Gaetano Donizetti – Torquato Tasso

admin am Jan 24th 2012


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Gaetano Donizetti

Torquato Tasso

Oper in drei Akten

Personen

Alfonso II, Herzog von Ferrara

Eleonora, seine Schwester

Eleonora, Gräfin von Scandiano

Torquato Tasso

Roberto Geraldini, Geheimschreiber des Herzogs

Gherardo, Hof-Cavalier des Herzogs

Ambrogio, Tasso’s Diener

Hofleute

Soldaten

Erster Akt.

Vorsaal im herzoglichen Pallaste.

Erste Scene.

Hof-Cavaliere, dann Gherardo, später Ambrogio.

CHOR.

Unsre beiden Rebenbuhler,

Der Poet, verliebt, voll Ehrgeiz,

Und der Narr, der ihn beneidet,

Geben uns am Hofe hier

Stets zur Unterhaltung Stoff.

Doch dem armen Tasso, fürcht’ ich,

Droht ein schweres Ungewitter.

Wenn nicht alle Zeichen trügen,

Kommt es immer näher schon,

Und ist bald zum Ausbruch reif.

GHERARDO.

Wie, Was sagt Ihr! Wirklich? Nichts?

Gehet, hebet Euch von dannen.

CHOR.

Ha, Gherardo! Hört Ihr ihn?

Er fängt schon zu fragen an,

Wie er’s an der Art stets hat.

In Verwirrung ist gerathen

Dieses armen Narren Sinn;

Eifersucht und Neid erfüllt ihn,

Quält und plagt ihn unaufhörlich,

Daß er niemals Ruhe hat.

GHERARDO.

Die beste Art und Weise,

Beim Reden oder Schreiben,

Bleibt immer doch das Fragen,

Ich zieh’ es Allem vor.

Es stände ohne Fragen

So mancher da als Esel;

Und ohne Fragen käme

Kein Doctor je zum Ziel.

Das Fragen ist die Angel,

Geheimnisse zu fischen;

Nie macht man, wenn ich frage,

Ein X mir für ein U.

Ist Tasso hier vorbeigegangen?

War er nicht eingeladen?

Hat sich der Herzog wegbegeben?

Der Secretair sich schon entfernt?

Hat von den beiden Leonoren

Keine nach mir gesragt?

Wird Mantna’s Gesandter

Wohl feierlich empfangen?

Was hat er zu verhandeln?

Weshalb kommt er wohl her?

Wie ist der Herzog aufgelegt?

Wo mag die Gräfin seyn?

So laßt doch eine Sylbe

Dem Munde nur entschlüpfen.

Zum Henker! Steht doch nicht so stumm

Wie Bilder da von Stein.

Ihr schweigt ja wie die Mumien;

Es macht mich wirklich toll!

CHOR.

Wenn Ihr uns nicht in Ruhe laßt

Mit Euren vielen Fragen,

So können wir unmöglich Euch

Auf etwas Auskunft geben.

Seyd doch nur still, es geht ja doch

Nicht Alles auf einmal.

GHERARDO.

Doch, wie ich sehe,

Kommt dort Torquato’s

Einfält’ger Diener

Daher gegangen.

Wenn ich mit guter

Art ihn hier frage,

Wie ein Orakel

Antwortet er.

CHOR.

Nehmt Euch in Acht, Herr,

Daß es nicht Eurer

Lästigen Neugier

Uebel ergeht.

GHERARDO.

Geht doch, Ihr Thoren!

Ihr macht mich lachen.

Ein Mann von Klugheit

Weiß, was er thut.

GHERARDO.

Was macht Torquato? Dichtet er?

AMBROGIO.

Ja.

GHERARDO.

Eist verliebt, er seufzet?

AMBROGIO.

Nein.

GHERARDO.

Von Eleonoren redet er?

AMBROGIO.

Ja.

GHERARDO.

Doch welche er liebt, das weißt Du nicht?

AMBROGIO.

Nein.

GHERARDO.

Er schwärmt wohl


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