88. Nacht
admin am Dez 22nd 2011
88. Nacht“Ungeachtet meiner Ohnmacht,” sagte Sindbad, “blieb der lästige Greis fortwährend fest auf meinem Hals und streckte bloß die Beine ein wenig aus, um mich wieder zu mir selber kommen zu lassen. Als ich mich wieder erholt hatte, stemmte er einen seiner Füße heftig gegen meinen Magen, und mich mit dem anderen stark in die Seite schlagend, zwang er mich wider Willen zum Aufstehen. Als ich nun aufgestanden war, musste ich unter den Bäumen umhergehen und dann und wann anhalten, damit er Früchte, die wir fanden, brechen und verzehren konnte. Er ließ den ganzen Tag über nicht locker, und als ich mich in der Nacht ausruhen wollte, streckte er sich, meinen Hals fortwährend umschlossen haltend, mit mir auf die Erde. Jeden Morgen stieß er mich, um mich zu erwecken, und nötigte mich sodann, indem er mich mit seinen Füßen drückte, zum Aufstehen und Gehen. Stellt euch, ihr Herren, die Beschwerlichkeit einer solchen Last vor, von der ich mich nicht loszumachen vermochte. Eines Tages, als ich auf meinem Weg einige trockene Flaschenkürbisse fand, die von einem Baum, der welche trug, herab gefallen waren, nahm ich einen ziemlich großen, und nachdem ich ihn wohl gereinigt hatte, drückte ich den Saft mehrerer Weintrauben hinein, die auf der Insel im Überfluss wuchsen und die wir auf jedem Schritt fanden. Als ich nun den Kürbis damit angefüllt hatte, legte ich ihn an eine Stelle, an welche, durch meine List dahin gebracht, mich der Greis einige Tage nachher leiten musste. Dort nahm ich den Kürbis, setzte ihn an meinen Mund und trank von einem vortrefflichen Wein, der mich auf einige Zeit den auf mir lastenden tödlichen Verdruss vergessen ließ. Dies gab mir Kraft, und ich wurde dadurch sogar so lustig, dass ich im Gehen zu singen und zu springen begann. Der Greis, der die Wirkung bemerkte, welche das Getränk auf mich gemacht hatte, und fühlte, dass ich ihn viel leichter als gewöhnlich trug, machte mir ein Zeichen, dass ich ihm zu trinken geben sollte. Ich reichte ihm den Flaschenkürbis, er nahm ihn, und da der Saft ihm gut schmeckte, so trank er ihn aus, bis auf den letzten Tropfen. Es war genug, um ihn zu berauschen. Auch berauschte er sich wirklich, und da ihm der Weindunst schnell in den Kopf stieg, so fing er an, auf seine Weise zu singen und sich auf meinen Schultern hin und her zu bewegen. Die Erschütterungen, die er dadurch veranlasste, machten, dass er das Genossene wieder von sich gab, und seine Beine erschlafften nach und nach, so dass ich, bemerkend, dass er mich nicht mehr drücke, ihn auf die Erde warf, wo er bewegungslos liegen blieb. Ich nahm nun einen sehr großen Stein und zerschmetterte ihm den Kopf damit. Ich empfand eine sehr große Freude darüber, mich auf immer von diesem vermaledeiten Greis befreit zu haben, und ich ging an das Meeresufer, wo ich Leute aus einem Schiff fand, welches dort geankert hatte, um frisches Wasser und einige Erfrischungen einzunehmen. Sie waren sehr erstaunt, mich zu sehen und die näheren Umstände meines Abenteuers zu hören. “Ihr wart,” sagten sie, “dem Alten des Meeres in die Hände gefallen, und ihr seid der Erste, den er nicht erdrosselt hat. Niemals hat er die, deren er sich bemächtigt hatte, eher losgelassen, als bis sie von ihm erstickt worden waren. Er hat diese Insel durch die Menge der von ihm getöteten Personen berüchtigt gemacht, und die Matrosen und Kaufleute, welche hier landeten, wagten sich nur in zahlreicher Gesellschaft landeinwärts.” Sie führten mich hierauf in ihr Schiff, dessen Hauptmann sich ein Vergnügen daraus machte, mich aufzunehmen, nachdem er erfahren hatte, was mir begegnet war. Er ging unter Segel, und nach einer Fahrt von einigen Tagen landeten wir im Hafen einer großen Stadt. Einer der auf dem Schiff befindlichen Kaufleute, der mich lieb gewonnen, nötigte mich, ihn zu begleiten, und führte mich in eine zum Aufenthalt der fremden Kaufleute dienende Wohnung. Er gab mir einen großen Sack, und nachdem er mich einigen, gleich mir mit einem Sack versehenen, Leuten aus der Stadt empfohlen und sie gebeten hatte, mich mitzunehmen, um Kokosnüsse zu sammeln, sagte er zu mir: “Seht, folgt ihnen, macht ihnen nach, was ihr sie machen seht, und entfernt euch nicht von ihnen, denn ihr würdet euer Leben in Gefahr bringen.” Er versah mich mit Lebensmitteln für den Tag, und ich ging mit den Leuten. Wir gelangten in einen Wald, der aus sehr hohen und sehr geraden Bäumen befand, deren Stämme so glatt waren, dass es unmöglich war bis zu den Zweigen, an welchen die Früchte hingen, hinaufzuklettern. Alle diese Bäume waren Kokosbäume, deren Früchte wir abschlagen wollten, um damit unsere Säcke anzufüllen. Als wir in den Wald traten, sahen wir eine Menge großer und kleiner Affen, welche bei unserem Anblick die Flucht vor uns ergriffen und mit erstaunlicher Behändigkeit bis auf die Gipfel der Bäume kletterten … Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.
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Tags: 1001 Nacht, Märchen
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