Archiv für Oktober, 2011

William Shakespeare – Was ihr wollt

admin am Okt 25th 2011

William Shakespeare: Was ihr wollt

Erster Aufzug

Erste Scene

Der Pallast.

Der Herzog, Curio, und etliche Herren vom Hofe treten auf.

Herzog.

Wenn Musik die Nahrung der Liebe ist, so spielt fort; stopft mich voll damit, ob vielleicht meine Liebe von Ueberfüllung krank werden, und so sterben mag – - Dieses Passage noch einmal; – - es hat einen so sterbenden Fall: O, es schlüpfte über mein Ohr hin, wie ein sanfter Südwind, der Gerüche gebend und stehlend über ein Violen-Bette hinsäuselt. – - Genug! nichts mehr! Es ist nicht mehr so anmuthig, als es vorhin war. O Geist der Liebe, wie sprudelnd und launisch bist du! weit und unersättlich wie die See, aber auch darinn ihr ähnlich, daß nichts da hineinkömmt, von so hohem Werth es auch immer sey, das nicht in einer Minute von seinem Werth herab und zu Boden sinke – -

Curio.

Wollt ihr jagen gehen, Gnädigster Herr?

Herzog.

Was?

Curio.

Den Hirsch.

Herzog.

- – Wie? das wäre das edelste was ich habe: O, wie ich Olivia zum erstenmal sah, däuchte mich, sie reinigte die Luft von einem giftigen Nebel; von diesem Augenblik an ward’ ich in einen Hirsch verwandelt, und meine Begierden, gleich wilden, hungrigen Hunden, verfolgen mich seither – - Valentin tritt auf. Nun, was für eine Zeitung bringt ihr mir von ihr?

Valentin.

Gnädigster Herr, ich wurde nicht vorgelassen; alles was ich statt einer Antwort erhalten konnte, war, daß ihr Kammer-Mädchen mir sagte, die Luft selbst sollte in den nächsten sieben Jahren ihr Gesicht nicht bloß zu sehen kriegen; sondern gleich einer Kloster-Frau will sie in einem Schleyer herum gehen, und alle Tage ein mal ihr Zimmer rund herum mit Thränen begiessen: Alles diß aus Liebe zu einem verstorbenen Bruder, dessen Andenken sie immer frisch und lebendig in ihrem Herzen erhalten will.

Herzog.

O, Sie, die ein so fühlendes Herz hat, daß sie einen Bruder so sehr zu lieben fähig ist; wie wird sie lieben, wenn


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Shakespeare – Viel Lärm um nichts

admin am Okt 25th 2011

Shakespeare: Viel Lärm um nichts

Erster Aufzug

Erste Szene

Leonato, Hero, Beatrice und ein Bote treten auf

Leonato.

Ich sehe aus diesem Briefe, daß Don Pedro von Arragon diesen Abend in Messina eintrifft.

Bote.

Er kann nicht mehr weit sein: er war kaum drei Meilen von der Stadt entfernt, als ich ihn verließ.

Leonato.

Wieviel Edelleute habt ihr in diesem Treffen verloren?

Bote.

Überhaupt nur wenig Offiziere, und keinen von großem Namen.

Leonato.

Ein Sieg gilt doppelt, wenn der Feldherr seine volle Zahl wieder heimbringt. Wie ich sehe, hat Don Pedro einem jungen Florentiner, namens Claudio, große Ehre erwiesen.

Bote.

Die er seinerseits sehr wohl verdient und Don Pedro nicht minder nach Verdienst erkennt. Er hat mehr gehalten, als seine Jugend versprach, und in der Gestalt eines Lammes die Taten eines Löwen vollbracht; ja, wahrlich, es sind alle Erwartungen noch trefflicher von ihm übertroffen, als Ihr erwarten dürft, von mir erzählt zu hören.

Leonato.

Er hat einen Oheim hier in Messina, welchem diese Nachricht sehr lieb sein wird.

Bote.

Ich habe ihm schon Briefe überbracht, und er scheint große Freude daran zu haben; so große Freude, daß es schien, sie könne sich nicht ohne ein Zeichen von Schmerz bescheiden genug darstellen.

Leonato.

Brach er in Tränen aus?

