Euripides – Medea

admin am Aug 21st 2012

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Euripides

 

Medea

(Medeia)

 

Personen.

Amme der Medea

 

Kreon

 

Die Söhne der Medea

 

Erzieher

 

Jason

 

Chor korinthischer Frauen

 

Aigeus, Fürst von Athen

 

Medea

 

Bote

 

 

 

 

 

Vor dem Hause Jasons zu Korinth.

 

 

AMME.

Oh, wäre durch die schwarzen Wunderfelsen nie

Das Schiff geflogen, steuernd nach dem Kolcherland,

Wär auf den Waldhöhn Pelions nie der Fichtenstamm

Durchs Beil gefallen, hätte nie zum Steuer gedient

Der Hand erkorner Helden, die das goldne Vlies

Dem Pelias holten! Nimmermehr wär auch geschifft

Medea, meine Herrin, dann zur Griechenstadt,

Von Jasons Liebe hingerissen und betört,

Und hätte Pelias’ Töchter nie zum Vatermord

Verführt und wohnte nicht im Land Korinthos hier

Mit Mann und Kindern – bei den Bürgern zwar beliebt,

In deren Land sich niederließ die Fliehende,

Und treu zur Seite Jason stehend überall,

Worauf die Wohlfahrt allermeist im Haus beruht,

Wenn mit dem Manne einträchtig wirkt des Weibes Sinn. –

Doch nun ist alles feindlich, und das Leben siecht,

Weil Jason meine Herrin samt den Kindern hat

Im Stich gelassen und die junge Fürstin freit,

Die Tochter Kreons, der in diesem Land gebeut.

Und sie, das unglückselige, frech verschmähte Weib,

Medea, ruft die Eide, ruft der Treue Pfand,

Den Bund der Hände, rufet laut der Götter Macht

Zu Zeugen, wie von Jason ihr vergolten sei.

Dem Schmerze hingegeben, ohne Speise liegt

Sie da, verzehrt in Tränen sich die ganze Zeit,

Seitdem sie weiß, verraten sei sie vom Gemahl.

Das Auge nicht aufschlagend noch vom Boden je

Das Antlitz hebend, hört auf Freundeswort und Trost

Sie minder als der Felsen, als die Welle im Meer;

Nur daß mitunter, wendend ihren blassen Hals,

Sie für sich selber um den trauten Vater stöhnt,

Um Haus und Heimat, die sie einst verriet und floh,

Dem Manne folgend, der ihr mit Verschmähung lohnt.

Erkannt an ihrem Leide hat die Arme nun,

Wie glücklich ist, wer Herd und Heimat nicht verließ!

Die Kinder haßt sie, freut an ihrem Blick sich nicht –

Sie brütet, fürcht ich, über etwas Schrecklichem!

Ihr Herz ist schlimm, und Unrecht wird es nimmermehr

Ertragen; ja, ich kenne diese und fürchte sehr,

Sie stößt sich durch die eigne Brust den scharfen Stahl,

Ermordet wohl den Kreon samt dem Bräutigam

Und ladet dann noch größres Unheil auf ihr Haupt.

Denn schrecklich ist sie, und den Sieg gewinnt so leicht

Kein Gegner, der zum Kampf mit ihr anbinden mag.

Doch von der Rennbahn kommen nach beendigtem

Spiel hier die Knaben, von der Mutter Ungemach

Nichts ahnend. Harmlos ist der Jugend muntrer Sinn!

 

Der Erzieher mit den Kindern tritt auf.

 

 

ERZIEHER.

Du, meiner Herrin altgetreues Gut im Haus,

Warum so einsam stehst du vor den Pforten hier,

Beklagst in Selbstgesprächen unsre Not? Wie kommt’s,

Daß ohne dich Medea einsam weilen will?

AMME.

Du greiser Führer, Jasons Kindern beigesellt,

Dem braven Diener ist der Herrschaft Ungemach

Wie eignes Leiden, greift ihm innig tief ans Herz.

So hat der Kummer dergestalt mich übermannt,

Daß mich’s heraus ins Freie hier getrieben hat,

Die Not der Herrin Erd und Himmel kundzutun.

ERZIEHER.

Zufrieden also gibt sich noch ihr Jammer nicht?

AMME.

Ich bitt dich! Nicht die Hälft ist das! Erst hebt er an.

ERZIEHER.

O Törin! – wenn man seine Herrn so nennen darf.

Und weiß noch gar nichts von der andern neuen Not!

AMME.

Was ist es, Alter? Teile mir’s aufrichtig mit!

ERZIEHER.

Nichts! Hätt ich lieber auch das vorige nicht gesagt!

AMME.

Der Dienstgenossin birg es nicht, bei deinem Bart!

Ich will, wenn’s nötig, treu verschweigen, was du sagst.

ERZIEHER.

Ich stand beim Brettspiel, wo die ältern Männer sich

Einfinden, um Peirenes allverehrten Born,

Da hört ich einen sagen, so, als hörte ich’s nicht,

Daß diese Kinder aus dem Weichbild von Korinth

Mit ihrer Mutter treiben wolle dieses Lands

Gebieter Kreon. Ob die Rede wahr jedoch,

Das weiß ich nicht und wollte wohl, sie wär es nicht.

AMME.

Und könnte Jason über seine Kinder dies

Ergehen lassen, wenn er auch die Mutter haßt?

ERZIEHER.

Vor neuen Liebesbanden weichen alte stets,

Und er ist unserm Hause nicht mehr zugetan.

AMME.

So sind wir denn verloren, wenn sich neues Leid

Gesellt zum alten, eh noch dies verwunden ist!

ERZIEHER.

Doch da die Zeit jetzt, dies der Herrin kundzutun,

Nicht ist, so sei ja ruhig und verschweig das Wort!

AMME.

O Kinder, hört ihr’s, wie’s der Vater meint mit euch?

Ich will ihm


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