949. Nacht
admin am Dez 22nd 2011
949. NachtSo hatten sie nun mit Trank und Sang und Spiel der verschiedensten Instrumente die Nacht zugebracht, und schon begann der Tag anzubrechen. Der fröhlichste unter allen war Ablys, welcher in einer Aufwallung von Freudetrunkenheit alles, was er an Kostbarkeiten bei sich hatte, nebst mehreren Kleidungsstücken der Tochfa zuwarf, deren eines mit Edelsteinen und Hyazinthen besetzt und wohl zehntausend Goldstücke wert war. Zugleich sprach Ablys zu ihr: “Mache mir ein Gedicht auf meinen Bart.” Sogleich schilderte sie diesen auf die abscheulichste Art, zu großen Belustigung der Gesellschaft. Da indessen die Nacht vorüber war, so nötigte sie Ablys, auszuruhn, ehe noch der Morgen völlig anbrach. Die Geister verließen sie alle, und sie blieb ganz allein, und überließ sich den Gedanken an Harun Arreschyd. Darauf begab sie sich in den Garten, richtete ein frommes Gebet an Gott, um baldige Wiedervereinigung mit dem Kalifen, und begab sich dann wieder in ein noch schöneres Bad, als das früher erwähnte, welches diesmal mit muskulhaltigem Rosenwasser angefüllt war. Sie entkleidete sich hier, wusch sich, und betete. Als endlich der Morgen anbrach, und die Sonne diesen wunderschönen Garten beschien, sah sie die ganze Pracht des Gartens in neuem Farbenglanz, und während sie ihn betrachtete, erklang der Gesang der Vögel dazu. Ihre Augen schlossen sich eine Weile. Sie träumte während dieser Zeit von Harun, und vergoss darüber Tränen. Da weckte sie ein leiser Hauch, und siehe, es war die Königin Kamrye, welche sich ihr näherte, und sie nötigte, mit ihr ins Schloss zu kommen, wo alles schon zu ihrem Empfang in Bereitschaft war. Sisban hatte unterdessen seine Gestalt endlich verändert. Ablys aber näherte sich ihr, und küsste ihr die Hand, und als Tochfa sich vor ihm neigte, fragte er sie: “Findest du diesen Ort schön, da er so abgesondert und abscheulich ist? Noch nie hat ein Mensch ihn betreten.” – “Diesen Ort kann niemand abscheulich finden,” erwiderte sie, “und wenn ich ihn betreten habe, so geschah es bloß vermöge Deiner Güte.” Hierauf wurden, wie gewöhnlich, Speisen aufgetragen, alle Arten von Früchten vorgesetzt, und Wein eingeschenkt. Der erste, der den Becher ergriff, war Ablys. Er sagte: “Schöne Tochfa, singe etwas über meinen Becher.” Sie tat es auch sogleich, und zwar folgendermaßen: “Erwacht ihr Geschöpfe, und benutzt von der Zeit, und von dem, was im Leben ungetrübt ist, den Teil der Euch verliehen wurde. Da leerte Ablys seinen Becher, winkte der Tochfa, überreichte ihr Kostbarkeiten, und noch andere, zehntausend Goldstücke wert, nebst einer Schüssel voll Edelsteinen. Endlich füllte er einen anderen Becher, den er dem Sisban, welcher sein Sohn war, überreichte. Dieser empfing ihn aus seiner Hand, stand auf und küsste ihn, und da eben vor ihm eine Schüssel voll Rosen und anderen Blumen stand, so sprach er: “Tochfa, singe mir doch etwas auf diese Rosen.” Sie tat es sogleich auf folgende Weise: “Unter allen Wohlgerüchen trage ich den Preis davon, nur darum fehlt ihr mich am liebsten, weil ich Euch nur selten besuche. Nun trat Maimun, der Schwertträger auf, ergriff einen Becher, und bat sie, auf eine andere Blume etwas zu singen, welches sie ebenfalls zur großen Befriedigung der Gesellschaft tat. Hierauf winkte er ihr, entfernte sich auf eine Weile, kam dann bald zurück, und brachte ein großes Becken voll Edelsteinen, an Wert von hunderttausend Goldstücken. Da befahl die Königin Kamrye einer ihrer Sklavinnen, die Schatzkammer zu öffnen, und die Sachen Tochfas unterdessen darin niederzulegen. Worauf sie dieser letzteren die Schlüssel dazu übergab, und ihr sagte, dass alles, wozu sie in der Zukunft irgend nur gelangen möchte, dort niedergelegt werden könne, und dass nach Vollendung der schönen Tage ihrer Anwesenheit alles durch die Geister in ihr Schloss gebracht werden würde. Jene dankte und küsste ihr die Hand. Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.
|
Tags: 1001 Nacht, Märchen
Geschrieben in 1001 Nacht | Kein Kommentar bis jetzt
949. Nacht als PDF downloaden