Bote.

In großem Maß.

Leonato.

Eine zärtliche Ergießung der Zärtlichkeit. Keine Gesichter sind echter, als die so gewaschen werden. Wieviel besser ist’s, über die Freude zu weinen, als sich am Weinen zu freuen.

Beatrice.

Sagt mir doch, ist Signor Schlachtschwert aus dem Feldzug wieder heimgekommen? oder noch nicht?

Bote.

Ich kenne keinen unter diesem Namen, mein Fräulein. Es wird keiner von den Offizieren so genannt.

Leonato.

Nach wem fragt Ihr, Nichte?

Hero.

Meine Muhme meint den Signor Benedikt von Padua.

Bote.

Oh, der ist zurück und immer noch so aufgeräumt als


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William Shakespeare – Romeo und Juliette

admin am Okt 25th 2011

William Shakespeare: Romeo und Juliette

Übersetzt von Christoph Martin Wieland

Personen.

Escalus, Fürst von Verona. Paris, ein junger Cavalier, dem Fürsten verwandt, und Juliettens Liebhaber. Montague und Capulet, die Häupter von zween edlen Geschlechtern, die in Feindschaft mit einander stehen. Romeo, Montaguens Sohn. Mercutio, ein Verwandter des Fürsten, und Romeos Freund. Benvolio, Vetter und Freund des Romeo. Tybalt, Neffe des Capulet. Bruder Lorenz und Bruder Johann, Mönche. Balthasar, Bedienter von Romeo. Ein Edelknabe des Paris. Sampson und Gregorio, Capulets Bediente. Abraham, ein Bedienter von Montague. Ein Apotheker. Simon Kazen-Darm, Hug Leyermann und Samuel Windlade, Musicanten. Peter, der Amme Diener. Lady Montague. Lady Capulet. Julietta, Capulets Tochter. Die Amme derselben. Bürger von Verona, Masken, Trabanten, Wache, und andre stumme Personen.

Die Scene ist im Anfang des fünften Aufzugs in Mantua, und sonst immer in Verona.

Erster Aufzug.

Erste Scene.

Eine Strasse in Verona.

Sampson und Gregorio, zween Bediente der Capulets, treten mit Schwerdtern und Schilden bewaffnet auf, und ermuntern einander sich tapfer gegen die Montägues zu halten; ihre ganze Unterredung ist ein Gewebe von Wortspielen, Doppelsinn und Zoten. Abraham und Balthasar zu den Vorigen.

Gregorio zu Sampson.

Zieh vom Leder, hier kommen ein Paar von den Montägischen – -

Sampson.

Meine Fuchtel ist heraus; fang nur Händel an, ich will dir den Weg weisen – -

Gregorio.

So? Willt du davon lauffen?

Sampson.

Sey ohne Sorge, ich will stehen wie eine Mauer; aber es ist doch das Sicherste, wenn wir das Gesez auf unsrer Seite haben; wir wollen sie anfangen lassen.

Gregorio.

Ich will die Nase rümpfen, indem ich bey ihnen vorbeygehe; sie mögen’s dann aufnehmen, wie sie es verstehen.

Sampson.

Oder wie sie das Herz dazu haben. Ich will meinen Daumen gegen sie beissen, welches eine Beschimpfung für sie ist,


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William Shakespeare – Macbeth

admin am Okt 25th 2011

William Shakespeare: Macbeth

Übersetzt von Dorothea Tieck

PERSONEN

DUNCAN, König von Schottland

MALCOLM

DONALBAIN, seine Söhne

MACBETH

BANQUO, Anführer des königlichen Heeres

MACDUFF

LENOX

ROSSE

MENTETH

ANGUS

CATHNESS, schottische Edelleute

FLEANCE, Banquos Sohn

SIWARD, Graf von Northumberland, Führer der englischen Truppen

Der JUNGE SIWARD, sein Sohn

SEYTON, ein Offizier in Macbeths Gefolge

Macduffs kleiner SOHN

Ein englischer ARZT

Ein schottischer ARZT

Ein KRIEGER

Ein PFÖRTNER

Ein ALTER MANN

Ein LORD

Drei MÖRDER

Verschiedene DIENER und BOTEN

LADY MACBETH

LADY MACDUFF

KAMMERFRAU der Lady Macbeth

HEKATE und drei HEXEN

Lords und Ladies, Edelleute, Anführer und Soldaten, Mörder, Gefolge und Boten.

