Gustav Schwab - Aus der Heraklessage
admin am Mrz 29th 2008
und seine Söhne. Der König hielt seinen Gast in allen Ehren; im Herz aber erschrak
er gewaltig über dessen Sieg, denn er mußte an das Schicksal der Megara denken
und fürchtete für seine Tochter ein gleiches Los. Er erklärte daher auf die
Anfrage des Helden, sich wegen der Heirat noch längere Zeit zu bedenken zu wollen.
Inzwischen war der älteste Sohn des Eurytos, Iphitos, ein Altersgenosse des
Herakles, der eine neidlose Freude über die Stärke und Heldenherrlichkeit seines
Gastes empfand, sein inniger Freund geworden und wandte alle Künste der Überredung
an, um seinen Vater dem edlen Fremdling geneigter zu machen. Eurystos aber beharrte
auf seiner Weigerung. Gekränkt verließ Herakles das Königshaus und irrte lang
in der Fremde umher. Was ihm hier bei dem Könige Admet begegnet, soll der nächste
Abschnitt erzählen. Mittlerweile kam ein Bote vor den König Eurytos und meldete,
daß ein Räuber unter die Rinderherde des Königes gefallen sei. Es hatte dies
der listige und betrügerische Autolykos verübt, dessen Diebereien weit und breit
bekannt waren. Der erbitterte König aber sprach: »Dies hat kein anderer getan
als Herakles; solche unedle Rache nimmt er, weil ich ihm, dem Mörder seiner
Kinder, die Tochter versagt habe!« Iphitos verteidigte seinen Freund mit warmen
Worten und erbot sich, selbst zu Herakles zu gehen und mit ihm die gestohlenen
Rinder aufzusuchen. Dieser nahm den Königssohn gastlich auf und zeigte sich
bereitwillig, den Zug mit ihm zu übernehmen. Indessen kehrten sie unverrichteter
Dinge zurück, und als sie die Mauern von Tiryns bestiegen hatten, um mit den
Blicken die Gegend durchschweifen und die gestohlenen Rinder irgendwo entdecken
zu können, siehe, da bemächtigte sich der unselige Wahnsinn auf einmal wieder
des Heldengeistes; Herakles, von Heras Zorn getrieben, hielt seinen treuen Freund
Iphitos für einen Mitverschworenen des Vaters und stürzte ihn über die hohen
Stadtmauern von Tiryns hinab.
Herakles bei Admetos
Zu der Zeit, als der Held, aus dem Hause des Königs von Öchalia mit Unwillen
entwichen, in der Irre umherstreifte, hat sich folgendes begeben. Zu Pherai
in Thessalien lebte der edle König Admet mit seiner jungen und schönen Gemahlin
Alkestis, die ihren Gatten über alles liebte, von blühenden Kindern umringt,
von glücklichen Untertanen geliebt. In früherer Zeit, als Apollo, der die Zyklopen
getötet hatte, aus dem Olymp entflohen war und sich gezwungen sah, einem Sterblichen
dienstbar zu werden, hatte ihn Admet, der Sohn des Pheres, liebreich aufgenommen;
ihm hatte er als Sklave die Rinder geweidet. Seitdem stand der König unter dem
wirksamen Schutze des später von seinem Vater Zeus wieder zu Gnaden angenommenen
Gottes. Als nun die Lebenszeit Admets verstrichen und vom Schicksal ihm der
Tod zuerkannt war, da wirkte sein Freund Apollo, dem dies als einem Gotte bewußt,
bei den Schicksalsgöttinnen aus, daß sie ihm gelobten, Admet solle dem Hades,
der ihn bedrohte, entfliehen, wenn ein anderer Mensch für ihn sterben und in
das Totenreich hinabsteigen wollte. Apollo verließ daher den Olymp und kam nach
Pherai zu seinem alten Gastfreunde, ihm und den Seinigen die Botschaft von dem
Tode, den das Geschick über ihn beschlossen, zu überbringen, zugleich aber ihm
das Mittel anzugeben, wodurch er seinem Schicksal zu entrinnen vermöge. Admet
war ein redlicher Mann, aber er liebte das Leben; und auch alle die Seinigen
samt seinen Untertanen erschraken, daß dem Hause die Stütze, der Gattin und
den Kindern Gatte und Vater, dem Volke ein milder Herrscher geraubt werden sollte.
Deswegen ging Admet umher und forschte, wo er einen Freund fände, der für ihn
sterben wollte. Aber da war nicht einer, der dazu Lust gehabt hätte, und sosehr
sie vorher den Verlust, der ihnen bevorstände, bejammert hatten, so kalt wurde
ihr Sinn, als sie hörten, unter welcher Bedingung ihm das Leben erhalten werden
könnte. Selbst der greise Vater des Königes, Pheres, und die gleichfalls hochbetagte
Mutter, die den Tod jede Stunde vor sich sahen, wollten das wenige Leben, das
sie noch zu hoffen hatten, nicht für den Sohn dahingeben. Nur Alkestis, seine
blühende, lebensvolle Gattin, die glückliche Mutter hoffnungsvoll heranblühender
Kinder, war von so reiner und aufopfernder Liebe zu dem Gemahl beseelt, daß
sie sich bereit erklärte, dem Sonnenlichte für ihn zu entsagen. Kaum war diese
Erklärung aus ihrem Munde gegangen, als auch schon der schwarze Priester der
Toten, Thanatos (der Tod), den Toren des Palastes nahte, sein Opfer ins Schattenreich
hinabzuführen. Denn er wußte Tag und Stunde genau, an welchem Admet vom Schicksale
bestimmt gewesen war, zu sterben. Als Apollo den Tod herankommen sah, verließ
er schnell den Königspalast, um, der Gott des Lebens, von seiner Nähe nicht
entheiligt zu werden. Die fromme Alkestis aber, als sie den entscheidenden Tag
sich nahen sah, reinigte sich, als Opfer des Todes, in fließendem Wasser, nahm
festliches Gewand und Geschmeide aus dem Schranke von Zedernholz, und nachdem
sie so sich ganz würdevoll geschmückt, betete sie vor ihrem Hausaltare zur Göttin
der Unterwelt. Dann umschlang sie Kinder und Gemahl und trat endlich, von Tag
zu Tag mehr abgezehrt, zur bestimmten Stunde von ihren Dienerinnen umringt,
an der Seite ihres Gatten und ihrer Kinder, in das Gemach, wo sie den Boten
der Unterwelt empfangen wollte. Hier schickte sie sich zum feierlichen Abschiede
von den Ihrigen an. »Laß mich zu dir reden, was mein Herz begehrt«, sprach sie
Gerne gelesen werden auch:
Geschrieben in Erzählungen, Sagen | Kein Kommentar bis jetzt