929. Nacht

admin am Dez 22nd 2011


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929. Nacht

Jetzt sah der König auf eine schmerzliche Weise ein, wie sehr ihm die treue Aufrichtigkeit seines verstoßenen Wesirs fehlte. Er schickte daher nach ihm, setze ihn wieder in seine vorigen Würden ein, und entfernte von sich die Neider und Bösen, die ihn veranlasst hatten, den Wesir zu verabschieden. Da pries der wieder eingesetzte Wesir Gott, lobte ihn, und rechtfertigte sich in Gegenwart seiner Feinde vor dem König, worüber dieser eine große Freude hatte, und Gott dafür pries, dass die Sachen einen so glücklichen Ausgang genommen hatten.

Wie sehr gleicht nicht diese Geschichte der meinigen, o König, der Du auch den Anschwärzungen anderer gegen mich Gehör gegeben hast, da Dir doch mein Eifer und meine Aufrichtigkeit bekannt waren. Gott aber hat Dir doch Geduld gegeben, dass Du Zeit haben konntest, meine Unschuld zu erkennen und die Wahrheit einzusehen. Bereits sind die Tage verflossen, während welchen, wie man Dir sagte, ich Dich töten wollte. Der Monat ist vollendet, und der Augenblick des Bösen ist vorüber.” Hier schwieg der Wesir, und der König Schachbacht, von Reue durchdrungen, bewunderte den Scharfsinn seines Wesirs und seine Geduld. Er trat zu ihm, umarmte ihn, bekleidete ihn mit kostbaren Ehrenpelzen, überhäufte ihn mit Ehrenstellen, und verhaftete diejenigen, die dem Wesir den Untergang gedroht hatten. Auch derjenige wurde nicht verschont, der den Traum gedeutet hatte.

“Dies ist es,” fuhr Scheherasade fort, “was wir von der Geschichte des Königs Schachbacht erfahren haben.” Da wunderte sich der König über Scheherasade, drückte sie liebevoll an sein Herz, und sprach bei sich selbst: “Bei Gott, eine Frau, wie diese, verdient nicht getötet zu werden, die Zeiten werden nicht so bald eine ähnliche hervorbringen. Ach! In welchem Irrtum und in welcher Grausamkeit habe ich doch gelebt, bis zu der Zeit, wo Gott mir diese Gemahlin zugeführt hat. Preis ihm! O möchte er doch meinen Ausgang mit ihr so einrichten, wie es mit dem Wesir und dem König Schachbacht der Fall war.” Hier überwältigte ihn der Schlaf – Gepriesen sei der, der nie schläft!

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