlagen und aufs Neue begonnen
hatte.
Anmerkung. Nach kurzer Zeit versäumte ich die Sonntage einzuhalten, da ich vergessen
hatte, die Einschnitte an meinen Pfosten zu machen, und daher bald nicht mehr
die Tage unterscheiden konnte.
Den 13. November. Heute regnete es, was mich ungemein erfrischte und auch die
Erde abkühlte. Ein Gewitter aber, von dem der Regen begleitet war, erschreckte
mich furchtbar, indem es mich um mein Pulver besorgt machte. Sobald das Unwetter
vorüber war, beschloß ich, meinen Pulvervorrath in möglichst viele und kleine
Partien zu vertheilen und ihn so außer Gefahr zu bringen.
Den 14. 15. und 16. November. Diese drei Tage verwendete ich dazu, kleine viereckige
Schachteln oder Kästen zu machen, deren jede ein bis zwei Pfund Pulver faßte.
In diesen hob ich meinen Pulvervorrath, und zwar jeden Behälter möglichst entfernt
von dem andern, auf. An einem dieser Tage schoß ich einen großen Vogel, der
mir vortreffliche Speise lieferte, mir aber unbekannt war.
Den 17. November. Heute begann ich hinter meinem Zelt in den Felsen zu graben,
um mir größere Bequemlichkeit zu verschaffen.
Anmerkung. Dreierlei entbehrte ich sehr bei dieser Arbeit, nämlich eine Hacke,
eine Schaufel und einen Schiebkarren oder Korb. Daher unterbrach ich meine Arbeit
und überlegte, wie ich diesem Mangel abhelfen könnte. Statt der Hacke bediente
ich mich der eisernen Brechstangen, die sich, obwohl sie schwer waren, doch
dazu eigneten. Eine Schaufel oder ein Spaten war mir dagegen so unerläßlich
nöthig, daß ich ohne sie Nichts anfangen konnte. Doch sah ich vorläufig durchaus
nicht ab, wie ich mir solch ein Ding verschaffen sollte.
Den 18. November. Am nächsten Tag fand ich beim Durchstreifen des Waldes einen
Baum von der Art, die in Brasilien wegen der Härte ihres Holzes Eisenbäume genannt
werden. Von diesem hieb ich, wobei ich aber beinahe meine Art verdorben hätte,
mit großer Mühe ein Stück ab und brachte es gleichfalls unter großer Anstrengung,
da es sehr schwer war, heim. Die ungemeine Härte des Holzes machte lange Zeit
erforderlich, bis ich es endlich in Spatenform gestaltet hatte. Der Handgriff
war genau geformt wie der der unsrigen in England, die breite Seite am Fuß entbehrte
jedoch der eisernen Bekleidung. Trotzdem leistete es mir gute Dienste.
Ich vermißte nun noch einen Korb oder einen Schiebkarren. Einen Korb vermochte
ich durchaus nicht zu Stande zu bringen, da es mir an Zweigen fehlte, die sich
zu Flechtarbeit eigneten; wenigstens hatte ich bis jetzt noch keine solchen
gefunden. Was dagegen den Schiebkarren angeht, so glaubte ich wohl alle Theile
eines solchen herausbringen zu können, bis auf das Rad. Wie ich aber damit zu
Stande kommen sollte, davon hatte ich nicht den mindesten Begriff. Ebenso unmöglich
war mir aber auch die eiserne Hülse, in welcher die Axe laufen mußte, anzufertigen.
Ich gab daher das ganze Unternehmen auf und machte mir, um die Erde aus meiner
Höhle zu schaffen, eine Art von Lehmkübel, wie ihn die Maurer zum Fortschaffen
des Mörtels benutzen. Dies war minder schwierig als die Anfertigung des Spatens,
und dennoch nahmen mich beide Arbeiten und der vergebliche Versuch, einen Schiebkarren
zu verfertigen, vier volle Tage in Anspruch, natürlich abgerechnet meine Morgenspaziergänge
mit dem Gewehr, die ich nur ausnahmsweise unterließ und von denen ich selten
heimkehrte, ohne etwas Eßbares erbeutet zu haben.
Den 23. November. Nach Anfertigung dieser Werkzeuge nahm ich meine frühere Arbeit
wieder auf und verwendete achtzehn Tage gänzlich auf Ausweitung und Vertiefung
meiner Höhle, damit diese meine Habe bequemer fassen könne.
Anmerkung. Mein Hauptzweck bei diesem Unternehmen war, einen Raum zu bekommen,
der mir als Magazin, Küche, Eßzimmer und Keller diene. Ich wohnte nämlich für
gewöhnlich in meinem Zelt; nur während der feuchten Jahreszeit nöthigte mich
der heftige Regen, da ich sonst völlig durchnäßt worden wäre, dasselbe zu verlassen.
Dies bewog mich später, den ganzen Platz vor der Felswand mit Pfählen, in der
Form von Dachsparren, zu bedecken. Diese stützten sich gegen den Felsen und
ich bedeckte sie mit Zweigen und breiten Baumblättern wie mit einem Strohdach.
Den 10. December. Ich glaubte schon meine Höhle vollendet zu haben, als plötzlich
eine große Menge Erde von der Decke an der einen Seite herabstürzte, was mich
nicht wenig erschreckte. Und zwar mit Recht, denn wäre ich gerade unter jener
Stelle gewesen, so hätte ich keinen Todtengräber nöthig gehabt. Dies Mißgeschick
verursachte mir wieder eine große Menge Arbeit, da ich die abgefallene Erde
zu entfernen und, was wichtiger war, die Höhlendecke zu stützen hatte, damit
ich ein Herunterfallen derselben nicht mehr zu besorgen brauchte.
Den 11. December. Ich machte mich heute gleich an diese Aufgabe und richtete
unter dem Gewölbe zwei Pfeiler, die ich mit zwei Querbrettern kreuzte, auf.
Am nächsten Tag war ich hiermit zu Ende, fügte dann aber noch weitere Pfeiler
und Bretter dazu und hatte so binnen einer Woche das Dach befestigt, und die
reihenweise eingeschlagenen Pfosten dienten mir zugleich dazu, meine Wohnung
in einzelne Räume abzutheilen.
Den 17. December. Von diesem Tag bis zum 20. gab ich mich damit ab, Gefächer
aufzurichten und Nägel in die Pfosten zu schlagen, um Alles daran aufzuhängen,
was sich dazu eignete. Jetzt fing ich endlich an, in meiner Behausung einigermaßen
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