Charles Baudelaire – Die Blumen des Bösen

admin am Jan 21st 2012


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Charles Baudelaire

Die Blumen des Bösen (Auswahl)

(Les Fleurs du Mal)

Spleen und Ideal

Der Albatros.

Oft fängt die Mannschaft auf den Schiffen zum Vergnügen

Sich Albatrosse ein, Seevögel kühnbeschwingt,

Die still und ruhevoll auf ihren weite Zügen

Dem Fahrzeug folgen, wie es durch die Salzflut dringt.

Sobald auf das Verdeck sie die Gefangnen bringen,

So hängen voller Scham, verstört und ungeschickt,

Die Kön’ge des Azurs die mächtgen, weißen Schwingen

Wie Ruder rechts und links, hinschleifend und geknickt.

Der Wandrer, leicht beschwingt, daß er die Luft durchschweife,

Wie häßlich ist er nun, wie plump, verhöhnt und schwach.

Der eine kitzelt ihm den Schnabel mit der Pfeife,

Der andre macht im Spott sein lahmes Wanken nach.

Der Dichter ist der Fürst der stolzen Wolkenthrone,

Der Bogenschützen trotzt und lacht des Seesturms Wehn;

Doch hindern auf dem Land, umringt von lautem Hohne,

Die Riesenflügel den Gewaltigen am Gehn.

Erhebung.

Hoch über den Bergen, hoch über den Meeren,

Den Wäldern, den Talen, den Wolken, der Flur,

Der flammenden Sonne, dem weiten Azur,

Hoch über den Reichen der sternigen Sphären,

Beschwingst du, mein Geist, dich, und tief in der Brust,

Wie ein Schwimmer, den schwellend die Wogen umgleiten,

Fühl froh ich, durchfurchend unendliche Weiten,

Eine unaussprechliche, männliche Lust,

Entfliehe fern in die reineren Düfte,

Befreit von dem Dunst, der betäubend und krank,

Und schlürfe als hellen und göttlichen Trank

Das klare Feuer der ewigen Lüfte.

Weit hinter des Grams und des Trübsinns Gebiet,

Die das irdische Leben in Nebel verschlingen –

Glückselig der, der mit kräftigen Schwingen

Zu strahlenden, heitren Gefilden entflieht,

Dessen Geist, wann die Lichter des Morgens erglühten,

Wie die Lerche aufsteigend den Himmel durchschweift,

Der das Sein überfliegend mühlos begreift

Die


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