BANQUOS GEIST und andere ERSCHEINUNGEN

(Szene: Schottland, hauptsächlich in Macbeths Schloß. Zu Ende des vierten Aktes: England)

ERSTER AKT

ERSTE SZENE

(Ein freier Platz, Donner und Blitz)

(Drei Hexen treten auf.)

ERSTE HEXE Wann treffen wir drei uns das nächstemal Bei Regen, Donner, Wetterstrahl?

ZWEITE HEXE Wenn der Wirrwarr ist zerronnen, Schlacht verloren und gewonnen.

DRITTE HEXE Noch vor Untergang der Sonnen.

ERSTE HEXE Wo der Ort

ZWEITE HEXE Die Heide dort!

DRITTE HEXE Da zu treffen Macbeth. Fort!

ERSTE HEXE Ich komme, Graupelz.

ALLE Kröte ruft;–sogleich! Schön ist wüst, und wüst ist schön. Wirbelt durch Nebel und Wolkenhöhn!

(Sie verschwinden.)

ZWEITE SZENE

([Freies Feld] Ein Lager bei Fores)

(Kriegsgeschrei hinter der Bühne. Es treten auf der König Duncan, Malcolm, Donalbain, Lenox, Gefolge; ein blutender Krieger kommt ihnen entgegen.)

DUNCAN Wer ist der blutige Mann? Er kann berichten, Nach seinem Ansehn scheints, den neusten Stand Des Aufruhrs.

MALCOLM Dies ist ja der Kämpfer, Der mich als kecker, mutiger Soldat Aus meinen Feinden hieb.–Heil, tapfrer Freund!


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William Shakespeare – Julius Cäsar

admin am Okt 25th 2011

William Shakespeare: Julius Cäsar

Erster Aufzug

Erste Szene

Rom. Eine Straße

Flavius, Marullus und ein Haufe von Bürgern

Flavius.

Packt euch nach Haus, ihr Tagediebe! fort!

Ist dies ein Feiertag! Was? wißt ihr nicht,

Daß ihr als Handwerksleut an Werkeltagen

Nicht ohn ein Zeichen der Hantierung dürft

Umhergehn? – Welch’ Gewerbe treibst du? sprich!

Erster Bürger.

Nun, Herr, ich bin ein Zimmermann.

Marullus.

Wo ist dein ledern Schurzfell und dein Maß?

Was machst du hier in deinen Sonntagskleidern? -

Ihr, Freund, was treibt Ihr?

Zweiter Bürger.

Die Wahrheit zu gestehn, Herr, gegen einen feinen Arbeiter gehalten, mache ich nur, sozusagen, Flickwerk.

Marullus.

Doch welch Gewerb? Antworte gradezu.

Zweiter Bürger.

Ein Gewerbe, Herr, das ich mit gutem Gewissen treiben kann, wie ich hoffe. Es besteht darin, einen schlechten Wandel zu verbessern.

Marullus.

Welch ein Gewerb, du Schuft? welch ein Gewerb?

Zweiter Bürger.

Nein, ich bitte Euch, Herr, laßt Euch die Geduld nicht reißen. Wenn aber ja was reißt, so gebt Euch nur in meine Hand.

Marullus.

Was meinst du damit? Mich in deine Hand geben, du naseweiser Bursch?

Zweiter Bürger.

Nun ja, Herr, damit ich Euch flicken kann.

Flavius.

Du bist ein Schuhflicker, nicht wahr?

Zweiter Bürger.

Im Ernst, Herr, ich bin ein Wundarzt für alte Schuhe: wenn’s gefährlich mit ihnen steht, so mache ich sie wieder heil. So hübsche Leute, als jemals auf Rindsleder getreten, sind auf meiner Hände Werk einhergegangen.

Flavius.

Doch warum bist du in der Werkstatt nicht?

Was führst du diese Leute durch die Gassen?

Zweiter Bürger.

