Marie von Ebner-Eschenbach – Mašlans Frau

admin am Jan 26th 2012


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der Priester, »und in seiner schweren

Krankheit auf fremde Leute angewiesen. Wie kommt das? Orientieren Sie mich. Warum ist seine

Frau nicht bei ihm?«

»Sind Hochwürden über die Sachlage nicht in Kenntnis gesetzt worden, bevor der alte Herr

Kanonikus sich von uns verabschiedete? Er war noch da, wie ich zum Kranken gerufen wurde,

gleich nach Ihrer Ankunft hier im Orte. Aber, aber kann’s mir denken; er wird nichts gesagt

haben, er hat von der Geschichte so ungern gesprochen wie der Kaiser Napoleon von der Schlacht

bei Aspern.«

»So? Dann bitte ich Sie um Aufklärung. Hat die Frau nicht hier im Orte ein großes Bauerngut?«

»Das größte nach dem vom Bürgermeister; doch das ihre ist mir lieber. Wegen der

Bewirtschaftung. Wer ihre Felder nicht gesehen hat, hat nichts gesehen. Die Stallungen, und

dann das Haus. Wenn ich die Wahl hätte zwischen dem und dem zugigen Schloß…«

»So«, unterbrach ihn der Geistliche. »Warum lassen Sie also den Mann nicht hierherbringen,

fort aus der kalten, feuchten Mühle?«

»Hierherbringen? Das geht nicht, Hochwürden.«

»Warum?« Dieses Wort fuhr ziemlich barsch heraus, und Doktor Vanka gab sich einen Ruck, saß

jetzt gerade aufgerichtet, und sein dunkles Gesicht nahm etwas Wehmütig Trotziges an.

»Das kann nicht sein«, sagte er noch einmal.

Der Pfarrer stimmte den Ton herab: »Er ist wohl nicht transportabel? Dann soll also seine Frau

ihn pflegen kommen.«

»Das kann sie nicht tun, Hochwürden.«

»Kann nicht? Will nicht. Die Leute leben schlecht, mögen einander nicht.«

»Ich glaube eher, daß sie einander noch gern haben, besonders sie ihn.«

»So? Sie geben mir Rätsel auf. Das ist mir völlig unbegreiflich.«

»Unbegreiflich nicht«, sagte Vanka mit einer Art schonender Überlegenheit. »Aber vertrackt,

verrückt, wie heutzutage alles. Ja, ja, wenn man die Lampe zu hoch hinaufschraubt, raucht

sie.«

»Da heißt’s also zurückschrauben.«

»Das ist nicht immer möglich. Beim Müller Mašlan und seiner Frau ist’s nicht möglich. Herr

Pfarrer lächeln, meinen: Wird doch möglich sein.«

»Sie erraten meine Gedanken. Ich aber kann nicht erraten, wie eine Frau, die ihren Mann gern

hat, es übers Herz bringen kann, ihn sterben zu lassen, ohne sich um ihn zu kümmern.«

»Was das Kümmern betrifft, Hochwürden, da fehlt nichts. An Kummer fehlt’s der Frau so wenig

wie dem Büßer an Geißelhieben. Dürfen sie nicht für eine ordinäre Person halten, o bei weitem!

Ihre Eltern schon waren brave, tüchtige, sehr wohlhabende Leute und die Evi das einzige Kind.

Was das heißt bei reichen Bauern, ich weiß nicht, ob Hochwürden das wissen.«

»Nehmen Sie’s an, Herr Doktor.«

»Dann brauch ich Hochwürden nicht zu versichern: keine Prinzessin wird so verwöhnt. Bei den

hohen Herrschaften gibt’s freilich alles, schöne Kleider, gutes Essen, prächtiges Wohnen, aber

– das eiserne


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