829. Nacht

admin am Dez 22nd 2011


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829. Nacht

Indem nun Alaeddin und sein Schweigervater beschäftigt waren, die Ballen hereinbringen zu lassen, fragte Sobeïde ihren Vater, wem sie angehörten.

“Liebe Tochter,” antwortete der Alte, “sie gehören Alaeddin, Deinem Gemahl. Sein Vater hat sie soeben ihm geschickt, um ihn für den Verlust derjenigen zu entschädigen, welche die Araber ihm geraubt haben. Überdies hat er ihm eine Summe von fünfzigtausend Goldstücken, einen Packen mit kostbaren Kleidern, einen Zobelpelz, ein Maultier und ein goldenes Waschbecken nebst Gießkanne geschickt. Ihr beide könnt nach Eurem Gefallen über alle diese Dinge schalten; und der Brautschatz insbesondere ist ganz zu Deiner Verfügung.”

Alaeddin öffnete sogleich das Goldkästchen und nahm daraus die fünfzigtausend Goldstücke, welche er seiner Gattin überreichte.

Der Vetter der jungen Frau war ganz erstaunt und verwirrt über alles, was hier vorging, und da er nun alle seine Hoffnungen vernichtet sah, fragte er voll Verdruss seinen Oheim, ob er nicht mehr gesonnen wäre, Alaeddin zu zwingen, dass er ihm seine Frau wiedergäbe.

“Das ist gegenwärtig unmöglich,” antwortete der Alte, “denn das Gesetz ist ganz für Alaeddin, der, wie Ihr seht, alle seine Verpflichtungen erfüllt hat.”

Der Vetter, durch diese Antwort niedergeschmettert, ging nach Hause mit Verzweiflung im Herzen. Er verfiel bald darauf in eine Krankheit und starb nach einiger Zeit vor Gram.

Nachdem Alaeddin die Ballen hatte hereinschaffen lassen, ging er hin, die nötigen Vorräte zu einem ähnlichen Mahl wie an den vorigen Abenden anzuschaffen. Als er zurückkam, sagte er zu Sobeïde:

“Ich habe mich in meinen Vermutungen nicht betrogen. Diese Derwische sind Betrüger, die mir Versprechungen ins Blaue hinein getan: Du siehst, wie sie Wort gehalten haben!”

“Hege nicht eine so böse Meinung von ihnen,” antwortete ihm seine Frau. “Du bist der Sohn des Vorstehers der Kaufleute von Kairo, und gleichwohl besaßest Du gestern nicht das kleinste Stück Geldes. In welcher Verlegenheit müssen nicht diese Derwische bei ihrer Armut sein, sich fünfzigtausend Goldstücke zu verschaffen!”

“Gott sei Dank!”, erwiderte Alaeddin, “wir bedürfen ihrer nicht mehr: Sie sollten jetzt nur kommen, ich würde ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen.”

“Warum denn?”, sagte Sobeïde. “Ich bin im Gegenteil überzeugt, dass ihre Gegenwart uns Glück gebracht hat; und schoben sie nicht jeden Abend unvermerkt eine Börse von hundert Goldstücken unter ein Kissen?”

Am Abend, als die Wachskerzen angezündet waren, bat Alaeddin seine Gattin, ihre Laute zu nehmen und eins ihrer Lieblingslieder zu spielen. Sobeïde, der es ein Vergnügen war, seinen geringsten Wünschen zuvorzukommen, war sogleich bereit dazu. Sie stimmte ihr Saitenspiel und fing an zu singen.

In diesem Augenblick klopfte man ziemlich stark an die Haustüre. Sobeïde bat ihren Gatten, hinzugehen und zu sehen, was da wäre. Als er geöffnet hatte und die Derwische erblickte, rief er lachend aus:

“Ha, ha! Nur herein, Ihr Herren Windmacher, herein!”

Als die Derwische sich gesetzt hatten, ließ Alaeddin das Mahl auftragen.

“Herr,” sagte einer von ihnen, “die Unmöglichkeit, in der wir uns befanden, zu tun, was wir wünschten, verhindert uns jedoch nicht, den lebhaftesten Teil an allem zu nehmen, was Euch betrifft: Seid doch so gut und erzählt uns, wie es Euch mit Eurem Schweigervater ergangen ist.”

“Der Himmel,” antwortete Alaeddin, “hat uns mit mehr Güte überschüttet, als wir zu hoffen wagten!”

“Wir sind hocherfreut darüber,” fuhr der falsche Derwisch fort, “denn wir waren Euretwegen sehr besorgt; und Ihr könnt überzeugt sein, dass, wenn wir die Euch versprochene Summe hätten aufbringen können, wir es von Herzen gern getan hätten.”

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