Meiner Treu, Herr, um ihre Schuhe abzunutzen, damit ich wieder Arbeit kriege. Doch im Ernst, Herr, wir machen Feiertag, um den Cäsar zu sehen und uns über seinen Triumph zu freuen.

Marullus.

Warum euch freun? Was hat er wohl erobert?

Was für Besiegte führt


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William Shakespeare – Ein Sommernachtstraum

admin am Okt 25th 2011

William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum

Erster Aufzug

Erste Szene

Ein Saal im Palaste des Theseus

Theseus, Hippolyta, Philostrat und Gefolge treten auf

Theseus.

Nun rückt, Hippolyta, die Hochzeitsstunde

Mit Eil heran; vier frohe Tage bringen

Den neuen Mond; doch, o wie langsam nimmt

Der alte ab! Er hält mein Sehnen hin,

Gleich einer Witwe, deren dürres Alter

Von ihres Stiefsohns Renten lange zehrt.

Hippolyta.

Vier Tage tauchen sich ja schnell in Nächte,

Vier Nächte träumen schnell die Zeit hinweg:

Dann soll der Mond, gleich einem Silberbogen,

Am Himmel neu gespannt, die Nacht beschaun

Von unserm Fest.

Theseus.

Geh, Philostrat, berufe

Die junge Welt Athens zu Lustbarkeiten!

Erweck den raschen, leichten Geist der Lust,

Den Gram verweise hin zu Leichenzügen:

Der bleiche Gast geziemt nicht unserm Pomp.

(Philostrat ab.)

Hippolyta! ich habe mit dem Schwert

Um dich gebuhlt, durch angetanes Leid

Dein Herz gewonnen; doch ich stimme nun

Aus einem andern Ton, mit Pomp, Triumph,

Bankett und Spielen die Vermählung an. Egeus, Hermia, Lysander und Demetrius treten auf.

Egeus.

Dem großen Theseus, unserm Herzog, Heil!

Theseus.

Mein guter Egeus, Dank! Was bringst du Neues?

Egeus.

Verdrusses voll erschein ich und verklage

Mein Kind hier, meine Tochter Hermia. -

Tritt her, Demetrius. – Erlauchter Herr,

Dem da verhieß mein Wort zum Weibe sie.

Tritt her, Lysander. – Und, mein gnädger Fürst,

Der da betörte meines Kindes Herz.

Ja! Du, Lysander, du hast Liebespfänder

Mit ihr getauscht: du stecktest Reim ihr zu;

Du sangst im Mondlicht unter ihrem Fenster

Mit falscher Stimme Lieder falscher Liebe;

Du stahlst den Abdruck ihrer Phantasie

Mit Flechten deines Haares, buntem Tand,

Mit Ringen, Sträußen, Näschereien (Boten

Von viel Gewicht bei unbefangner Jugend);

Entwandest meiner Tochter Herz mit


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Shakespeare – Der Kaufmann von Venedig

admin am Okt 25th 2011

Shakespeare: Der Kaufmann von Venedig

Erster Aufzug

Erste Szene

Venedig. Eine Straße

Antonio, Salarino und Solanio treten auf

Antonio.

Fürwahr, ich weiß nicht, was mich traurig macht;

Ich bin es satt; ihr sagt, das seid ihr auch.

Doch wie ich dran kam, wie mir’s angeweht,

Von was für Stoff es ist, woraus erzeugt,

Das soll ich erst erfahren.

Und solchen Dummkopf macht aus mir die Schwermut,

Ich kenne mit genauer Not mich selbst.

Salarino.

Eur Sinn treibt auf dem Ozean umher,

Wo Eure Galeonen, stolz besegelt,

Wie Herrn und reiche Bürger auf der Flut,

Als wären sie das Schaugepräng der See,

Hinwegsehn über kleines Handelsvolk,

Das sie begrüßet, sich vor ihnen neigt,

Wie sie vorbeiziehn mit gewebten Schwingen.

Solanio.

Herr, glaubt mir, hätt ich soviel auf dem Spiel,

Das beste Teil von meinem Herzen wäre

Bei meiner Hoffnung auswärts. Immer würd ich

Gras pflücken, um den Zug des Winds zu sehn;

Nach Häfen, Reed’ und Damm in Karten gucken,

Und alles, was mich Unglück fürchten ließ

Für meine Ladungen, würd ohne Zweifel

Mich traurig machen.

