Gustav Schwab – Die Sieben gegen Theben

admin am Okt 13th 2011


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soll, bekränzet mich, wie man ein Opfertier bekränzt, zücket den Stahl; meine
Seele wird willig entfliehen!« – Iolaos und alle Umstehenden schwiegen lange,
nachdem das heldenmütige Mädchen ihre feurige Anrede längst geendet hatte. Endlich
sprach der Führer der Herakliden: »Jungfrau, du hast deines Vaters würdig gesprochen;
ich schäme mich deiner Worte nicht, obwohl ich dein Geschick beweine. Mir aber
deuchte billig, daß alle Töchter deines Stammes zusammenkämen und das Los entschiede,
welche für ihre Brüder sterben soll!« »Ich möchte nicht durch das Los sterben«,
antwortete Makaria freudig; »aber zögert nicht lange, daß nicht der Feind euch
überfalle und der Orakelspruch vergebens euch verliehen sei. Heißet die Frauen
des Landes mit mir gehen, daß ich nicht vor Männeraugen sterbe.«

So ging die hochgesinnte Jungfrau, von den edelsten Frauen Athens begleitet,
freiwilligem Tode entgegen.

Die Rettungsschlacht

Bewunderungsvoll blickten der scheidenden Jungfrau König und Bürger Athens,
voll Wehmut und Schmerz die Herakliden und Iolaos nach. Aber das Schicksal erlaubte
beiden Teilen nicht, ihren Gedanken und Empfindungen nachzuhängen. Denn kaum
war Makaria verschwunden, als ein Bote mit freudiger Miene und lautem Rufe dem
Altare zugerannt kam. »Seid gegrüßt, ihr lieben Söhne!« rief er, »sagt mir,
wo ist der Greis Iolaos? Ich habe ihm Freudenbotschaft zu bringen!« Iolaos erhub
sich vom Altare, aber er konnte den tiefen Schmerz nicht mit einemmal aus den
Zügen verbannen, so daß der Bote selbst ihn vor allen Dingen nach der Ursache
seiner Traurigkeit fragen mußte. »Ein häuslicher Kummer bedrückt mich«, erwiderte
der alte Held;»forsche nicht weiter, sage mir lieber, was dein fröhlicher Blick
Gutes bringt!« »Kennst du mich denn nicht mehr«, sprach jener, »den alten Diener
des Hyllos, der ein Sohn ist des Herakles und der Deïanira? Du weißt, daß mein
Herr sich auf der Flucht von euch getrennt hat, um Bundesgenossen zu werben.
Nun ist er zur guten Stunde mit einem mächtigen Heere gekommen und steht dem
Könige Eurystheus gerade gegenübergelagert.« Eine freudige Bewegung durchlief
die Schar der Flüchtlinge, die den Altar umringt hielten, und teilte sich auch
den Bürgern mit. Die greise Alkmene selbst lockte diese frohe Botschaft aus
den Frauengemächern des Palastes hervor, und der alte Iolaos, auf keine Widerrede
achtend, ließ sich Streitwaffen bringen und schnallte sich den Harnisch an den
Leib. Er empfahl die Obhut über die Kinder seines Freundes und ihre Ahne den
Ältesten Athens, die in der Stadt zurückblieben. Mit der jungen Mannschaft und
ihrem Könige Demophoon zog er selbst aus, sich mit dem Heere des Hyllos zu vereinigen.
Als nun die verbündete Schar in schöner Schlachtordnung stand und das Feld weithin
von blanken Waffenrüstungen glänzte, gegenüber aber auf einen Steinwurf das
gewaltige Heer des Königs Eurystheus, er selbst an der Spitze, seine unabsehbaren
Reihen dehnte, da stieg Hyllos, der Sohn des Herakles, von seinem Streitwagen,
stellte sich mitten in die Gasse, welche die feindlichen Heere noch frei gelassen
hatten, und rief dem gegenüberstehenden Argiverkönige zu: »Fürst Eurystheus!
ehe überflüssiges Blutvergießen seinen Anfang nimmt und zwei große Städte sich
um weniger Menschen willen bekämpfen und mit Vernichtung bedrohen, höre meinen
Vorschlag! Laß uns beide durch redlichen Zweikampf den Streit entscheiden: falle
ich von deiner Hand, so magst du die Kinder des Herakles, meine Geschwister,
mit dir führen und handeln mit ihnen, wie dir gefällt; wird mir aber gegeben,
dich zu fällen, so soll die väterliche Würde und seine Wohnung und Herrschaft
im Peloponnes mir und den Seinigen allen gesichert sein!« Das Heer der Verbündeten
gab durch lauten Zuruf seinen Beifall zu erkennen, und auch die Scharen der
Argiver murrten zustimmend herüber. Nur der arge Eurystheus, wie er schon vor
Herakles seine Feigheit bewiesen hatte, schonte auch jetzt seines Lebens, wollte
von dem Vorschlage nichts hören und verließ die Schlachtreihe nicht, an deren
Spitze er stand. Auch Hyllos trat jetzt wieder zu seinem Heere zurück, die Seher
opferten, und bald ertönte der Schlachtruf »Mitbürger«, rief Demophoon den Seinigen
zu, »bedenkt, daß ihr für Haus und Herd, für die Stadt, die euch geboren und
ernähret hat, kämpft!« Auf der andern Seite beschwor Eurystheus die Seinigen,
Argos und Mykene keinen Schimpf anzutun und dem Rufe dieses mächtigen Staates
Ehre zu machen. Jetzt ertönten die tyrrhenischen Trompeten, Schild klang an
Schild; Geräusch der Wagen, Stoß der Speere, Klirren der Schwerter erscholl,
und dazwischen der Wehruf der Gefallenen. Einen Augenblick wichen die Verbündeten
der Herakliden vor dem Stoße der argivischen Lanzen, die ihre Reihen zu durchbrechen
drohten; doch bald wehrten sie die Feinde ab und rückten selbst vor; nun entstand
erst das rechte Handgemenge, das den Kampf lange unentschieden ließ. Endlich
wankte die Schlachtordnung der Argiver, ihre Schwerbewaffneten und ihre Streitwagen
wandten sich zur Flucht. Da kam auch den alten Iolaos die Lust an, seine Greisenjahre
noch durch eine Tat zu verherrlichen, und als eben Hyllos auf seinem Streitwagen
an ihm vorbeirollte, um dem fliehenden Feindesheer in den Nacken zu kommen,
streckte er die Rechte zu ihm empor und bat ihn, daß Hyllos ihn an seiner Statt
den Wagen möge besteigen lassen. Dieser wich ehrerbietig dem Freunde seines
Vaters und dem Beschützer seiner Brüder, er stieg vom Wagen, und statt seiner


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