William Shakespeare – Ein Sommernachtstraum

admin am Okt 25th 2011


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List

Verkehrtest ihren kindlichen Gehorsam

In eigensinngen Trotz. – Und nun, mein Fürst,

Verspricht sie hier vor Eurer Hoheit nicht

Sich dem Demetrius zur Eh, so fordr ich

Das alte Bürgervorrecht von Athen,

Mit ihr, wie sie mein eigen ist, zu schalten.

Dann übergeb ich diesem Manne sie,

Wo nicht, dem Tode, welchen unverzüglich

In diesem Falle das Gesetz verhängt.

Theseus.

Was sagt Ihr, Hermia? Laßt Euch raten, Kind.

Der Vater sollte wie ein Gott Euch sein,

Der Euren Reiz gebildet; ja, wie einer,

Dem Ihr nur seid wie ein Gepräg, in Wachs

Von seiner Hand gedrückt, wie’s ihm gefällt,

Es stehnzulassen oder auszulöschen.

Demetrius ist ja ein wackrer Mann.

Hermia.

Lysander auch.

Theseus.

An sich betrachtet wohl;

So aber, da des Vaters Stimm ihm fehlt,

Müßt Ihr für wackrer doch den andern achten.

Hermia.

O säh mein Vater nur mit meinen Augen!

Theseus.

Eur Auge muß nach seinem Urteil sehn.

Hermia.

Ich bitt Euch, gnädger Fürst, mir zu verzeihn.

Ich weiß nicht, welche Macht mir Kühnheit gibt,

Noch wie es meiner Sittsamkeit geziemt,

In solcher Gegenwart das Wort zu führen;

Doch dürft ich mich zu fragen unterstehn:

Was ist das Härtste, das mich treffen kann,

Verweigr ich dem Demetrius die Hand?

Theseus.

Den Tod zu sterben oder immerdar

Den Umgang aller Männer abzuschwören.

Drum fraget Eure Wünsche, schönes Kind,

Bedenkt die Jugend, prüfet Euer Blut,

Ob Ihr die Nonnentracht ertragen könnt,

Wenn Ihr der Wahl des Vaters widerstrebt,

Im dumpfen Kloster ewig eingesperrt

Als unfruchtbare Schwester zu verharren,

Den keuschen Mond mit matten Hymnen feiernd.

O dreimal selig, die, des Bluts Beherrscher,

So jungfräuliche Pilgerschaft bestehn!

Doch die gepflückte Ros ist irdischer beglückt,

Als die am unberührten Dorne welkend

Wächst, lebt und stirbt in heilger Einsamkeit.

Hermia.

So will ich leben,


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