Gustav Schwab - Die Sagen Trojas
admin am Mrz 29th 2008
In jenem Hafen sammelten sich nun außer den genannten Fürsten mit ihren Schiffen
unzählige andere. Die vornehmsten darunter waren der riesige Ajax, der Sohn
des Telamon aus Salamis, und sein Halbbruder Teucer, der treffliche Bogenschütze;
der kleine, schnelle Ajax aus dem Lokrerlande; Menestheus aus Athen, Askalaphos
und Ialmenos, Söhne des Kriegsgottes, mit ihren Minyern aus Orchomenos; aus
Böotien Peneleos, Arkesilaos, Klonios, Prothoënor; aus Phokis Schedios und Epistrophos;
aus Euböa und mit den Abanten Elephenor; mit einem Teile der Argiver und andern
Peloponnesiern außer Diomedes, Sthenelos, der Sohn des Kapaneus, und Euryalos,
der Sohn des Mekistheus; aus Pylos Nestor der Greis, der schon drei Menschenalter
gesehen; aus Arkadien Agapenor, der Sohn des Ankaios; aus Elis und andern Städten
Amphimachos, Thalpios, Diores und Polyxenos; aus Dulichion und den Echinadischen
Inseln Meges, der Sohn des Phyleus; mit den Ätoliern Thoas, der Sohn des Andraimon;
aus Kreta Idomeneus und Meriones; aus Rhodos der Heraklide Tlepolemos; aus Syme
Nireus, der schönste Mann im griechischen Heere; aus den Kalydnischen Inseln
die Herakliden Pheidippos und Antiphos; aus Phylake Podarkes, Sohn des Iphiklos;
aus Pherai in Thessalien Eumelos, der Sohn des Admet und der frommen Alkestis;
aus Methone, Thaumakia und Meliböa Philoktet; aus Trikka, Ithome und Öchalia
die zwei heilkundigen Männer Podaleirios und Machaon; aus Ormenion und der Umgegend
Eurypylos, der Sohn des Euaimon; aus Argissa und der Gegend Polypötes, der Sohn
des Peirithoos, des Theseusfreundes; Guneus aus Kyphos, Prothoos aus Magnesia.
Dies waren nebst den Atriden, Odysseus und Achill die Fürsten und Gebieter
der Griechen, die, keiner mit wenigen Schiffen, sich in Aulis sammelten. Die
Griechen selbst wurden damals bald Danaer genannt, von dem alten ägyptischen
Könige Danaos her, der sich zu Argos im Peloponnese niedergelassen hatte, bald
Argiver, von der mächtigsten Landschaft Griechenlands, Argolis oder dem Argiverlande;
bald Achajer oder Achiver, von dem alten Namen Griechenlands Achaja. Später
heißen sie Griechen, von Graikos, dem Sohne des Thessalos, und Hellenen, von
Hellen, dem Sohne des Deukalion und der Pyrrha.
Botschaft der Griechen an Priamos
Unterdessen, solange die Ausrüstung der Griechen sich vorbereitete, ward von
Agamemnon im Rate seiner Vertrauten und der Häupter des Volkes, um auch gütliche
Mittel nicht unversucht zu lassen, beschlossen, daß eine Gesandtschaft nach
Troja an den König Priamos abgehen sollte, um sich über die Verletzung des Völkerrechts
und den Raub der griechischen Fürstin zu beschweren und die entrissene Gattin
des Fürsten Menelaos samt ihren Schätzen zurückzufordern. Es wurden hierzu in
der Versammlung der Kriegshäupter Palamedes, Odysseus und Menelaos auserwählt;
und obgleich Odysseus im Herzen der Todfeind des Palamedes war, so unterwarf
er sich doch zum gemeinen Besten der Einsicht dieses Fürsten, der in dem griechischen
Heere um seines Verstandes und seiner Erfahrung willen hoch gefeiert war, und
überließ ihm willig die Ehre, am Hofe des Königs Priamos als Sprecher aufzutreten.
Die Trojaner und ihr König waren über die Ankunft einer Gesandtschaft, die
mit einer ansehnlichen Schiffsrüstung erschien, in kein geringes Staunen versetzt.
Sie wußten von der unmittelbaren Ursache der Sendung noch nichts; denn Paris
verweilte noch immer mit seiner geraubten Gattin auf der Insel Kranaë und war
in Troja verschollen. Priamos und sein Volk glaubten deswegen nicht anders,
als der trojanische Kriegszug, der die Gesandtschaft des Paris und die Zurückforderung
der Hesione unterstützen sollte, habe Widerstand in Griechenland gefunden, und
jetzt nach seiner Vernichtung würden die Griechen, übermütig geworden, über
die See herbeikommen, die Trojaner in ihrem eigenen Lande anzufallen. Die Nachricht,
daß sich griechische Gesandte der Stadt näherten, versetzte sie daher in nicht
geringe Spannung. Indessen öffneten sich jenen die Tore willig, und die drei
Fürsten wurden sofort in den Palast des Priamos und vor den König selbst geführt,
der seine zahlreichen Söhne und die Häupter der Stadt zu einem Rate zusammenberufen
hatte. Palamedes ergriff vor dem Könige das Wort und beklagte sich bitter im
Namen aller Griechen über die schändliche Verletzung des Gastrechts, die sich
sein Sohn Paris durch den Raub der Königin Helena zuschulden kommen lassen.
Dann entwickelte er die Gefahren eines Krieges, die dem Reiche des Priamos aus
dieser Untat erwüchsen, zählte die Namen der mächtigsten Fürsten Griechenlands
auf, die mit allen ihren Völkern auf mehr als tausend Schiffen vor Troja erscheinen
würden, und verlangte die gütliche Auslieferung der geraubten Fürstin. »Du weißt
nicht, o König«, so schloß er seine Rede, »was für Sterbliche durch deinen Sohn
beschimpft worden sind: es sind die Griechen, die alle lieber sterben, als daß
einem einzigen von ihnen durch einen Fremdling ungerechte Kränkung widerfahre.
Sie hoffen aber, indem sie dieses Unrecht zu rächen kommen, nicht zu sterben,
sondern zu siegen, denn ihre Zahl ist wie der Sand am Meere, und alle sind von
Heldenmut erfüllt, und alle brennen vor Begierde, die Schmach, die ihrem Volke
widerfahren ist, in dem Urheber zu tilgen. Darum verkündigt euch unser oberster
Feldherr, Agamemnon, König der mächtigen Landschaft Argos und der erste Fürst
Griechenlands, und mit ihm lassen euch alle anderen Fürsten der Danaer sagen:
Gebet die Griechin, die ihr uns gestohlen habt, heraus, oder seid alle des Untergangs
Gerne gelesen werden auch:
Geschrieben in Erzählungen, Sagen | Kein Kommentar bis jetzt