875. Nacht
admin am Dez 22nd 2011
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875. Nacht Als indessen sein Wesir Sikar Dium, Bruder des Sikar Sivas, der bei Seif Arr-add Minister war, eintrat, und den Kleinen bemerkte, erfüllte Gott sein Herz mit Hass gegen denselben. “Glaube nicht,” sagte er, als ihm der König die wunderbare Art seines Auffindens mitteilte, “was dieser Mann Dir sagte, das kann nur das Kind einer Frau sein, die es durch unerlaubten Umgang empfangen, und es in der Wüste ausgesetzt hat. Lass es lieber töten!” – “Das wird mir nicht leicht werden,” erwiderte der König. Kaum aber hatte er dieses gesagt, als das Schloss sich mit freudigem Jubel erfüllte, und als er sich nach der Ursache erkundigte, meldete man ihm, dass seine Frau soeben entbunden worden sei. Bei dieser Nachricht nahm er den Kleinen auf den Arm und begab sich zu seiner Gemahlin, und erfuhr, dass es ein Mädchen sei, was zur Welt geboren worden, und dass es auf seiner Wange ein rotes Mal habe. Da wunderte er sich über die beiden Mäler und sagte zu Sikar Dium: “Sieh doch wie schön sie sind.” Als der Wesir dieses sah, schlug er sich in das Gesicht, warf seine Mütze zur Erde und rief: “Wenn diese beiden Mäler sich vereinigen, so verkündige ich Dir den Untergang Abessiniens, denn ihre Bedeutung ist großes Unglück. Töte daher entweder den Kleinen oder Deine Tochter.” – “Ich werde keins von beiden tun,” sagte der König, “denn sie haben nichts verbrochen.” Er ließ sogleich Ammen für beide besorgen, nannte seine Tochter Schame (Mal), den Knaben aber Wachs el-Fellath (Einsamer oder Wüste), und ließ jedes in einem besonderen Gemach erziehen, so dass keines das andere sehen konnte. Als sie zehn Jahre alt waren, nahm Wachs el-Fellath sehr an Kräften zu, und wurde bald ein geübter Reiter, so dass er alle seine Genossen in dieser Kunst und im Fechten übertraf. Im Alter von fünfzehn Jahren aber hatte er ein solches Übergewicht über Alle, die ihn umgaben, gewonnen, dass Sikar Dium dem König drohte, er werde dem König Seif Arr-ad berichten, dass er seinen Feind bei sich aufzog, wenn er ihn nicht augenblicklich aus seinem Land verstieße. Dies jagte dem König Asrach große Furcht ein. Nun traf es sich, dass er einen Heerführer hatte, mit Namen Charag-el Schaker (Baumspalter), der so genannt wurde, weil er nach Bäumen mit seinem Wurfspieß warf, und sie dadurch spaltete. Dieser besaß eine Festung, drei Tagesreisen von der Stadt entfernt. Zu ihm sprach der König: “Nimm Wachs el-Fellath in Deine Festung, und lass ihn nie dieser Gegend sich nahen.” Heimlich fügte er noch hinzu: “Gib wohl auf ihn Acht, und behüte ihn vor allem Unglück, und lass ihm Unterricht geben in allen Künsten.” – Der Heerführer entfernte sich und nahm den Knaben mit in seine Festung, und vervollkommnte ihn in allen Übungen und Wissenschaften. Einst sprach er zu ihm: “Eine Kunst des Krieges ist Dir noch unbekannt.” – “Welche ist dies?”, fragte Wachs el-Fellath. “Komm und siehe selbst!”, erwiderte er ihm. Hierauf führte er ihn an eine Stelle, wo mehrere Bäume standen, und zwar so starke, dass ein Mann sie nicht umklammern konnte. Nun nahm er seinen Wurfspieß, warf nach einem derselben und spaltete ihn. Wachs el-Fellath bat sich den Wurfspieß aus, und vollbrachte zum Erstaunen seines Erziehers dasselbe Stück. – “Wehe Dir,” rief dieser aus, “ich erkenne in Dir denjenigen, durch welchen die