869. Nacht

admin am Dez 22nd 2011


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869. Nacht

Auf meine bejahende Antwort sagte er zu mir, ich möchte mich nicht fürchten, er wäre einer meiner Freunde und wollte mir seine Erkenntlichkeit für einen ihm von mir geleisteten Dienst bezeigen.

„Wer bist Du denn?“, fragte ich ihn mit Verwunderung.

„Ich bin,“ antwortete er, „der Bruder der weißen Schlange, und ich komme, Dich zu benachrichtigen, dass Du nicht weit von dem Ort bist, wo Deine Gemahlin eingesperrt ist.“

Zu gleicher Zeit umhüllte er mich mit seinem Mantel und ließ mich hinter sich aufsteigen. Dann flog er wie ein Blitz dahin, und wir ritten tief in einen großen Wald.

Nachdem wir lange so dahin gesprengt waren, hielt er plötzlich an und ließ mich vom Pferd steigen.

„Du siehst diese beiden Berge,“ sprach er zu mir, „geh an ihnen hin, bis Du die eherne Stadt erblickst; aber hüte Dich wohl, sie zu betreten, bevor ich wieder zu Dir komme und Dir ein Mittel bringe, es ohne Gefahr zu tun.“

Mit diesen Worten verschwand er und ließ mich in einer furchtbaren Einöde.

Ich wanderte mühsam auf einer dürren Ebene, wo vor mir ohne Zweifel noch kein Sterblicher den Fuß hingesetzt, und ich erblickte endlich die Stadt, von welcher der Geist mir gesagt hatte. Die Mauern derselben waren von Erz und so hoch, dass sie sich in den Wolken verloren. Ich näherte mich, ging ringsumher in der Absicht, eine Stelle zu entdecken, wo ich hineingelangen könnte: Aber alle meine Nachforschungen waren vergeblich.

In diesem Augenblick erschien der Bruder der weißen Schlange wieder und reichte mir ein Zauberschwert, mit welchem ich, wie er sagte, in die Stadt dringen könnte, ohne bemerkt zu werden. Ich nahm das Schwert, und der Geist verschwand wieder, ohne mir Zeit zu lassen, ihm zu antworten.

Ein verworrenes Getöse von Stimmen schlug kurz darauf an mein Ohr: Ich kehrte um und erblickte einen Trupp Menschen, welche die Augen mitten in der Brust hatten. Sobald sie mich sahen, näherten sie sich mir und fragten mich, wer ich wäre, und wer mich hierher geführt hätte.

Ich beantwortete ihre Fragen und erzählte ihnen meine Abenteuer. Sie sagten mir nun, dass die junge Frau, von welcher ich ihnen erzählt, wirklich mit dem abtrünnigen Geist in der ehernen Stadt versperrt wäre. Sie wussten aber nicht, auf welche Weise er sie behandelt hätte. „Unsererseits,“ fügten sie hinzu, „habt Ihr nichts zu befürchten; denn wir sind den Brüdern der weißen Schlange dienstbar. Wollt Ihr nun in diese Mauern eindringen, so geht nach jener Quelle, beobachtet, wo sie her fließt, und folgt ihrem Lauf, sie wird Euch in die Stadt führen: Dies ist der einzige Weg, auf welchem Ihr hineingelangen könnt.“

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