Theodor Däubler – Attische Sonette

admin am Jan 24th 2012


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Theodor Däubler

Attische Sonette

An Timon von Athen

Ich suchte, Timon, nicht deiner Verbannung

Gefundnen Ort, am launenreichen Meer;

Um Einsamkeit blieb meine Seele leer,

Der Ägäis Sturm bewog mich zu Ermannung.

Des Geistes Flügeln gab ich Segelspannung

Beim Seelenschwung – den Leib für Aug – Begehr –

Doch wieder kam ich in die Buchten her:

Nun sei ein Sang der Kahn mit Machtbemannung.

Zu holden Inseln soll ich Segler senden:

Mein Hellas, fühl im Herz Geborgenheit!

Ich mag den Urvergrauten Leuchter spenden.

O Land geliebter Sprache mein, wie weit

Vermochte Schickung mich aus dir zu wenden;

Hat schon von Sehnsucht mich das Meer befreit?

Dem Sommernachtstraum

Verschwendete der Baum sein keusches Blühen,

So singt er sich: Zikaden sind bereit.

Verstummen sie, um ihre Schlummerzeit,

So möchten Himmelszweige Sterne sprühen.

Auch Menschen recken sich aus Knochenmühen:

Die Seele hüllt bei Wind ein leichtes Kleid,

Wie sind den Traumgespielen Wiesen weit,

Gebüsche heimlich für der Wünsche Glühen!

Silene horchen schon mit Silberohren,

Ob, Mond genannt, die Himmelsperle kommt;

Dann wispern Nymphen unter Felsentoren.

Verschleiert, wie es einer Jungfrau frommt,

Reut Arethusa ihr so zartes Flüstern;

Ein Satyr unter Feigen liebt sie lüstern.

An Keats

Geheimer Mondschein unter Mittagsstrahlen,

Mit sachter Muschel, fahl wie Dämmerung,

Erstaunt dich Aphrodites naher Schwung

Auf eigner Rhythmen Flügeltum bei Qualen.

Es dunkle nie ein Blut in Kupferschalen,

Das du, Verwundeten zur Linderung –

Als Güte Narben schloß – durch Hilfesprung

In Obhut nahmst, auf lichtblauen Sandalen!

Der Atem Hellas’ über Sonnenbuchten

Bewog deiner Gebietung klarem Strom,

Um Schönheit schluchzend, Berge zu durchschluchten.

Geklungne Wonne aus geliebtem Rom,

Das deine Hülle ewig schützend hülle,

Gabst du der Hügelburg mit Dankesfülle.

An Shelley

Für Erhard Buschbeck

Der Liebe tief verletzbarem Verkünder,

Dir Shelley, kett ich dankbar mein Sonett:

Ein Licht, dein zart entschleiertes Violett,

Ward großer Sonne feiernder Entzünder.

Nach solcher Freiheit purpurten die Münder

Zum Rufe Hingebluteter im Bett:

Geweihter Walstatt rächendes Skelett,

Stand Hellas’ Traum erblitzender Begründer.

Ein Mond in deinem Blick zerperlte Zähren.

Der Möwe Silberflug, auf schwerer Flut,

Schien bleich der Seele Staunen zu erklären.

Gestirntes Ahnentum empfand das Blut,

Da wollte dein Geheimsein Sturm gewähren,

Bis jung und gut du erst im Meer geruht.

An Byron

So großer Lord, der Sonne liebster Dichter,

Dich Byron, ehrten Menschen, liebten Feeen;

Gefeiter Jäger, Blicke auch von Rehen

Zerbrach dein Herz; du sterntest sie als Lichter.

Dein starkes


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