Marie von Ebner-Eschenbach – Krambambuli
admin am Jan 26th 2012
Marie von Ebner-Eschenbach
Krambambuli
Vorliebe empfindet der Mensch für allerlei Gegenstände. Liebe, die echte, unvergängliche, die
lernt er – wenn überhaupt – nur einmal kennen. So wenigstens meint der Herr Revierjäger Hopp.
Wie viele Hunde hat er schon gehabt, und auch gern gehabt, aber lieb, was man sagt lieb und
unvergeßlich, ist ihm nur einer gewesen – der Krambambuli. Er hatte ihn im Wirtshause Zum
Löwen in Wischau von einem vazierenden Forstgehilfen gekauft oder eigentlich eingetauscht.
Gleich beim ersten Anblick des Hundes war er von der Zuneigung ergriffen worden, die dauern
sollte bis zu seinem letzten Atemzuge. Dem Herrn des schönen Tieres, der am Tische vor einem
geleerten Branntweingläschen saß und über den Wirt schimpfte, weil dieser kein zweites umsonst
hergeben wollte, sah der Lump aus den Augen. Ein kleiner Kerl, noch jung und doch so fahl wie
ein abgestorbener Baum, mit gelbem Haar und gelbem spärlichem Barte. Der Jägerrock, vermutlich
ein Überrest aus der vergangenen Herrlichkeit des letzten Dienstes, trug die Spuren einer im
nassen Straßengraben zugebrachten Nacht. Obwohl sich Hopp ungern in schlechte Gesellschaft
begab, nahm er trotzdem Platz neben dem Burschen und begann sogleich ein Gespräch mit ihm. Da
bekam er es denn bald heraus, daß der Nichtsnutz den Stutzen und die Jagdtasche dem Wirt
bereits als Pfänder ausgeliefert hatte und daß er jetzt auch den Hund als solches hergeben
möchte; der Wirt jedoch, der schmutzige Leuteschinder, wollte von einem Pfand, das gefüttert
werden muß, nichts hören.
Herr Hopp sagte vorerst kein Wort von dem Wohlgefallen, das er an dem Hunde gefunden hatte,
ließ aber eine Flasche von dem guten Danziger Kirschbranntwein bringen, den der Löwenwirt
damals führte, und schenkte dem Vazierenden fleißig ein. – Nun, in einer Stunde war alles in
Ordnung. Der Jäger gab zwölf Flaschen von demselben
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