Nachtrag
admin am Mrz 29th 2008
wo sie einst dem Geliebten die letzten Grüße nachgesandt hatte. Wie sie so mit
tränenden Augen in die blaue Ferne blickte, da erschien plötzlich weit vom Strande
in den Wellen etwas wie ein menschlicher Körper. Immer näher trugen es die Wogen
heran, und je näher es kam, je mehr und mehr schwanden ihr die Gedanken. Jetzt,
jetzt schwamm es ganz nahe ans Land. »Er ist’s!« schreit die Unglückliche, die
Hände nach dem Leichnam des teuren Gatten ausstreckend: »So also kehrst du mir
zurück, du Armer! Wohlan, empfange mich denn, ich komme zu dir!« In die Flut
will sie sich stürzen, aber siehe, Flügel heben sie durch die Luft, wehmütig
klagend flattert sie als Vogel dicht über die Gewässer hin und schwingt sich
schluchzend an die Brust des toten Gemahls. Und ist es nicht, als ob er die
Nähe des trauten Weibes fühlte? Ja, wahrlich, die mitleidigen Götter verwandeln
auch seine Gestalt und leihen ihm neues Leben. Als Eisvögel halten die beiden
Gatten noch immer treu die alte zärtliche Liebe, in nie getrenntem Ehebund leben
sie fort. Mitten zur Winterszeit kehren alljährlich sieben ruhige, windstille
Tage wieder, dann sitzt Halkyone brütend im schwimmenden Nest auf dem glatten
Spiegel des Meeres; denn ihr Vater Äolos hält zu dieser Zeit die Winde daheim
im Hause und schafft seinen Enkeln schützende Ruhe.
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