Salarino.

Mein Hauch, der meine Suppe kühlte, würde

Mir Fieberschauer anwehn, dächt ich dran,

Wieviel zur See ein starker Wind kann schaden.

Ich könnte nicht die Sanduhr rinnen sehn,

So dächt ich gleich an Seichten und an Bänke,

Säh meinen «reichen Hans» im Sande fest,

Das Haupt bis unter seine Rippen neigend,

Sein Grab zu küssen. Ging ich in die Kirche

Und säh das heilige Gebäu’ von Stein,

Sollt ich nicht gleich an schlimme Felsen denken,

Die an das zarte Schiff nur rühren dürfen,

So streut es auf den Strom all sein Gewürz

Und hüllt die wilde Flut in meine Seiden.

Und kurz, jetzt eben dies Vermögen noch,

Nun gar keins mehr? Soll ich, daran zu denken,

Gedanken haben und mir doch nicht denken,

Daß solch ein Fall mich traurig machen


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Shakespeare – Das Winter-Mährchen

admin am Okt 25th 2011

Shakespeare: Das Winter-Mährchen

Erster Aufzug.

Erste Scene.

Ein Vorzimmer in Leontes Pallast. Die Scene eröfnet sich mit einem höflichen Complimenten-Wechsel zwischen Archidamus, einem böhmischen Edelmann, (der mit seinem Herrn, dem König Polixenes sich an dem Hofe des Königs von Sicilien auf einen Besuch aufgehalten, und im Begriff ist denselben wieder zu verlassen) und Camillo, einem Sicilianischen Cavalier. Man erfährt dadurch, daß zwischen beyden Königen vor ihrer Jugend an die vertrauteste Freundschaft obgewaltet, und bisher aufs sorgfältigste unterhalten worden; und daß der König in Sicilien gesonnen sey, seinem Freunde auf den nächsten Sommer den Gegen-Besuch abzustatten – - In dem Rest dieser Scene ist die Rede von dem Prinzen Mamillius. Ihr seyd sehr glüklich (sagt Archidamus) einen so vortreflichen jungen Prinzen als Mamillius ist, zu haben; niemals hab ich einen jungen Herrn von so grosser Hoffnung gesehen. Ich bin eurer Meynung (versezt Camillo) es ist ein liebenswürdiges Kind: in der That, es ist ein Vergnügen ihn anzuschauen, und alte Leute dünken sich bey seinem Anblik wieder jung: Leute, die auf Krüken giengen, eh er gebohren ward, wünschen izt zu leben, bis er ein Mann seyn werde. Würden sie sonst gerne sterben, wenn das nicht wäre? erwiedert Archidamus. Ja (sagt Camillo) wenn sie keinen andern Vorwand hätten. Hätte der König keinen Sohn, (versezt Archidamus) so würden sie so lange auf ihren Krüken leben wollen, bis er einen hätte.

Zweyte Scene.

Das Königliche Zimmer eröffnet sich. Leontes, Hermione, Mamillius, Polyxenes und Gefolge treten auf.

Polixenes.

Es sind nun neun Monate seitdem wir unsern Thron ledig verlassen haben: Wir würden eben so viele Monate, mein Bruder, mit Danksagungen ausfüllen, und dennoch als euer ewiger Schuldner von hinnen gehen: Lasset also ein einziges Wir danken euch, gleich einer Cypher die an einem vielbedeutenden Plaz steht, die Bedeutung


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Theodor Storm – Pole Poppenspäler

admin am Okt 25th 2011

Theodor Storm: Pole Poppenspäler

Novelle (1874)

Ich hatte in meiner Jugend einige Fertigkeit im Drechseln und beschäftigte mich sogar wohl etwas mehr damit, als meinen gelehrten Studien zuträglich war; wenigstens geschah es, daß mich eines Tags der Subrektor bei Rückgabe eines nicht eben fehlerlosen Exerzitiums seltsamerweise fragte, ob ich vielleicht wieder eine Nähschraube zu meiner Schwester Geburtstag gedrechselt hätte. Solch kleine Nachteile wurden indessen mehr als aufgewogen durch die Bekanntschaft mit einem trefflichen Manne, die mir infolge jener Beschäftigung zuteil wurde. Dieser Mann war der Kunstdrechsler und Mechanikus Paul Paulsen, auch deputierter Bürger unserer Stadt. Auf die Bitte meines Vaters, der für alles, was er mich unternehmen sah, eine gewisse Gründlichkeit forderte, verstand er sich dazu, mir die für meine kleinen Arbeiten erforderlichen Handgriffe beizubringen.

