Gustav Schwab - Achill neu bewaffnet

admin am Mrz 29th 2008

mir das Herz zu erfrischen, ihr Freunde; mein Kummer duldet es nicht. Laßt mich
bleiben, wie ich bin, bis die Sonne ins Meer sinkt.« Mit diesen Worten entließ
er die andern Fürsten, und nur die beiden Atriden, Odysseus, Nestor, Idomeneus
und Phönix blieben zurück. Sie alle waren vergebens bestrebt, den Trauernden
aufzuheitern, doch dieser blieb regungslos; und wenn er einmal sprach, so flog
sein Atem schneller, und seine Rede galt dem toten Freunde. »Ach wie oft hast
du mir«, sagte er,»vordem selber, wenn das Heer der Griechen zur Schlacht hinausdrang,
in geschäftiger Hast das labende Frühstück nach dem Zelt gebracht! Jetzt liegst
du erschlagen hier, und mich vermag von all dem reichlichen Vorrat nichts zu
erquicken; Herberes hätte mich nicht treffen können, selbst nicht die Botschaft
vom Tode meines Vaters Peleus oder meines lieben Sohnes Neoptolemos, der mir
in Skyros erzogen wird, wenn er anders noch lebt. Früher tröstete mich immer
noch die Hoffnung, ich würde allein hier sterben dürfen, du aber werdest nach
Phthia heimkehren und meinen Sohn von Skyros abholen, ihn in alle meine Habe
einzusetzen; denn daß mein Vater Peleus, immer den schrecklichen Boten erwartend,
der ihm meinen frühen Tod zu verkündigen käme, längst von Alter und Traurigkeit
niedergebeugt gestorben sei, das ahnt mir ja im Geiste.« So sprach er weinend,
und die Fürsten im Kreise seufzten mit, denn jeder dachte daran, was er im eigenen
Hause von Geliebten zurückgelassen. Mitleidig sah Zeus von seiner Höhe auf die
Trauernden herab, wandte sich schnell zu seiner Tochter Pallas und sagte: »Kümmert
sich denn dein Herz gar nicht mehr um den edlen Helden, trautes Töchterchen,
der dort, während die andern zum Frühmahl hingingen, um seinen Freund wehklagend
dasitzt, ohne Speise und Trank zu berühren? Auf, labe ihm sogleich die Brust
mit Nektar und Ambrosia, daß ihm in der Schlacht kein Hunger nahe!«

Wie ein Adler mit breiten Flügeln schwang sich die Göttin, die längst darnach
verlangt hatte, ihrem Freunde zu helfen, durch den Äther, und während das Heer
sich eifrig zur Schlacht rüstete, flößte sie Nektar und Ambrosia sanft und unvermerkt
in die Brust des Peliden, daß seine Knie ihm nicht im Treffen von Hunger erstarrten.
Dann kehrte sie zum Palast ihres allmächtigen Vaters heim. Inzwischen drangen,
Helm an Helm, Schild an Schild, Harnisch an Harnisch und Lanzen an Lanzen, die
Danaer aus den Schiffen hervor; das ganze Erdreich leuchtete von Erz und dröhnte
von Erz unter ihren Fußtritten. Mitten unter den Dahineilenden bewaffnete sich
Achill, mit den Zähnen knirschend und Glut in den Augen wie feurige Lohe. Er
ergriff das Göttergeschenk, legte zuerst Schienen und Knöchelbedeckung an, dann
bekleidete er die Brust mit dem Harnisch, warf das Schwert um die Schulter und
ergriff den Schild, der dem vollen Mond ähnlich durch den Äther glänzte. Hierauf
setzte er den schweren Helm mit dem hohen goldenen Busch, strahlend wie ein
Gestirn, aufs Haupt, und die Mähne flatterte aus gesponnenem Golde von ihm herab.
Nun versuchte er sich selbst in der Rüstung, ob sie ihm auch genug anpaßte und
sich die Glieder ungehemmt bewegten: und siehe, seine Waffen deuchten ihm wie
Flügel und schienen ihn vom Boden emporheben zu wollen. Jetzt zog er den schweren
gediegenen Speer seines Vaters Peleus, den kein anderer Danaer schwingen könnte,
aus dem schönen Gehäuse; Automedon und Alkimos schirrten die Rosse ein, legten
jedem den Zaum ins Maul und spannten die Zügel über den Wagensitz. In diesen
sprang Automedon, die blanke Geißel fassend, und in Waffen strahlend schwang
sich hinter ihm Achill auf »Ihr unsterblichen Rosse«, rief dieser dem Gespanne
seines Vaters zu, »ich sag es euch, bringt mir, nachdem wir uns in der Schlacht
gesättigt haben, die Helden, die ihr führet, anders ins Heer zurück, als Patroklos
heimgekehrt ist, den ihr tot im Gefilde liegen ließet.« Wie der Held so sprach,
ward ihm ein grauenhaftes Wunderzeichen zuteil: sein Roß Xanthos neigte das
Haupt tief zur Erde, daß die wallende Mähne ganz aus dem Ringe des Joches hervordrang
und bis auf den Boden hinuntersank; und von der Göttin Hera plötzlich mit Sprache
begabt, erteilte es ihm unter dem Joch die traurige Antwort: »Wohl, starker
Achill, führen wir jetzt dich, den Lebenden, rüstig dahin; aber der Tag des
Verderbens ist dir nahe. Nicht unsere Säumnis oder Fahrlässigkeit, sondern das
Verhängnis und die Allmacht der Götter hat dem Patroklos das Leben geraubt und
dem Hektor Siegesruhm gegeben. Wir können mit Zephyros, dem schnellsten der
Winde, um die Wette laufen und ermüden nicht. Dir aber ist vom Geschicke bestimmt,
unter der Hand eines Gottes zu erliegen.« So sprach das Roß und wollte noch
weitersprechen, aber die Macht der Rachegöttinnen hemmte seinen Laut, und Achill
antwortete voll Unmut: »Xanthos, was redest du mir da vom Tode? Es bedarf deiner
Weissagung nicht, weiß ich doch selbst, daß mich, ferne von Vater und Mutter,
das Schicksal hier wegraffen wird. Doch auch so raste ich nicht, bis Trojaner
genug im Kampfe erlegen sind!« So sprach er und lenkte mit lautem Ruf die stampfenden
Rosse vorwärts.
Schlacht der Götter und Menschen

Im Olymp hatte Zeus eine Götterversammlung berufen, in welcher er den Olympischen
erlaubte, beiden Teilen, Trojanern und Griechen, zu helfen, wie einen jeden
die Gesinnung triebe; denn wenn Achill, ohne daß die Götter Anteil an der Schlacht
nähmen, die Trojaner jetzt bekämpfte, so würde er selbst gegen das Schicksal

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