83. Nacht

admin am Dez 22nd 2011


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83. Nacht

“Ich war, gleich mehreren anderen Kaufleuten und Matrosen so glücklich, ein Brett zu ergreifen. Wir alle wurden durch einen Meerstrom auf eine vor uns liegende Insel getrieben. Dort fanden wir Früchte und Quellwasser, wodurch unsere Kräfte wieder hergestellt wurden. Wir hielten selbst unsere Nachtruhe an der Stelle, an welche uns das Meer geworfen hatte, ohne über das, was wir ferner tun sollten, einen Entschluss zu fassen. Daran verhinderte uns die Niedergeschlagenheit, in welche unser Unglück uns versetzt hatte.

Sobald am folgenden Tag die Sonne aufgegangen war, entfernten wir uns vom Ufer und erblickten, landeinwärts gehend, Wohnungen, zu welchen wir uns hinbegaben. Bei unserer Ankunft kam eine große Menge Schwarzer auf uns zu. Sie umgaben uns, bemächtigten sich unserer Personen, teilten sich gewissermaßen in uns, und führten uns sodann in ihre Häuser.

Ich wurde nebst fünf meiner Gefährten an denselben Ort gebracht. Man nötigte uns alsbald zum Sitzen, setzte uns ein gewisses Kraut vor, und forderte uns durch Zeichen auf, davon zu essen. Meine Gefährten bedachten nicht, dass diejenigen, welche uns das Kraut vorsetzten, nicht davon aßen. Sie zogen nur ihren heftigen Hunger zu Rate und warfen sich mit Begierde über diese Speise her. Ich, der ich eine Hinterlist ahnte, wollte nicht einmal davon kosten, und befand mich wohl dabei, denn bald nachher wurde ich gewahr, dass meine Gefährten den Verstand verloren, und nicht wussten, was sie sprachen.

Man trug mir hierauf mit Kokosöl zubereiteten Reis auf, und meine Gefährten, die nun völlig verrückt waren, aßen davon übermenschlich. Auch ich aß davon, aber sehr wenig. Die Schwarzen hatten uns das Kraut vorgesetzt, um uns den Verstand zu verwirren und uns dadurch den Kummer zu benehmen, den uns das traurige Bewusstsein unserer Lage verursachen musste, und sie gaben uns den Reis, um uns zu mästen. Da sie Menschenfresser waren, so war es ihre Absicht, uns, wenn wir fett sein würden, zu verzehren. Das widerfuhr meinen Gefährten, die ihr Schicksal nicht ahnten, weil sie ihren gesunden Verstand verloren hatten. Da ich des meinigen noch mächtig war, so könnt ihr euch wohl denken, ihr Herren, dass ich, statt gleich den anderen fett zu werden, noch magerer wurde, als ich schon war. Die Todesfurcht, die mich nicht verließ, verwandelte alle Nahrungsmittel, die ich zu mir nahm, in Gift. Ich verfiel in eine Entkräftung, die mir sehr heilsam war, denn nachdem die Schwarzen meine Gefährten getötet und verzehrt hatten, so ließen sie es dabei bewenden, und da sie sahen, wie vertrocknet, abgemagert und krank war, so verschoben sie meinen Tod auf eine andere Zeit.

Ich hatte jedoch viel Freiheit, und man gab auf mein Tun und Lassen fast gar nicht mehr Acht. Das gab mir Gelegenheit, mich eines Tages von den Wohnungen der Schwarzen zu entfernen und mich zu retten. Ein Greis, der mich sah und der mein Vorhaben merkte, rief mir aus Leibeskräften zu, ich möchte zurückkommen, aber statt ihm zu gehorchen, verdoppelte ich meine Schritte und war ihm bald aus dem Gesicht. Es war niemand in den Wohnungen, als dieser Greis, alle anderen Schwarzen waren abwesend, und sollten gegen Abend wieder heimkehren, was ziemlich oft der Fall war. Da ich also nun sicher war, dass sie nicht mehr Zeit haben würden, mir nachzulaufen, wenn sie meine Flucht erführen: So ging ich, bis es Nacht wurde. Erst dann hielt ich mit Gehen inne, um einige mitgenommene Lebensmittel zu genießen. Aber ich machte mich bald wieder auf den Weg und ging, die bewohnten Orte vermeidend, sieben Tage in einem fort. Ich lebte von Kokosnüssen, die mir zugleich Speise und Trank gewährten.

Am achten Tag gelangte ich in die Nähe des Meeres, und sah nun auf einmal Menschen, weiß wie ich, die damit beschäftigt waren, Pfeffer einzusammeln, den es dort in großer Menge gab. Ihre Beschäftigung war mir von guter Vorbedeutung, und ich stand nicht an, mich ihnen zu nähern.”

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