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160. Nacht

Drei Tage nachdem mir dieses Unglück begegnet war, sah
ich mit Erstaunen einen Trupp Polizeidiener und den Kaufmann, der mich
fälschlich als den Dieb des Halsbandes mit Perlen verklagt hatte, zu mir ins
Haus treten. Ich fragte sie, was sie zu mir führte, aber anstatt mir zu
antworten, banden und knebelten sie mich, indem sie mich mit Schimpfreden und
mir sagten, dass das Halsband dem Befehlshaber von Damask gehörte, der es seit
länger als drei Jahren verloren hätte, und dass zu derselben Zeit eine seiner
Töchter verschwunden wäre. Stellt euch den Zustand vor, in welchen mich diese
Nachricht versetzte! Ich fasste jedoch einen Entschluss. „Ich werde dem
Befehlshaber die Wahrheit sagen,“ sagte ich zu mir selbst. „Es wird
von ihm abhängen, mir zu verzeihen, oder mich töten zu lassen.“

Als man mich vor ihn brachte, bemerkte ich, dass er mich
mit einem mitleidigen Auge ansah, und das war eine gute Vorbedeutung. Er ließ
mich entfesseln, und sagte hierauf, indem er sich an den Juwelenhändler, der
mein Ankläger war, und an meinen Hausherrn wandte:

„Ist das der Mensch, der das Perlenhalsband zum
Verkauf ausgeboten hat?“ Sie hatten ihm kaum mit ja geantwortet, als er
fort fuhr: „Ich bin überzeugt, dass er das Halsband nicht gestohlen hat,
und ich bin sehr erstaunt, dass man ihm eine so große Ungerechtigkeit hat
widerfahren lassen.“ Durch diese Worte ermutigt, rief ich aus: „Herr,
ich schwöre euch, dass ich in der Tat sehr unschuldig bin. Ich bin sogar
überzeugt, dass das Halsband meinem Ankläger, den ich niemals gesehen habe,
und dessen Treulosigkeit an meiner unwürdigen Behandlung schuld ist, nie
gehört hat. Es ist wahr, dass ich den Diebstahl eingestanden habe, aber ich
habe dieses Geständnis wider mein Gewissen, von Qualen bedrängt und aus einer
Ursache abgelegt, die ich euch zu sagen bereit bin, wenn ihr die Güte haben
wollt, mich anzuhören.“ – „Ich weiß bereits genug,“ sagte der
Befehlshaber, „um euch sogleich einen Teil der Gerechtigkeit, den ich euch
schuldig bin, widerfahren zu lassen. Man führe,“ fügte er hinzu,
„den falschen Ankläger fort, und lasse ihn dieselbe Strafe erleiden, die
er diesen jungen Mann, dessen Unschuld mir bekannt ist, hat erleiden
lassen.“

Man vollstreckte diesen Befehl auf der Stelle: Der
Juwelenhändler wurde abgeführt und nach Verdienst bestraft. Nachdem hierauf
der Befehlshaber alle Gegenwärtigen hatte hinausgehen lassen, sagte er zu mir:
„Mein Sohn, erzählt mir ohne Furcht, wie dies Halsband in eure Hände
gekommen ist, und verschweigt mir nichts.“

Hierauf entdeckte ich ihm alles Vorgefallene, und gestand
ihm, dass ich lieber für einen Dieb gelten würde, als dieses traurige
Abenteuer kund machen wollen. „Großer Gott,“ rief der Befehlshaber,
als ich meine Erzählung beendet hatte, aus, „deine Ratschlüsse sind
unerforschlich, und wir müssen uns ihnen ohne Murren unterwerfen! Ich empfange
mit vollkommener Unterwerfung den Streich, welcher mich nach deinem Gefallen
getroffen hat.“ Hierauf sagte er, seine Worte an mich richtend: „Mein
Sohn, nachdem ich nun von dir die Ursache deines Unglücks, welches mich sehr
betrübt, erfahren habe, will ich dir auch das meinige erzählen. Wisse, dass
ich der Vater der beiden Frauen bin, von welchen du mir eben erzählt
hast.“