819. Nacht

admin am Dez 22nd 2011


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819. Nacht

Als nun Alaeddin auf einige Augenblicke hinausgehen musste, benutzte Mahmud Albalchy diese Gelegenheit, wandte sich zu den jungen Leuten und versprach ihnen, jedem ein prächtiges Kleid zu schenken, wenn sie den Alaeddin bestimmen könnten, mit ihm zu reisen. die jungen Leute nahmen sein Versprechen an, worauf er sie verließ und zu seiner Gesellschaft zurückkehrte.

Als Alaeddin wieder herein trat, gingen alle die jungen Leute ihm entgegen, ließen ihn in ihrer Mitte sitzen und fingen an, von Handelssachen zu sprechen. Einer von ihnen wandte sich an den, der ihm zur Seite saß, und fragte ihn, wie er sich das Vermögen verschafft hätte, welches er gegenwärtig besäße.

“Als ich das mannbare Alter erreicht hatte,” antwortete der junge Mann, an den diese Frage gerichtet war, “drang ich in meinen Vater, mir Waren zu kaufen; weil er aber nicht dazu imstande war, sagte er mir, ich sollte mich an einen seiner Freunde, einen Kaufmann, wenden, tausend Goldstücke von ihm entlehnen, sie in Waren verwandeln und mich auf Erwerbung aller der Kenntnisse legen, welche zum glücklichen Erfolg im Handel dienen. Ich befolgte seinen Rat und wandte mich an einen Kaufmann, der mir tausend Goldstücke lieh, für welche ich Stoffe einkaufte und damit nach Syrien reiste. Dort verkaufte ich meine Waren glücklich genug; denn ich gewann zweihundert für hundert. Da ich so mein Vermögen verdoppelt sah, kaufte ich syrische Waren, welche ich in Halep verkaufte, wo ich abermals gute Geschäfte machte. So habe ich meinen Handel fortgetrieben bis heute, und durch Anstrengung bin ich dahin gelangt, mir ein Vermögen von zehntausend Goldstücken zu erwerben.”

Jeder der jungen Leute erzählte eine ziemlich ähnliche Geschichte, bis endlich die Reihe an Alaeddin kam.

“Ihr wisst alle,” sagte er zu ihnen, “meine Geschichte. Sie ist nicht lang. Ich bin diese Woche erst aus der unterirdischen Wohnung hervorgekommen, in welcher ich erzogen worden, und ich habe weiter noch nichts getan, als vom Haus nach dem Warenlager gehen und wieder von dem Warenlager nach Hause.”

“Ihr dürftet also,” sagte einer der jungen Leute, “wohl große Lust zu reisen haben.”

“Was hab’ ich nötig zu reisen?”, versetzte Alaeddin, “kann ich nicht ruhig zu Hause bleiben, ohne mir so viel Mühe zu geben?”

Die jungen Leute fingen an, über diese Antwort zu lachen, und erklärten ihn unter sich, aber laut genug, dass er es verstehen konnte, für einen zaghaften und furchtsamen Menschen.

“Er gleicht,” sagte der eine, “dem Fische, der außer dem Wasser stirbt: Er könnte nicht leben, wenn er das väterliche Haus verließe.”

“Er weiß nicht,” sagte ein anderer, “dass Reisen die Leute bilden, dass man nur auf Reisen sich unterrichtet, und dass ein Kaufmann, der nicht die entferntesten Länder durchzogen hat, weder den Handel verstehen, noch sich irgend eines Ansehens in seinem Stand erfreuen kann.”

Diese Spöttereien trafen Alaeddin so lebhaft, dass er auf der Stelle mit Tränen im Auge hinausging, sein Maultier bestieg und mit beklommenem Herzen heimkehrte.

Seine Mutter gewahrte es, und als sie ihn so verdrießlich sah, fragte sie ihn, was ihm begegnet wäre.

Alaeddin erzählte seiner Mutter die Unterhaltung, welche er mit den jungen Kaufleuten gehabt, und die Spöttereien, welche sie sich gegen ihn erlaubt hatten, und erklärte ihr, dass er durchaus reisen wollte.

Seine Mutter bemühte sich anfangs, ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Als sie aber sah, dass es vergeblich wäre, fragte sie ihn, wohin er denn zu reisen gedächte.

“Ich will,” antwortete Alaeddin, “mich nach Bagdad begeben, wo man, wie ich vernommen habe, leichtlich sein Vermögen verdoppeln kann.”

Alaeddins Mutter, obwohl herzlich betrübt, dass sie sich von einem so zärtlich geliebten Sohne trennen sollte, versprach ihm, mit seinem Vater davon zu reden und ihn zu vermögen, dass er ihm einen seinem Vermögen angemessenen Warenvorrat gäbe.

Alaeddin, schon voll Ungeduld abzureisen, beschwor seine Mutter, dass sie selber ihm Sachen dazu gäbe, über welche sie schalten könnte, und sie auf der Stelle einpacken ließe.

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