Gustav Schwab - Achill neu bewaffnet

admin am Mrz 29th 2008

Trojaner war, und erwog bei sich im Geiste, wie er den gräßlichen Helden in
seiner Arbeit hemmen und die Plage von seinen Schützlingen abwenden könnte.
Achill sprang indessen mit seiner Lanze auf Asteropaios den Päonier, den Sohn
des Pelegon, ein, der, zwei Speere in den Händen, eben aus dem Strome stieg.
Diesem hauchte der Flußgott Mut in die Seele, daß er mit Ingrimm das erbarmungslose
Gemetzel des Peliden überblickte und kühn auf den Mordenden zueilte. »Wer bist
du, der es wagt, mir entgegenzugehen?« rief Achill ihm zu, »nur die Kinder unglückseliger
Eltern begegnen meiner Kraft.« Ihm antwortete Asteropaios: »Was fragst du nach
meinem Geschlechte? Der Enkel des Stromgottes Axios bin ich, Pelegon hat mich
gezeugt; vor elf Tagen bin ich mit meinen Päonen als Bundesgenosse Trojas erschienen.
Jetzt aber kämpfe mit mir, hoher Achill!« Da erhub der Pelide seine Lanze; der
Päonier aber warf zwei Speere zugleich, einen mit jeder Hand, denn er konnte
die linke wie die rechte brauchen: der eine brach das Schildgewölbe des Peliden,
ohne den Schild selbst zu brechen, der andere streifte ihm den rechten Arm am
Ellenbogen, daß das Blut hervorrieselte. Jetzt erst schwang Achill seine Lanze,
aber sie verfehlte den Gegner und fuhr bis zur Hälfte ins Ufer. Dreimal zog
Asteropaios mit seiner nervigen Hand an ihr, ohne sie aus dem Boden herausreißen
zu können. Als er das vierte Mal ansetzte, überfiel ihn Achill mit dem Schwert
und hieb ihn in den Leib, daß alles Gedärme hervordrang und er röchelnd auf
die Erde sank. Der Pelide zog ihm jauchzend die Rüstung ab und ließ den Leichnam
den Aalen zur Uferbeute liegen; dann stürzte er sich unter die Päonier, die
noch voll Angst an dem Flusse umherflogen. Ihrer sieben hatte sein Schwert erschlagen,
und noch wollte er unter ihnen fortwüten, als plötzlich Skamander, der zürnende
Beherrscher des Stromes, in Menschengestalt aus dem tiefen Strudel ernportauchte
und dem Helden zurief. »Pelide, du wütest mit entsetzlichen Taten, mehr als
ein Mensch! Meine Gewässer sind voll von Toten; mit Mühe ergießen sich meine
Ströme ins Meer, laß ab!« »Ich gehorche dir, denn du bist ein Gott«, antwortete
Achill, »aber darum wird mein Arm nicht vom Morde der Trojaner rasten, bis ich
sie in die Stadt zurückgejagt und meine eigene Kraft mit der Kraft Hektors gemessen
habe.« So sprach er und stürzte sich auf die flüchtigen Reihen der Trojaner,
drängte sie aufs neue dem Ufer zu, und als sie sich ins Wasser retteten, sprang,
den Befehl des Gottes vergessend, auch er wieder in den Strudel. Nun fing der
Strom an, wütend zu schwellen, regte seine trüben Fluten auf, warf die Getöteten
mit lautem Gebrüll ans Gestade; seine Brandung schlug schmetternd an den Schild
des Peliden. Dieser, mit den Füßen wankend, faßte eine Ulme mit den Händen,
riß sie aus den Wurzeln und klomm über ihre Äste ans Ufer. Nun flog er über
das Gefilde hin, aber der Flußgott rauschte ihm mit der tosenden Welle nach
und erreichte ihn, so rasch er war. Und sooft er ihm widerstehen wollte, bespülten
die Wogen ihm die Schultern und raubten ihm den Boden unter den Füßen. Da klagte
der Held gen Himmel: »Vater Zeus, erbarmt sich denn keiner der Ewigen meiner,
mich aus der Gewalt des Stroms zu retten? Betrogen hat mich meine Mutter, als
sie weissagte, daß mir der Tod durch Apolls edles Geschoß bereitet sei. Hätte
mich doch Hektor getötet, der Starke den Starken! So aber soll ich des schmählichsten
Todes in den Fluten sterben, wie der Knabe eines Sauhirten, der im Winter durch
den Sturzbach watet und fortgerissen wird!«.

Wie er so jammerte, gesellten sich Poseidon und Athene in Menschengestalt zu
ihm, faßten ihn bei der Hand und trösteten ihn, denn nicht sei ihm vom Schicksale
bestimmt, in den Strom zu sinken. Die Götter schieden wieder, aber Athene füllte
ihn mit Kraft, daß er hoch mit den Knien aus der Flut sprang und das Gefilde
wiedergewann. Aber noch immer ließ Skamander von seinem Zorne nicht ab, vielmehr
bäumte er sich mit immer höherer Brandung und rief laut seinem Bruder Simois
zu: »Komm, Bruder, laß uns beide zusammen die Gewalt dieses Mannes da bändigen;
sonst wirft er uns heute noch die Feste des Priamos in den Staub! Auf, hilf
mir! Nimm die Quellen des Gebirges zu dir, ermuntere jeden Gießbach, hebe deine
Flut hoch, rolle Steinblöcke daher! Nicht seine Kraft, nicht seine Rüstung soll
ihn verteidigen: tief im Sumpfe soll diese liegen, mit Schlamm bedeckt. Ihn
selbst verschütte ich mit Muscheln, Kies und Sand, daß die Argiver selbst seine
Gebeine in dem Wust nicht mehr finden können. So türme ich ihm selbst sein Denkmal
auf, und die Danaer brauchen ihm für kein Rasengrab zu sorgen!« Unter diesem
Zurufe rauschte er mit Schaum, Blut und Leichen auf den Helden daher, daß bald
seine Welle sich über ihm bäumte, indes auch der Strom Simois aus der Ferne
sich herbeimachte.

Hera selbst, voll inniger Angst um ihren Liebling, schrie laut, als sie dieses
sah. Dann sprang sie schnell zu Hephaistos: »Lieber hinkender Sohn, nur deine
Flammen sind dem gewaltigen Strome gewachsen: bringe dem Peliden deine Hilfe;
ich selbst will den West- und Südwind vom Meergestade erregen, daß sie die schreckliche
Glut bis ins Heer der Trojaner hineintragen. Du aber zünde die Bäume am Gestade
des Flusses an und durchlodere ihn selbst; laß dich durch keine Schmeichelei
und durch keine Drohung zurückschrecken, Glut muß die Vertilgung im Zaume halten!«
Auf ihr Wort durchflog die Flamme des Hephaistos das Gefild, und zuerst verbrannte

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