Paulsen besaß mannigfache Kenntnisse und war dabei nicht nur von anerkannter Tüchtigkeit in seinem eignen Handwerk, sondern er hatte auch eine Einsicht in die künftige Entwicklung der Gewerke überhaupt, so daß bei manchem, was jetzt als neue Wahrheit verkündigt wird, mir plötzlich einfällt: das hat dein alter Paulsen ja schon vor vierzig Jahren gesagt. – Es gelang mir bald, seine Zuneigung zu erwerben, und er sah es gern, wenn ich noch außer den festgesetzten Stunden am Feierabend einmal zu ihm kam. Dann saßen wir entweder in der Werkstätte oder sommers – denn unser Verkehr hat jahrelang gedauert – auf der Bank unter der großen Linde seines Gärtchens. In den Gesprächen, die wir dabei führten, oder vielmehr, welche mein älterer Freund dabei mit mir führte, lernte ich Dinge kennen und auf Dinge meine Gedanken richten, von denen, so wichtig sie im Leben sind, ich später selbst in meinen Primaner-Schulbüchern keine Spur gefunden habe.

Paulsen war seiner Abkunft nach ein Friese und der Charakter dieses Volksstammes aufs schönste in


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Theodor Storm – Gedichte

admin am Okt 25th 2011

Theodor Storm: Gedichte

Über die Heide

Über die Heide hallet mein Schritt;
Dumpf aus der Erde wandert es mit.
Herbst ist gekommen, Frühling ist weit -
Gab es denn einmal selige Zeit?
Brauende Nebel geisten umher;
Schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.
Wär ich hier nur nicht gegangen im Mai!
Leben und Liebe – wie flog es vorbei!

1. Januar 1851

Sie halten Siegesfest, sie ziehn die Stadt entlang;
Sie meinen, Schleswig-Holstein zu begraben.
Brich nicht, mein Herz! Noch sollst du Freude haben;
Wir haben Kinder noch, wir haben Knaben,
Und auch wir selber leben, Gott sei Dank!

15. September 1857

Hab ich ein Leides dir getan,
Du klagst mich bei mir selber an;
Gibst dich, bis alles wieder gut,
In deines bösen Mannes Hut,
Und läßt mit stillem Wort nicht ab,
Bis ich gerecht gerichtet hab.

1864

Ein Raunen erst und dann ein Reden;
Von allen Seiten kam’s herbei,
Des Volkes Mund ward laut und lauter,
Die Luft schlug Wellen von Geschrei.
Und die sich stets entgegenstemmen
Dem Geist, der größer ist als sie,
Sie waren in den Kampf gerissen
Und wußten selber kaum noch wie.
Sie standen an den deutschen Marken
Dem Feind entgegen unverwandt,
Und waren, eh sie es bedachten,
Das Schwert in ihres Volkes Hand.

Abends

Warum duften die Levkoien so viel schöner bei der Nacht?
Warum brennen deine Lippen so viel röter bei der Nacht?
Warum ist in meinem Herzen so die Sehnsucht auferwacht,
Diese brennend roten Lippen zu küssen bei der Nacht?

Abschied

Kein Wort, auch nicht das kleinste, kann ich sagen,
Wozu das Herz den vollen Schlag verwehrt;
Die Stunde drängt, gerüstet steht der Wagen,
Es ist die Fahrt der Heimat abgekehrt.
Geht immerhin – denn eure Tat ist euer -
Und widerruft, was einst das Herz gebot;
Und kauft, wenn dieser Preis euch nicht zu teuer,
Dafür euch in der Heimat euer Brot!
Ich aber kann des Landes nicht, des eignen,
In Schmerz verstummte Klagen


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