Drohung Noahs an uns in Erfüllung gebracht werden wird. Fliehe, und lass Dich nicht mehr in unserem Land sehen, sonst lasse ich Dich töten!” – Wachs el-Fellath verließ also die Stadt, ohne zu wissen, wohin er sich wenden sollte. Drei Tage lebte er von Pflanzen der Erde, bis er endlich an eine mit hohen Mauern umgebene Stadt gelangte, deren Tore verschlossen waren. Die Bewohner waren schwarz gekleidet, und ließen schmerzliche Klagen hören. Vor allen sah er ein Brautzelt und ein Trauerzelt. In das erste trat er ein. Es war dies nämlich die Stadt des Königs Asrach, der ihn erzogen hatte, und die Veranlassung zur Betrübnis der Einwohner war folgende: Sikar Dium hatte nämlich, aus Zorn über den König, weil dieser seinem Rat, den Knaben töten zu lassen, nicht gefolgt war, die Stadt verlassen, und sich zu einem Freund begeben, der ein Zauberer war, und hatte ihm den ganzen Hergang erzählt. – “Was hast Du nun vor?”, fragte ihn dieser. “Ich will versuchen, eine Trennung zwischen ihm und seiner Tochter zu veranlassen.” – “Dazu will ich Dir behilflich sein,” war die Antwort des Zauberers. Er traf auch sogleich die nötigen Vorbereitungen, und ließ einen bösen Geist erscheinen, der Muchtatif (Entführer) hieß. “Was begehrst Du von mir?”, fragte dieser. “Begib Dich eilends nach der Stadt des Königs Asrach, und bewerkstellige, dass die Einwohner sich aus der Stadt begeben.” – Zu jener Zeit nämlich hatten die Menschen noch Umgang mit den höheren Geistern, und erreichten die Einen durch die Anderen ihre Zwecke. Erst seit dem Erscheinen des Propheten zogen sich die Geister zurück. – “Wenn also,” fuhr er fort, “die Bewohner die Stadt verlassen haben, werden sie Dich fragen, was Dein Begehr sei. Sprich dann: ‘Führt mir Schame, die Tochter Eures Königs, heraus, geschmückt mit all ihren Juwelen. Morgen werde ich kommen und sie hinwegführen. Tut ihr das nicht, so zerstöre ich Eure Stadt, und vernichte Euch alle miteinander.’” – Als Muchtatif die Worte dieses Priesters der Zauberkunst hörte, tat er, wie ihm gesagt wurde, und stürzte sich in die Stadt. Sikar Dium aber, als er dies gesehen, kehrte zum König Asrach zurück, um zu erfahren, was sich nun zutragen würde. Er war kaum dort angelangt, als schon Muchtatifs Stimme über der Stadt erscholl. Da begaben sich die Einwohner zum König und sagten: “Du hast gehört, was verlangt wird. Gibst du sie nicht gutwillig heraus, so wirst Du es durch Gewalt tun müssen.” Da begab sich der König weinend zu ihrer Mutter, und meldete ihr den Vorfall. Diese konnte sich vor Verzweiflung kaum fassen, und jedermann im Schloss weinte über diese Trennung. Indessen wurde Schame geschmückt, ihren Eltern entrissen, und in jenes Zelt vor der Stadt gebracht, um dort von dem bösen Geist abgeholt zu werden. Die Einwohner waren auf der Stadtmauer versammelt und weinten. In diesem Augenblick war es, wo Wachs el-Fellath aus der Wüste kam, und sich in das Zelt begab, um zu sehen, was darin vorging. Als der König Asrach, der sich auch auf der Stadtmauer befand, ihn erblickte, rief er ihm zu. Dieser aber hörte nicht darauf, sondern stieg vom Pferd, band es an eine Zeltstange und trat ein. Dieses Märchen als PDF downloaden? – Klicken sie oben rechts. Dieses Märchen als EPUB downloaden? – Klicken Sie unten.
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Tags: 1001 Nacht, Märchen
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